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Laut dem Statistischen Bundesamt waren im Jahr 2019 über 4,1 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig (Stand: 15.12.2020). Als Folge der zunehmenden Alterung unserer Gesellschaft wird diese Zahl in den nächsten Jahren weiter steigen. Neben der Anzahl der Pflegebedürftigen, steigen auch die Pflegekosten.

Du fragst dich vielleicht, wo liegt das Problem? Ich zahle doch in die gesetzliche Pflegeversicherung ein. Wenn ich ein Pflegefall werde, trägt der Staat die Kosten.

Die Realität sieht jedoch anders aus. Die gesetzliche Pflegeversicherung trägt nur einen Teil der Pflegekosten. Der andere Teil muss privat finanziert werden.

Folgendes Beispiel verdeutlicht das Ganze. Die durchschnittlichen Kosten für ein Pflegeheim bei Pflegegrad 3 betragen 3.640 €. Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt davon nur 1.262 €. Du bzw. deinen Angehörigen müssen also 2.378 € selbst tragen.

Um dieses finanzielle Risiko abzusichern, gibt es die Möglichkeit eine zusätzliche private Pflegerentenversicherung abzuschließen.

In diesem Experten-Artikel beantworten wir alle deine Fragen zur Pflegerente.

Übersicht Experten-Artikel zur Pflegerente

Leistungsumfang
Geld zur freien Verfügung
Abgrenzung zur Pflegetagegeldversicherung
Gesundheitsfragen
Kosten
Steuern
Ist eine Pflegerente sinnvoll?

Leistungsumfang

Rentenzahlung

Der wichtigste Leistungsbestandteil einer Pflegerente ist die lebenslange monatliche Rentenzahlung, welche ab Eintritt der Pflegebedürftigkeit gezahlt wird.

Wichtig: Die Versicherung leistet in der Regel nur, wenn die Pflegebedürftigkeit länger als 6 Monate prognostiziert wurde.

Die Höhe der Rente hängt von der Versicherungssumme und dem diagnostizierten Pflegegrad ab.

Bei Pflegegrad 5 wird 100% der vereinbarten Rente ausgezahlt. Bei den niedrigeren Pflegegraden wird meist ein geringerer prozentualer Anteil ausgezahlt, wobei die prozentuale Höhe je Pflegegrad bei einigen Versicherern auch frei wählbar ist. So ist es z.B. möglich schon ab Pflegegrad 2 100% der vereinbarten Rente zu erhalten.

Je höher die gewünschte Absicherung (Rentenhöhe & pronzentuale Absicherung je Pflegegrad), desto höher ist der monatliche Beitrag der Pflegerentenversicherung.

Des Weiteren ist es üblich, dass bei Pflegegrad 1 keine oder nur eine sehr geringe Rente (bis 20%) ausgezahlt wird.

Einmalzahlung

Zusätzlich zur lebenslangen Rentenzahlung kann eine Einmalzahlung bei Erreichen eines bestimmten Pflegegrades (z.B. Pflegegrad 3) hinzuversichert werden. Das Geld kann dann z.B. für Umbaumaßnahmen im Haus genutzt werden. Beachte: Eine Einmalzahlung kann häufig erst ab einem höheren Pflegegrad hinzuversichert werden.

Todesfallleistung

Häufig ist eine Todesfallleistung automatisch mitversichert. Hierbei erhalten die Hinterbliebenen die eingezahlten Beiträge zurück. Die Rückzahlung ist jedoch in der Regel auf eine Jahresrente begrenzt.

Service und Assistance-Leistungen

Bei den meisten Versicherern sind Service und Assistance-Leistungen mitversichert. Das heißt der Versicherer hilft dir bzw. deinen Angehörigen bei der Organisation der Pflege. Das kann z.B die Suche nach einem Heimplatz oder die Vermittlung einer ambulanten Pflegekraft bedeuten.

Wartezeiten

Marktüblich ist, dass der Versicherungsschutz bereits ab Versicherungsbeginn besteht.

Geld zur freien Verfügung

Es spielt keine Rolle, für was das Geld aus der Pflegerentenversicherung verwendet wird. Das Geld kann z.B. für eine ambulante oder stationäre Pflege oder für etwas ganz anderes verwendet werden.

Auch ist es irrelevant, ob die Zahlungen aus der Pflegerente die tatsächlichen Kosten für die Pflege übersteigen. Es werden keine Leistungen gekürzt.

Abgrenzung zur Pflegetagegeldversicherung

Im Gegensatz zur Pflegetagegeldversicherung handelt es sich bei der Pflegerente um eine Lebensversicherung und keine Krankenversicherung.

Das hat vor allen Dingen Auswirkungen auf die Verzinsung. Bei der Pflegetagegeldversicherung handelt es sich um eine reine Risikoversicherung.

Bei der Pflegerentenversicherung werden die Versicherten an den Überschüssen und Bewertungsreserven des Versicherers beteiligt. Das heißt, dass bei einer positiven Entwicklung der Kapitalanlagen die tatsächliche Rente höher als die garantierte Rente ausfallen kann.

Gesundheitsfragen

Ja, auch bei einer Pflegerentenversicherung müssen Gesundheitsfragen beantwortet werden. Gewisse Vorerkrankungen können zu Risikozuschlägen bzw. auch zu einer Ablehnung des Versicherungsschutzes führen.

Kosten

Wie bereits beschrieben, richtet sich der Preis der Pflegerentenversicherung nach der vereinbarten Versicherungsumme und deinem Gesundheitszustand.

Das dritte Kriterium für den Preis ist dein Eintrittalter. Je jünger du bist, desto günstiger ist der Beitrag.

Im Leistungsfall sind ab einem gewissen Pflegegrad (z.B. Pflegegrad 2) keine Beiträge mehr zu entrichten.

Um die Inflation auszugleichen, kann eine jährliche Dynmik vereinbart werden, sodass die Beiträge und Leistungen steigen.

Doch was kostet denn nun eine Pflegerente?

Wir haben das Ganze mal bei der Allianz durchgerechnet.

Hier würde ein 25-jähriger für 1.000 € Pflegerente monatlich 43,48 € zahlen. Ein 35-jähriger würde für die gleiche Summe 54,00 € zahlen.

Steuern

Die Leistungen einer Pflegerente werden Netto ausgezahlt. Es ist keine Einkommensteuer zu entrichten.

Ist eine Pflegerente sinnvoll?

Das kommt ganz auf deine persönliche Situation an. Kannst du bzw. können deine Angehörigen die Kosten für eine Pflege ohne Probleme selbst tragen? Sorgst du anderweitig für diesen Fall vor?

Mit einer Pflegerentenversicherung kannst du explizit für den Fall der Pflegebedürftigkeit sparen. Beachte: Je jünger du bei Abschluss bist, desto günstiger sind die Beiträge.

Wir sind jedoch der Meinung, dass von den freiwilligen Versicherungen, eine Berufsunfähigkeitsversicherung und eine Haftpflichtversicherung deutlich wichtiger sind.

Wenn diese beiden Versicherungen schon bestehen und du zusätzlich etwas für deine Altersvorsorge tust, kannst du über eine private Pflegerentenversicherung nachdenken.

Wie stehst du zum Thema Pflegerente? Schreib uns deine Meinung gerne in die Kommentare.