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Die Berufsunfähigkeitsversicherung – Das solltest du wissen

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt. Sie zahlt dir eine monatliche Rente, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf nur noch zu 50 % (oder weniger) ausführen kannst. Wichtig dabei ist, dass eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung auch noch zahlt, selbst wenn du einen anderen Beruf ausüben könntest – dies nennt man „Verzicht auf die abstrakte Verweisung“ an einen anderen Beruf.

Vielen Menschen ist die Wichtigkeit der Berufsunfähigkeitsversicherung allerdings gar nicht bewusst. Sie schließen lieber eine KFZ – Vollkaskoversicherung als eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass eher das Auto, als die eigene Arbeitskraft wichtiger zu sein scheint.

Vergleicht man beispielhaft den Schaden eines Autounfalles mit einem „Verlust“ von 20.000 € mit dem Verlust der eigenen Nettoarbeitskraft, in diesem Beispiel 756.000€ (1.500 € Netto x 12 Monate x 42 Jahre), dann wird eigentlich schnell klar, welcher der beiden Absicherungen man die größere Aufmerksamkeit schenken sollte – was paradoxerweise leider oft nicht der Fall ist.

Bei Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es zwei große Irrtümer

  • Irrtum Nr. 1: „In meinem Beruf werde ich nicht berufsunfähig!“

Hier lohnt sich ein Blick auf die Statistiken, denn jeder vierte Arbeitnehmer wird berufsunfähig. Bei den Handwerkern ist es sogar jeder dritte. Das Problem hierbei ist, dass viele Menschen beim Gedanken an eine mögliche Berufsunfähigkeit diese einfach mit dem „Gefahrenpotential“ vergleichen, das der eigene Job mit sich bringt. Und wenn man den ganzen Tag nur auf einem Bürostuhl sitzt, so hört man schnell den Satz: „In meinem Beruf werde ich eh nie Berufsunfähig!“

Was wiederum ein Trugschluss ist. Vergessen wird hierbei, dass eine Berufsunfähigkeit nicht nur durch Unfälle bei der Arbeit, sondern auch durch Krankheiten wie Krebs, Burn-Outs und andere Nervenkrankheiten entstehen kann – und genau letztere Fälle machen auch die Mehrheit der gemeldeten Berufsunfähigkeitsfälle aus (Stand 2015).

Das ganze Thema „Die Gründe gründe für eine Berufsunfähigkeit“ habe auch hier noch mal in einem Video aufgearbeitet:

 

  • Irrtum Nr. 2 „Papa Staat wird sich schon um mich kümmern.“

Dieser Irrtum ist grundsätzlich richtig, jedoch auch nicht ganz. Voraussetzung, dass dir der Staat im Falle der Berufsunfähigkeit eine Berufsunfähigkeitsrente zahlt ist, dass du noch zu den Jahrgängen gehörst, die vor 1961 geboren wurden. Trifft das auf dich nicht zu, bekommst du bei Berufsunfähigkeit keine Berufsunfähigkeitsrente vom Staat.

Was du eventuell bekommen könntest ist eine Erwerbsunfähigkeitsrente bzw. eine Erwerbsminderungsrente.

Einen Anspruch auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente hast du nur wenn du die folgenden Voraussetzungen erfüllst (§43 SGB VI):

  • eine teilweise oder volle Erwerbsunfähigkeit liegt bei dir vor (Feststellung durch den Amtsarzt der gesetzlichen Rentenversicherung)
  • du hast mindestens 3 Jahre Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung bezahlt für eine versicherte Tätigkeit oder Beschäftigung (und dies innerhalb der letzten fünf Jahre vor Eintritt der Erwerbsunfähigkeit)
  • die allgemeine Wartezeit muss erfüllt sein (diese beträgt in der Regel fünf Jahre)

Auszubildende, Schüler oder Studenten haben in der Regel keinen Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente.

Die Erwerbsminderungsrente wird in zwei Stufen aufgeteilt

Zum einen, wenn du nur noch 0 – 3 Stunden in irgendeinem Job arbeiten kannst, giltst du als voll erwerbsgemindert und hast Anspruch auf ca. 30 % deines letzten Bruttoeinkommens.

Solltest du jedoch noch 3 – 6 Stunden irgendetwas arbeiten können, giltst du nur als teilweise erwerbsunfähig und bekommst ca. 15 % deines letzten Bruttoeinkommens – wovon man natürlich auch nicht leben kann.

Wie sieht das bei der Berufsunfähigkeitsversicherung aus?

Du giltst man als berufsunfähig, wenn du voraussichtlich mindestens 6 Monate deinen zuletzt ausgeübten Beruf nur noch zu 50 % ausführen kannst. Festgestellt wird die Berufsunfähigkeit von einem Arzt, der den Bericht an deine Versicherung weiterleitet. Die Versicherung kann hier dann noch mal einen eigenen Arzt zur Prüfung der Berufsunfähigkeit beauftragen. Nach der Überprüfung und Genehmigung des Antrages bekommst du dann die monatlich vereinbarte Rente ausbezahlt – und zwar solange du berufsunfähig bist, längstens bis zum Ende der vereinbarten Vertragslaufzeit.

