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Cat-Bonds – warum du Katastrophenanleihen kennen solltest

Nur wenige Tage Pause lässt die Natur den USA. In der ersten Septemberwoche 2017 ist das Hochwasser, das Hurricane Harvey in Houston noch immer nicht vollständig versickert. Geschätzte 100 Mrd. Dollar an Schäden hat er hinterlassen. Gleichzeitig nimmt draußen auf dem Meer Irma, der stärkster Hurricane, der jemals im Atlantik gemessen wurde, Kurs auf Florida.

Doch halten wir einmal inne. Wie kann sich eine Nation vor solchen Naturkatastrophen schützen? Klar kann die Regierung mehr Deiche und die Bewohner stabilere Häuser bauen. In diesem Artikel möchte ich euch aber eine finanzielle Innovation vorstellen, mit der man sich gegen die finanziellen Folgen von Naturkatastrophen absichern können.

Eine Katastrophenanleihe, ein sogenannter Cat Bond (Catastrophe Bond) ist das, was dabei herauskommt, wenn man die Idee einer Versicherung mit einer Finanzanlage kreuzt.

In diesem Artikel erkläre ich dir, wie Katastrophenanleihen funktionieren und warum es sich lohnen kann in diese zu investieren. Und wir klären die Frage, ob und wo du in solche Papiere investieren kannst.

  • Wie funktioniert eine Katastrophenanleihe?
  • Was ist der Vorteil im Vergleich zu anderen Instrumenten?
  • Wieso ist eine Katastrophenanleihe ein interessantes Investment?
  • Kann ich als Privatperson in eine Katastrophenanleihe investieren?

 

Wie funktioniert eine Katastrophenanleihe?

Cat Bonds als Risikotransfer von Versicherungen auf Investoren

Cat Bonds sind eine Möglichkeit für Versicherungen die Gefahr großer Schäden aus Naturkatastrophen über eine Art Crowdfunding zu verteilen. Anstatt Risiken für Naturgefahren auf der eigenen Bilanz zu halten, werden solche Spitzenrisiken an den Kapitalmarkt abgegeben.

Für den Investor ist die Katastrophenanleihe, eine von einer Investmentbank ausgegebene Anleihe, die einen bestimmten Zinssatz (Coupon) verspricht. Die Anleihe hat meist eine Laufzeit von einem Jahr bis fünf Jahre – bisher also ähnlich wie bei Schuldverschreibungen. Was Cat Bonds besonders macht: Tritt das für die Anleihe definierte Versicherungs-Event ein, fällt die Anleihe aus – das ist analog zu einer Firmenpleite bei einer Schuldverschreibung. Der Cat Bond-Halter bekommt dann seine Investition nicht mehr oder nur noch teilweise zurückerstattet. Denn in diesem Fall wird sein Geld dazu verwendet, Naturkatastrophenschäden zu bezahlen.

 

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Man kann sich das Ganze auch so vorstellen: Der Cat Bond-Investor und der Emittent gehen eine Wette ein. Der Investor wettet, darauf, dass für die Laufzeit der Anleihe ein relativ unwahrscheinliches Event (z.B. starker Hurricane) nicht eintritt. Der Emittent (Versicherung) wettet darauf, dass das unwahrscheinliche Event eintritt.

 

Parametrischer Trigger

Vereinfacht gesagt, könnte ein Event folgendermaßen definiert werden: 4 von 5 definierten Erdbebenstation in Tokio müssen mindestens ein Erdbeben der Stärke 9,0 am gleichen Tag messen. Unabhängig davon ob, das Erdbeben überhaupt einen einzigen Stein umgeworfen hat, wird das Event dann ausgelöst und das Geld wird einbehalten. Diese Art von Event-Trigger nennt man parametrischen Trigger. Typische definierte Events sind Naturkatastrophen wie Erdbeben und Stürme. Oft werden die Trigger so berechnet, dass die Event-Wahrscheinlichkeit bei ca. 2% liegt.

Katastrophenanleihen gibt es bereits seit über 20 Jahren und jedes Jahr werden Anleihen in Höhe von mehreren Milliarden Euro ausgegeben.

 

Was ist der Vorteil im Vergleich zu anderen Instrumenten?

Vorteile von Cat Bonds

Mit dieser Technologie können Risiken, die eigentlich sehr konzentriert sind, weltweit in kleinen Scheibchen auf Investoren verteilt werden. Dabei kann die Gefahr vermindert werden, dass ein Risikoträger einen zu großen Klumpens des Risikos trägt und im Ereignisfall von einer Insolvenz bedroht ist. Das ist prinzipiell einmal eine gute Sache.

Für Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaften ist diese Art des Risikotransfers oft auch etwas günstiger als andere Methoden. Dabei geht es auch darum, Risikokapital freizusetzen, das Versicherungen sonst für solche Großschäden vorhalten müssen.

Nachteile von Cat Bonds

Ein Nachteil ist, dass mit parametrischen Triggern ein gewisses Basisrisko miteinhergeht. Damit ist gemeint, dass auch wenn mein Keller wegen einem Sturm mit Wasser vollläuft, das nicht unbedingt heißt, dass ich aus der Katastrophenanleihe auch Geld erwarten kann. Denn es kommt hier auch darauf an, ob die tatsächlichen Werte, die zu einer Auszahlung der Versicherung führen, erreicht wurden: zum Beispiel die Messung einer bestimmten Windstärke.

