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Wie genau musst du deine Berufsunfähigkeitsrente versteuern? Welche weiteren Abgaben – neben Steuern – kommen eigentlich im Falle einer Berufsunfähigkeit auf dich zu? Wie genau es mit Steuern, Krankenversicherungsbeiträgen und Rentenversicherungsbeiträgen auf deine BU-Rente aussieht, erfährst du im nachfolgenden Artikel.

P.S. Wenn du eine Berufsunfähigkeitsversicherung hast, dann hast du schon mal vieles richtig gemacht. Wenn nicht, dann nimm dir kurz die Zeit und lies dir unseren Experten-Artikel zur Berufsunfähigkeitsversicherung durch. Danach sind alle Fragen zur Berufsunfähigkeitsversicherung beantwortet.

steuern auf bu rente besteuerung berufsunfähigkeitsrente - Besteuerung Berufsunfähigkeitsrente (und alle weiteren Abzüge)

1. Steuern auf deine Berufsunfähigkeitsrente

Ja nachdem, wie du deine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen, also quasi in welcher Schicht, unterscheidet sich die Besteuerung deiner Berufsunfähigkeitsrente bei der Auszahlung.

Gerne kannst du dir im angezeigten Video die verschiedenen Formen der Besteuerung im Detail ansehen.

Nachfolgend werde ich auf die am häufigsten vorkommende Form der Besteuerung einer Berufsunfähigkeitsversicherung eingehen.

Nämlich wenn eine reine BU-Versicherung, ohne Verbindung mit anderen Produkten (z.B. Basisrente, betriebliche Altersvorsorge) abgeschlossen wurde.

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Besteuerung Berufsunfähigkeitsrente in der 3. Schicht

Eine Berufsunfähigkeitsrente in der so genannten 3. Schicht wird wie eine so genannte “abgekürzte Leibrente” behandelt. Dies kannst du im  § 22 Nr. 1 Satz 3 lit. a) bb) EStG, sowie § 55 Abs. 2 EStDV nachlesen.

Die Besteuerung deiner BU-Rente als abgekürzte Leibrente bedeutet, dass nur der sog. Ertragsanteil besteuert wird. Wie sich dieser Ertragsanteil genau berechnet, erfährst du im nächsten Absatz.

Ertragsanteil Berufsunfähigkeitsrente berechnen

Der Ertragsanteil deiner BU-Rente hängt davon ab,

  • mit welchem Alter du berufsunfähig wurdest und
  • wie lange theoretisch die Berufsunfähigkeitsrente gezahlt werden könnte (Ablauf deiner BU-Versicherung)

Anhand einer Tabelle (siehe weiter unten) kann genau abgelesen werden, welcher Ertragsanteil für welche Restlaufzeit/Alter relevant ist.

Rechenbeispiel Ertragsanteilbesteuerung

Wird nun also ein heute 30-jähriger berufsunfähig und hat eine Berufsunfähigkeitsversicherung bis zum 67. Lebensjahr abgeschlossen, so ergibt sich eine maximale Rentenzahlungsdauer von 37 Jahren. Laut Tabelle wäre dann bei 37 Jahren möglicher Rentenzahlung ein Anteil von 36% der BU-Rente zu versteuern.

Wurden 2.000 € BU-Rente abgesichert, so müssten in diesem Beispiel 720 € versteuert werden. Da dieser Wert aber unter dem Streuerfreibetrag liegt (2021: 9.744 € p.a. / 812 € p.m.), sind keinerlei Steuern zu zahlen – sofern es neben der Berufsunfähigkeitsrente keine weiteren Einkunftsquellen gibt. Sind andere Einkunftsquellen vorhanden (z.B. Mieteinnahmen), dann müssen diese natürlich berücksichtigt werden und es kann insgesamt zu Steuerzahlungen kommen.

Beschränkung der Laufzeit der Rente auf … Jahre ab Beginn des Rentenbezugs (ab 1. Januar 1955, falls die Rente vor diesem Zeitpunkt zu laufen begonnen hat)Der Ertragsanteil beträgt vorbehaltlich der Spalte 3 … ProzentDer Ertragsanteil ist der Tabelle in § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchstabe a Doppelbuchstabe bb des Gesetzes zu entnehmen, wenn der Rentenberechtigte zu Beginn des Rentenbezugs (vor dem 1. Januar 1955, falls die Rente vor diesem Zeitpunkt zu laufen begonnen hat) das …te Lebensjahr vollendet hatte
123
10entfällt
21entfällt
3297
4492
5588
6783
7881
8980
91078
101275
111374
121472
131571
14-151669
16-171867
181965
192064
202163
212262
222360
232459
242558
252657
262755
272854
282953
29-303051
313150
323249
333348
343446
35-363545
373643
383742
393841
40-413939
424038
43-444136
454235
46-474333
484432
49-504530
51-524628
534727
54-554825
56-574923
58-595021
60-615119
62-635217
64-655315
66-675413
68-695511
70-71569
72-74576
75-76584
77-79592
ab 80Der Ertragsanteil ist immer der Tabelle in § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchstabe a Doppelbuchstabe bb des Gesetzes zu entnehmen.

