Rentenversicherungspflicht_selbstständige_2020

Rentenversicherungspflicht für Selbstständige ab 2020?

Kommt die Rentenversicherungspflicht für alle Selbstständige in Deutschland ab 2020. Laut Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sieht es genauso aus. Er möchte noch in 2019 eine entsprechende Reform auf den Weg bringen und dadurch eine Rentenversicherungspflicht für Selbstständige einführen. Was das nun für Selbstständige bedeuten würde und welche Möglichkeiten man Selbstständiger hat, der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht dennoch zu “entfliehen”, erfährst du im folgenden Artikel

Laut Umfragen sind in Deutschland ca. 3 Millionen Selbstständige nicht ausreichend für das Alter abgesichert. Grund hierfür wird vor allem darin gesehen, dass Selbstständige aktuell keiner Verpflichtung unterliegen, für das Alter vorzusorgen. Sei es in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen oder private Altersvorsorgeverträge zu besparen.

Laut Heil droht somit vielen Selbstständigen später mal die Altersarmut, da sie nicht oder zu wenig vorgesorgt haben. Dieser Meinung schließe ich mich auch grundsätzlich an.

Ca. 3 Millionen Selbstständige haben keine oder zu wenig Altersvorsorge betrieben

Viel zu viele Selbstständige – ob es am Ende wirklich 3 Millionen sind, lassen wir mal so stehen – sorgen zu wenig für das Alter vor. Das liegt in meinen Augen nicht unbedingt mal daran, dass Selbstständige kein Geld hätten, um fürs Alter vorzusorgen (auch wenn das durchaus gerade bei Neugründungen durchaus der Fall sein kann und man dies in der neuen Reform berücksichtigen sollte). Sondern vielmehr daran, dass viele Selbständige total unterschätzen, wie viel man monatlich eigentlich zur Seite legen müsste, um im Rentenalter den aufgebauten Lebensstandard halten zu können. Und hier klaffen dann teilweise enorme Lücken zwischen eigener Wahrnehmung und der harten Realität.

Vorsorgeaufwand für Selbstständige wird unterschätzt

Vor allem wird unterschätzt, wie viel man allein schon aufwenden müsste, um den entsprechenden Gegenwert zu erreichen, den man aus der gesetzlichen Rente bekommen würde. Und dann ist man gerade erstmal ungefähr bei der Hälfte von dem, was man eigentlich braucht. Das Rentenniveau in der gesetzlichen Rentenversicherung liegt aktuell bei knapp unter 50%. Das ist schlichtweg….nix.


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Eine Rentenversicherungspflicht für Selbstständige soll das ändern

Wie bereits im Koalitionsvertrag festgehalten, will Arbeitsminister Hubertus Heil dieses Problem mit einer allgemeinen Rentenversicherungspflicht für Selbstständige ändern. Wird diese eingeführt, müssen Selbstständige nachweisen, dass sie eine entsprechende Vorsorge für das Alter getroffen haben.

Freie Wahl zwischen gesetzlicher Rentenversicherung und privater Vorsorge

Dabei kann der Selbstständige aber selbst entscheiden, wie genau er Altersvorsorge betreibt. So hat er also weiterhin die Möglichkeit, nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Vorausgesetzt er kann eine entsprechende private Altersvorsorge nachweisen. 

Rüruprente / Basisrente soll hier eventuell als einzige akzeptierte Lösung gelten

Es ist im Gespräch, dass dann eine sogenannte Basisrente bzw. Rüruprente die einzige Altersvorsorge ist, die vom Gesetzgeber akzeptiert werden würde. Denn diese Form der privaten Altersvorsorge kommt der gesetzlichen Rentenversicherung am nächsten. Dazu gibt es hier auch ordentliche staatliche Förderungen in Form von Steuerbegünstigungen.

Ziel der Rentenversicherungspflicht für Selbstständige

Das Ziel dieser Reform dürfe relativ klar sein: die Rentenversicherungspflicht für Selbstständige soll dazu führen, dass weniger Selbstständige in der Altersarmut landen, da sie zu wenig oder gar nicht fürs Alter vorgesorgt haben. Aktuell zahlen ca. 1 Million Selbständige verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Dazu gehören unter anderem auch Anwälte, Apotheker, Hebammen, die selbständig sind. 

3, 7% der ehemals Selbstständigen erhält Grundsicherung

Laut Zahlen des Alterssicherungsbericht aus dem Jahre 2016 erhalten 3,7% der ehemals Selbständigen Grundsicherung. Dieser Anteil ist knapp doppelt so hoch wie bei den Arbeitnehmern. Diese Zahlt sollte schon mal zum nachdenken anregen.

Wie finde ich selbst die geplante Rentenversicherungspflicht für Selbstständige?

Ich persönlich finde die geplante Rentenversicherungspflicht für Selbstständige ab 2020 eine gute Sache. Aus ganz einfachen Gründen, weshalb ich das Ganze Gejammer um die Reform nicht verstehen kann:

  1. Betreibst du bereits private Altersvorsorge als Selbstständiger (was bei den meisten über eine Basisrente laufen dürfte), kannst du einfach den “Opt-out” nutzen und musst nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen
  2. Hast du noch keine private Altersvorsorge, kannst du noch eine abschließen und entfliehst hier ebenfalls der gesetzlichen Rentenversicherung
  3. Wer keine private Altersvorsorge hat als Selbstständiger und auch keine abschließt, landet zu Recht im System der gesetzlichen Rentenversicherung. Denn warum sollte man nicht auch in ein System einzahlen, von welchem man dann später potnetiell Grundsicherung bezieht, weil man keine entsprechende Altersvorsorge betrieben hat?

