flash 1455285 1920 - Rückversicherung - Wer bezahlt, wenn es mal richtig teuer wird?

Rückversicherung – Wer bezahlt, wenn es mal richtig teuer wird?

Hast Du Dich schon einmal gefragt, wer eigentlich bei großen Naturkatastrophen den Wiederaufbau bezahlt? Der Staat? Die Versicherung?

In diesem Artikel erkläre ich Dir, warum es hier auf die Rückversicherung ankommt und was eigentlich ein Rückversicherer macht und warum es für jeden in der Finanzbranche Sinn macht, sich damit zu beschäftigen.

Darum solltest Du wissen, was Rückversicherer machen:

  • Deutschland ist der Sitz vieler großer Rückversicherungen (Munich Re, Hanover Re)
  • Rückversicherungen sind auch für Investoren spannend: Warren Buffet ist bekannt dafür, dass er gerne in Rückversicherungsgesellschaften investiert. So hat Berkshire Hathaway eine der größten Rückversicherungen weltweit im Portfolio
  • Rückversicherer sammeln von ihren Kunden Milliarden ein, die sie auch klug anlegen müssen und gehören zu den größten Investoren der Welt
  • Rückversicherer sind internationale, attraktive und spannende Arbeitgeber!

Was macht eine Rückversicherung?

Eigentlich sollte der 29. August 2005 in Lousiana ein warmer Spätsommertag werden, wie so viele andere. Doch es kam anders, in der Millionen-Stadt an der Küste des Golf von Mexiko im Süden der USA. An diesem Tag spielen keine Kinder draußen auf der Straße. Niemand geht in der früh zur Arbeit oder zur Schule. Stattdessen sind die Fenster der Wohnhäuser und die Schaufenster der Kaufhäuser zugenagelt. Die Straßen sind wie ausgestorben, denn fast alle der 1,3 Millionen Einwohner der US-Stadt sind vor dem herannahenden Sturm Katrina geflohen. Die ganze Stadt hält dem Atem an, während einer der gewaltigsten Stürme der US-Geschichte auf das US-Festland trifft. Als der Sturm mit 200 km/h Wasser durch die Straßen peitscht und die Wassermassen des Ozeans vor sich hertreibt, macht dieser einen Großteil der Stadt dem Erdboden gleich.

Die Wucht des Sturmes ist so groß, dass nicht nur fast über 1.800 Menschen sterben, sondern auch Schäden in Höhe von 125 Mrd. Dollar entstehen. Versicherungen bleiben auf rund 60 Mrd. USD sitzen, was ungefähr doppelt so viel Geld ist, wie die Lufthansa als Umsatz in einem ganzen Jahr einfliegt. Danach beginnt der Wiederaufbau und der Staat und Versicherungen werden zur Kasse gebeten. Aber nicht nur. Gott sei Dank, haben sich die amerikanischen Versicherer rückversichert!

Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?

Damit Versicherungen auch solche Extremschäden bezahlen können und ganze Städte nach schweren Katastrophen wieder aufgebaut werden können, gibt es die Rückversicherer. Rückversicherungen arbeiten als die Versicherungen der Versicherer. Sie nehmen Ihnen einen Teil des Risikos ab. Dafür bekommen sie einen Teil der Versicherungsbeiträge. Das funktioniert, weil es sehr unwahrscheinlich ist, dass es solche Katastrophen-Ereignisse im gleichen Jahr häufig an verschiedenen Stellen auf der Welt gibt.

Aus diesem Grund agieren Rückversicherer weltweit und teilen ihr Risiko weltweit auf möglichst viele Risikoszenarien auf: zum Beispiel Erdbeben in Italien, Überschwemmungen in Asien, eine explodierte Ölplattform und Tropenstürme in den USA. Deshalb übernehmen Rückversicherungen Risiken weltweit. Denn während in einem Jahr in Europa ein Wintersturm die Dächer abdeckt, geht es anderswo auf der Welt dann zum Ausgleich ruhiger zu.

Trotzdem: Immer wenn es in der Welt mal richtig kracht, schauen die Finanzmärkte auf die Rückersicherer. Denn große Katastrophen sind für die Rückversicherer schnell sehr teuer. Für solche extremen Katastrophen kaufen sich Versicherer bei den Rückversicherungen besonderen Schutz. Auch weil die amerikanischen Versicherer gut rückversichert waren, ging trotz der immensen Schäden nur ein Versicherungsunternehmen in die Insolvenz. Die weltgrößte Rückversicherung aus München, Munich Re, hatte dafür am Ende des Katrina-Jahres wegen dem Sturm alleine eine Belastung von 1,6 Mrd. Euro in den Büchern stehen. Gute Rückversicherungen können also also große Schäden immer wieder absorbieren.

Was würde ohne Rückversicherung passieren?

Stellen wir uns einen lokalen Versicherer vor, der nur in Florida sitzt und dort Häuser gegen Sturm versichert. Versicherung basiert auf dem Ausgleich, in diesem Fall also über den Ausgleich aller versicherten Häuser. Man kann für normale Situationen ganz gut ausrechnen, wie viele Häuser im Jahr durchschnittlich kaputt gehen und wie viel das kostet. Um diese Summe zu bezahlen, sammeln Versicherer von allen ihren Kunden und Hausbesitzern ein bisschen Geld ein. Allerdings könnte es passieren, dass ein großer Hurricane über Florida hinwegzieht und zum Beispiel die Hälfte der Häuser, die die Versicherung versichert, zerstört. Die Versicherung hätte dann nicht genug Geld die Schäden zu bezahlen. Sie hat nur damit gerechnet, dass 2% der Häuser kaputt gehen – das entspricht einem durchschnittlichen Jahr. Den Hausbesitzern würde die Versicherung dann nichts helfen, da sie kein Geld hat, den Schaden zu ersetzen. Gut also, dass es Rückversicherungen gibt, die einen Teil des Schadens bezahlen.

Was macht Rückversicherungen also so besonders?

  • Kunden von Rückversicherungen sind Versicherungen. Sie versichern sich v.a. gegen große Schäden, die sie alleine kaum mehr bezahlen könnten über Rückversicherung.
  • Rückversicherer sind meist weltweit aktiv, um die Schäden weltweit auszugleichen.
  • Rückversicherer stabilisieren das Finanzsystem. Wenn eine Versicherung pleite gehen würde, dann könnte sie den Kunden Schäden nicht mehr ersetzen – und was würde Versicherung bringen, wenn die Versicherung am Ende nicht bezahlen kann?

Über den Autor

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Manuel hat über 7 Jahre für einen der weltgrößten Rückversicherer gearbeitet. Dort hat er dual studiert und anschließend Erfahrung in der Analyse und Steuerung von Kreditrisiken für das Rückversicherungsgeschäft und die Kapitalanlage gesammelt. Aktuell führt er zusammen mit seinem Kommilitonen Florian eine kleine HR Marketing-Agentur, die sich auf die Vermarktung guter dualer Studienprogramme konzentriert. Außerdem hat er das erste Ratgeberbuch zum Thema duales Studium geschrieben und gibt Tipps zum dualen Studium auf Youtube.

Kontakt: Manuel.Thaler@duales-studium.guru