Ungefähr 80% des Nettoeinkommens sollten abgesichert werden

Damit deine Berufsunfähigkeitsversicherung auch das an Geld leistet, was du tatsächlich zum Leben brauchst, ist die „80%-Regel“ ein guter Anhaltspunkt. Das heißt, du versicherst 80% deines Nettoeinkommens.

Allerdings lebt jeder Mensch unterschiedlich und hat unterschiedliche Fixkosten und variable Kosten. Du solltest also optimalerweise für dich selbst eine Aufstellung deiner Kosten und Ausgaben deiner Lebenshaltung pro Monat machen und dies dann als Wert für deine abgesicherte Berufunfähigkeitsrente hernehmen.

Beispiel: Du verdienst 1.500 € (100%) netto, dann solltest du ca. 1.200 € (80%) mtl. Rente erhalten.

Auf welche Punkte solltest du achten, wenn du eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt?

Die Allgemeine Versicherungsbedingungen (AVB) müssen zu 100% passen.

  • Der Versicherer muss auf die abstrakte Verweisung verzichten. D. h. der Versicherer kann dich nicht auf einen anderen Beruf verweisen, der nicht deinem Bildungslevel und deiner Gehaltsklasse entspricht
  • Achte auf einen weltweiten Versicherungsschutz.
  • Bezahlung der Rente ab einer Berufsunfähigkeit von 50 %, fortlaufend und rückwirkend ab den 1. Monat der festgestellten BU.

Für diverse Berufsgruppen sind noch andere Klauseln wichtig

  • Die Umorganisationsklausel für Selbstständige, in der im besten Fall ganz genau definiert ist, was maximal eine Umorganisation deines Betriebes kosten darf
  • Die Infektionsklausel ist für viele Berufsgruppen enorm wichtig. Zum Beispiel, wenn ein Arzt, Pflegedienst etc. durch die Erkrankung von Hepatitis B ein Berufsverbot auferlegt bekommt, aus diesem Grund dann nicht arbeiten kann (temporäres Berufsverbot), springt für diesen Zeitraum die Berufsunfähigkeitsversicherung ein und zahlt die monatliche Rente bis der Mitarbeiter wieder arbeiten kann.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Prozessquote und die Prozesshäufigkeit

Das heißt: In wie vielen Fällen zieht ein Kunde wegen einer vermeintlich zu unrecht verweigerten Berufsunfähigkeitsleistung von Seiten der Versicherung vor Gericht und in wie vielen Fällen wurde sie zu auch wirklich unrecht verweigert. Das zeigt die Zahlungsmoral und die Kulanz der Versicherung. Diese Quoten sollten natürlich so niedrig wie möglich sein. Bei sehr guten Versicherern liegt diese bei unter 1%.

Diese Quote bezieht sich zwar auf vergangene Prozesse/Klagen und kann nicht 1:1 für die Zukunft gespiegelt werden, dennoch würde ich diese nicht außer Acht lassen.

Wie sollte dein Vertrag gestaltet sein?

Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Vertragsmodelle:

  1. Ein reine Berufsunfähigkeitsversicherung – sprich eine reine Risikoversicherung
  2. Ein Modell welches zusätzlich noch ein Sparmodul beinhaltet

Mein Tipp hierzu:

Risiko und Sparen/Investieren immer trennen! So wirst du meiner Meinung nach langfristig gesehen immer besser fahren und bist dazu flexibler.

Denn die Wahrscheinlichkeit, dass genau der Anbieter, der für dich die beste Absicherung gegen Berufsunfähigkeit anbietet auch der beste Anbieter im Bereich Geldanlage und Altersvorsorge ist, ist relativ gering. Darüber solltest du auf alle Fälle nachdenken, auch wenn sich der Spruch: „Schauen sie doch mal, wenn sie das zusammen abschließen und die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht brauchen, bekommen sie später mal wieder Geld zurück“ sich total gut anhört. Dennoch ist es sinnvoller Risiko und Sparen zu trennen.

Was ist der optimale monatliche Versicherungsbeitrag?

Wie du dir wahrscheinlich denken kannst, gibt es hierzu keinen genauen Preis mit xx €. Grundsätzlich sollte der Beitrag jedoch so niedrig wie möglichst sein, aber deinen Lebensstandard zu 100% absichern und alle wichtigen Leistungen sollten in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen beinhaltet sein.

Du solltest auch immer in der Lage sein, diese Versicherung bezahlen zu können. Da es hier wirklich um deine Existenz geht.

TIPP: Je früher du eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, desto günstiger sind die Konditionen! Hierzu mehr in diesem Video

Wenn du selbst noch auf der Suche nach einer sehr guten Berufsunfähigkeitsversicherung bist, dann helfe ich dir gerne dabei, den für dich besten Berufsunfähigkeitsschutz zu finden. Mehr Infos findest Du hierzu unter dem Punkt Online-Beratung.