 

Quelle: https://dejure.org/gesetze/EStDV/55.html

2. Krankenversicherungsbeiträge auf private Berufsunfähigkeitsversicherungen

Privat krankenversichert

Wenn du privat krankenversichert und nicht Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse bist, ist die Frage nach weiterer Beitragszahlung relativ einfach zu beantworten: Auch wenn du berufsunfähig bist, musst du die Beiträge zu deiner privaten Krankenversicherung in voller Höhe weiterzahlen.

Eine Änderung kann es lediglich für die Krankentagegeldversicherung geben: Der Eintritt der Berufsunfähigkeit ist, nach der Definition des Krankentagegeldversicherers, ein Grund für den Versicherer, das Versicherungsverhältnis zu beenden. Entsprechend musst du auch keine Beiträge mehr zahlen.

Kleiner Tipp hierzu: Wandele die Krankentagegeldversicherung in eine Anwartschaft um. Dadurch kannst du den Versicherungsschutz wieder aufleben lassen, wenn du nur vorübergehen berufsunfähig sein solltest.

Gesetzlich krankenversichert

Wenn du gesetzlich krankenversichert bist, gibt es mehrere Möglichkeiten, wie es mit der weiteren Beitragszahlung (Krankenversicherung & Pflegepflichtversicherung) bei Berufsunfähigkeit aussehen könnte.

Wenn deine Berufsunfähigkeitsversicherung über den Arbeitgeber im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge abgeschlossen wurde, ist die BU-Rente in voller Höhe beitragspflichtig. Der Krankenversicherungsbeitrag wird hier dann direkt von der Berufsunfähigkeitsrente (BU-Rente) abgezogen.

Wenn deine Berufsunfähigkeitsversicherung über einen privat abgeschlossenen Vertrag abgeschlossen wurde, führt die Krankenkasse eine so genannte Statusprüfung durch:

Entweder wirst du als versicherungspflichtiges Mitglied eingestuft, dann brauchst du keine Beiträge auf die Berufsunfähigkeitsrente zahlen.

Oder aber die Krankenkasse stuft dich als freiwilliges Mitglied ein, dann können auch auf die Berufsunfähigkeitsrente Krankenkassenbeiträge mit dem vollen Beitragssatz fällig werden.

Ob du in das eine oder das andere eingestuft wirst, hängt unter anderem davon ab, ob du zusätzlich Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung bekommst (z.B. Erwerbsminderungsrente) und wie hoch deine Gesamteinnahmen, neben der Berufsunfähigkeitsrente, sind.

3. Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung

Bei der Berufsunfähigkeitsrente (BU-Rente) besteht keine Beitragspflicht zur gesetzlichen Rentenversicherung. Dies bedeutet aber auch im gleichen Moment, dass dein Rentenanspruch sinkt, da du nicht mehr in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlst. Deswegen musst du daran denken, deine private Altersvorsorge im Falle von Berufsunfähigkeit zu erhöhen! Tatsächlich machen viele Menschen das Gegenteil: Sie unterbrechen oder kündigen gar ihre private Altersvorsorge, weil sie eine viel zu niedrige BU-Rente versichert haben und sich die Beiträge für z.B. private Rentenversicherungen nicht mehr leisten können. Wähle also die Höhe deiner BU-Rente richtig. Mehr zur richtigen Höhe deiner BU-Rente kannst du hier nachlesen.

4. Kürzung der Berufsunfähigkeitsrente (BU-Rente) durch Leistungen aus der Sozialversicherung?

Beziehst du eine private Berufsunfähigkeitsrente und gleichzeitig Leistungen aus der Sozialversicherung, wie z.B.

  • Krankengeld durch die Krankenkasse
  • Arbeitslosengeld
  • Erwerbsminderungsrente

so kann weder der BU-Versicherer noch die Sozialversicherung die Leistung kürzen, selbst wenn du in Summe beider Leistungen monatlich mehr Einkommen hättest als zu der Zeit, als du noch regelmäßig gearbeitet hast.

Warum ist das so?

Das so genannte Bereicherungsverbot ist ein Grundsatz in der Schadenversicherung, nach dem die gezahlte Entschädigung nicht höher sein darf als der Schaden selbst (findest du im §200 VVG).

Eine Schadenversicherung dient also immer einer konkreten Bedarfsdeckung.

Die private Berufsunfähigkeitsversicherung ist aber eine Summenversicherung.

Das bedeutet, dass im Schadenfall die vereinbarte Versicherungssumme (Berufsunfähigkeitsrente) genau die zu zahlende Versicherungsleistung darstellt

Es muss also kein direkter Zusammenhang zwischen der Versicherungsleistung und deinem Schaden als Versicherter bestehen. Somit kann es auch kein Bereicherungsverbot geben.

Wichtig:

Lediglich die Grundsicherung und das Arbeitslosengeld II, als so genannte nachschüssige Leistungen können gekürzt werden. Beachte dies bitte vor allem bei der Wahl der Höhe deiner Berufsunfähigkeitsrente. Ist diese zu niedrig (sollte über 1.000 € liegen) angesetzt und du fällst deshalb später mal in die Grundsicherung, dann hast du quasi die ganze Zeit Beiträge umsonst gezahlt, da die Berufsunfähigkeitsrente hier dann angerechnet wird auf die Grundsicherung.

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