Deine Meinung zur geplanten Reform?

Wie ist deine Meinung zur kommenden Rentenversicherungspflicht für Selbstständige? Lasse mir einen Kommentar da und wir diskutieren in den Kommentaren gerne weiter!

Kommentare (8)

  • Peter Knöppel

    Hallo Herr Kunkel,

    Danke für Ihren Beitrag und die Schlüsse die Sie daraus ziehen. Ich heiße Peter Knöppel und bin gerichtlich zugelassener Rentenberater und betreibe ein Online-Beratungsportal zur gesetzliche Rente. Ich stehe auch hinter der Idee der verpflichtenden Altersvorsorge für Selbstständige. Kein Mensch versteht, warum dies nicht schon längst umgesetzt wurde. Frau von der Leyen hatte schon einmal einen Gesetzesentwurf vorlegt. Mit dem Wahlrecht kann der Selbstständige ja frei entscheiden, oder?
    Beste Grüsse aus Halle. Ich finde Ihren Youtube-Kanal Klasse!
    Peter Knöppel

  • VMK Basti

    Danke dir Peter für das Feedback! Sehe das auch wie du. Viele Grüße Bastian

  • Sabine Löhr

    Hallo Herr Kunkel,

    im Prinzip bin ich ganz Ihrer Meinung. Selbständige haben allerdings noch mit einer anderen Herausforderung zu kämpfen: den hohen Steuervorauszahlungen. Läuft ein Monat oder ein Quartal gut, werden die Vorauszahlungen nach oben angepasst. Läuft der nächste Monat/das nächste Quartal schlecht, spielt das für das Finanzamt erst mal keine Rolle. Hat man keine größeren Reserven, steht man finanziell ganz schnell mit dem Rücken an der Wand. Auch trifft Selbständige jeder wirtschaftliche Krise als erste – man muss sie ja nicht kündigen. Man gibt ihnen einfach keine Aufträge mehr. Beides sind Gründe, warum Selbständig zusätzliche monatliche Abgaben meiden. Gut, an der Tatsache, dass Krisen Selbständige oft zuerst treffen, lässt sich wenig ändern. An der Steuervorauszahlung schon. Deshalb denke ich, dass man mit der Einführung einer Rentenversicherungspflicht auch das Thema Steuervorauszahlung angehen müsste. Würden man die Vorauszahlungen flexibler gestalten und sie kurzfristig auf die aktuelle Situation anpassen können, hätten Selbständig auch mehr finanziellen Spielraum für die Vorsorge. Ich war lange selbständig und bin mittlerweile seit 6,5 Jahren fest angestellt. Das ist vergleichsweise ein Leben wie in Abrahams Schoß.

    Beste Grüße aus Ginsheim
    Sabine Löhr

  • Stephan Ganzmann

    Ich bin seit 35 Jahren angestellt gewesen und habe schön brav in die GRV eingezahlt. Ab 01.2020 bin ich selbstständig wie verhält es sich bei mir und wieviel muß ich in meine Rentenvorsorge einzahlen. Generell bin ich dafür das alle in die Rentenversicherung einzahlen dann aber auch alle Beamten das sind auch nicht wenige.

  • VMK Basti

    Wenn du weiter freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlst, dann zahlst du quasi prozentual von deinem Einkommen dort ein. Wie als Angestellter auch.

  • Martin Klumpp

    Ich hoffe, daß bei Einführung der Rentenpflicht für Selbständige im Gegenzug auch der Erhalt der gesetzlichen Berufunfähigkeitsrente vereinbart wird.

    Wie kann es sein, daß ich meinen, in 25 Jahren als Angestellter erarbeiteten Anspruch, nach 2 Jahren als Selbständiger gänzlich verliere, obwohl ich freiwillig in die Rentenkasse einzahle?

    Freiwillige Beiträge zählen bei der gesetzlichen BUV nicht!

  • Till

    Bis dato ist nicht konkretes beschlossen .

    Und vermutlich wird es diverse Ausnahmen geben, wie z-B. Selbstständige über 50 Jahre oder sogar Selbständige vor dem Jahr 2020.

  • Sven Bauer

    Ich bin zur Abwechslung ein Gegner der Pflicht! Zum einen scheint mir 3,7% sozialhilfebedürftige ehemalige selbstständige Ruheständler zu gering, um einen solchen Eingriff in die wirtschaftliche Freiheit der Selbststädnigen zu rechtfertigen! Zudem kann ich als Selbstständiger nur bestätigen, dass alle regelmäßigen Verpflichtungen bei schwankender Auftragslage problematisch werden können. Etwa in meinem Fall: Ich habe jahrelang am unteren Einkommensende einen Geschäftsaufbau betrieben, bei welchem ich eigentlich alles reinvestiert habe. Mit weiteren Pflichtbeiträgen wäre dies deutlich weniger effizent gewesen und hätte mich viel länger im unteren Einkommensbereich gehalten. Heute genügt mein Einkommen, um innerhalb von wenigen Jahren eine relevante Rücklage für die Alterssicherung anzusparen.
    96,3% aller Selbstständigen sorgen zumindest so viel vor, dass sie im Ruhestand nicht von Sozialhilfe abhängig sind. Warum will man diesen allen eine Vorsorgepflicht aufdrücken, wenn so viele Selbstständige dies auch ohne Pflicht ausreichend tun?

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