Auch ist die Verbriefung, also der Prozess die Risiken auf die Anleihen zu transferieren, eher teuer. Investmentbanken sind an der Verbriefung beteiligt und organisieren mögliche Kaufinteressenten. Es müssen sogenannte SPVs (Special Purpose Vehicle) gegründet werden, um dort das Geld aus der Anleihe zwischenzuparken. Die hohen Kosten der Strukturierung und Verbriefung sind übrigens auch der Grund, wieso man als Privatperson sich zwar versichern kann, aber es sich nicht lohnt, seine eigene Katastrophenanleihe zu emittieren.

 

Wieso ist eine Katastrophenanleihe ein interessantes Investment?

Diversifikation durch ein komplett anderes Risiko

Wieso sollte ein Investor in einen Cat Bond investieren? Bei der großen Auswahl an Investmentzertifikaten und Papieren kann man sich erstmal fragen, wieso man nochmal eine weitere Art von Zertifikaten braucht. Doch tatsächlich ist eine Katastrophenanleihe aus einem sehr einfachen Grund eine beliebte Portfolio-Beimischung, etwa von Pensionsfonds: lokale Naturkatastrophen sind in der Regel nur sehr schwach mit den weltweiten Aktien- und Anleihemärkten korreliert.

Man kann sagen: ein Aktiencrash hat bisher noch nie ein Erdbeben oder einen Sturm ausgelöst – auch wenn das sprichwörtlich immer wieder derart beschrieben wird. Andersrum kann man sich schon eher einen kausalen Zusammenhang vorstellen: Ein Erdbeben, das ganze Städte und Industrien in Schutt und Asche legt, hätte vielleicht das Potential die Finanzmärkte zu crashen. Allerdings ist dieser Zusammenhang in der Realität kaum zu beobachten. Auch nach dem starken Erdbeben in Japan mit dem anschließenden Atomunglück in Fukushima folgte an den weltweiten Finanzmärkten kein massiver oder langfristiger Einbruch.

Entwicklung des Swiss Re USD Cat Bond Performance Index von 2002 bis 2013;

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 Quelle: http://www.swissre.com/library/Swiss_Re_Cat_Bond_Indices_Methodology.html

 

Dass die Theorie über die niedrige Korrelation nicht immer zutreffend war, zeigt die Grafik oben. Früher hatten Investmentbanken einen Teil der Auszahlungen aus Katastrophenanleihen garantiert (über sogenannte Total Return Swap TRS). Aufgrund dieser Unsicherheit wurde der Cat Bond-Markt auch von der Pleite von Lehman Brothers 2008 getroffen und der Cat Bond Markt ist mit unter Druck gekommen. Mittlerweile erfolgt die Besicherung vor allem durch das Hinterlegen von Wertpapieren. Man hat also aus Lehman Brothers gelernt.

 

Historisch gesehen gute Renditen auf Katastrophenanleihen

Nach der Portfolio-Theorie kann es also durchaus sinnvoll sein, eine Katastrophenanleihe dem Portfolio beizumischen, um es zu diversifizieren und damit zu stabilisieren. Außerdem sind die zu erwarteten Renditen mit 4% bis 6% bei Katastrophenanleihen selbst in der Niedrigzinsphase aktuell relativ hoch. Historisch gesehen, waren sogar höhere Renditen möglich. Steigen die Kreditzinsen, steigt das Renditeniveau von Cat Bonds natürlich mit.

Übersicht über Durchschnittsrenditen von Cat Bonds nach Investmenthorizont; Basis ist der Swiss Re USD Cat Bond Performance Index von 2002 bis 2013;

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Quelle: http://www.swissre.com/library/Swiss_Re_Cat_Bond_Indices_Methodology.html

 

Kann ich als Privatperson in eine Katastrophenanleihe investieren?

Ein direktes Investment in Katastrophenanleihen ist für Privatpersonen leider nicht möglich. Denn diese werden meist nur außerbörslich und in großen Stückelungen von mehreren hunderttausend Euro gehandelt. Aber man kann Fonds kaufen, die diese selbst im Portfolio haben. Die Plenum Investments AG und LGT Capital Partners haben zum Beispiel Cat Bonds-Fonds aufgelegt. Man sollte hier aber genau auf die Gebühren schauen: oft sind die Ausgabeaufschläge und Verwaltungskosten hoch. Trotzdem kann eine Investition in Cat Bonds als Portfolio-Beimischung durchaus Sinn machen, gerade für große Vermögen und Fans einer guten Diversifikation.

 

Über den Autor

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Manuel hat über 7 Jahre für einen der weltgrößten Rückversicherer gearbeitet. Dort hat er dual studiert und anschließend Erfahrung in der Analyse und Steuerung von Kreditrisiken für das Rückversicherungsgeschäft und die Kapitalanlage gesammelt. Aktuell führt er zusammen mit seinem Kommilitonen Florian eine kleine HR Marketing-Agentur, die sich auf die Vermarktung guter dualer Studienprogramme konzentriert. Außerdem hat er das erste Ratgeberbuch zum Thema duales Studium geschrieben und gibt Tipps zum dualen Studium auf Youtube.

Kontakt: Manuel.Thaler@duales-studium.guru

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