cash 1169650 1920 - Versicherungen als Kapitalanleger - Spieglein, Spieglein an der Wand...

Versicherungen als Kapitalanleger – Spieglein, Spieglein an der Wand…

Versicherungen als Kapitalanleger – Spieglein, Spieglein an der Wand, wer investiert das meiste Geld im ganzen Land?

In Deutschland haben Versicherungen insgesamt über 1.500 Mrd. Euro angelegt. Das ist ein Haufen Holz. Oder anders gesagt, es ist mehr Geld als der aktuelle Börsenwert von allen DAX 30 Unternehmen zusammen. Oder genug Geld um heute Apple, Microsoft und Amazon komplett aufzukaufen. Die Versicherungswirtschaft ist definitiv einer der wichtigsten Akteure am Kapitalmarkt und nach großen (Pensions-)Fonds einer der größten gewerblichen Kapitalanleger überhaupt. Hast du selbst eine langfristige Versicherung abgeschlossen, wie eine Lebensversicherung oder eine Berufsunfähgigkeitsversicherung? Oder bist du selbst als Investor am Kapitalmarkt tätig und hältst zum Beispiel Aktien? Dann ist es für dich nützlich, die Investment-Strategien von Versicherungen zu verstehen.

Versicherungsgesellschaften gehören also zu den größten Investoren. In diesem Artikel zeige ich Dir, wie Versicherungen am Kapitalmarkt investieren und warum es sich lohnt, Versicherungen zu verstehen. Genauer gesagt, klären wir in diesem Artikel die vier wichtigsten Fragen zum Thema:

  • Woher kommt das ganze Geld, das Versicherungen anlegen?
  • Wie investieren Versicherungen?
  • Was kaufen Versicherungen?
  • Wie kann ich dieses Wissen nutzen?

Woher kommt das ganze Geld, das Versicherungen anlegen?

Oder besser gesagt, warum haben die Versicherungen so viel Schotter? Die Antwort ist: der ganz große Teil des Geldes, das Versicherungen anlegen, gehört ihnen gar nicht selber. Es ist das Geld der Kunden, also auch dein Geld. Denn eine Versicherung ist ein Produkt, bei dem du erst einmal bezahlen musst, bevor du überhaupt einen eventuellen Anspruch auf eine Leistung bekommst.

Du musst zuerst eine Prämie zahlen. Später bekommst du je nach Versicherung eine Leistung in Form einer versprochenen Geldsumme, wie zum Beispiel bei einer Lebensversicherung. Circa zwei Drittel der Kapitalanlagen kommen aus Lebensversicherungspolicen. Hier geben wir den Versicherungsgesellschaften Geld, dass sie es für uns anlegen, um es uns später einmal auszuzahlen.

Ungefähr ein Drittel des Geldes zur Anlage kommt aus Prämien für sogenannte Schadenpolicen, also zum Beispiel deiner Hausratversicherung oder deiner Haftpflicht, sowie der Krankenversicherung. In diesem Fall bekommst du von der Versicherung Geld ausgezahlt, wenn etwas schiefgegangen ist. Dein Haus ist kaputt oder du musstest zum Arzt. Oft werden die Schäden erst Jahre nach dem eigentlichen Schadeneintritt fällig. Vor allem, wenn es sich um Haftungsschäden handelt. Da ist oft viele Jahre nicht klar, wie viel das ganze am Ende kostet. Das ist viel Zeit um mit dem Geld der Kunden am Kapitalmarkt noch ein paar Prozente zu verdienen. Dabei ist es regelmäßig so, dass Versicherungen gar kein Geld mit der Versicherung selbst verdienen. Das liegt dann an der hohen Konkurrenz. Dafür müssen sie ihren Profit mit dem Geld der Kunden am Kapitalmarkt erwirtschaften.

Fakt ist also, dass Versicherungen einen Großteil des eingesammelten Geldes erst Jahre später für Schäden oder als Leistungen der Lebensversicherungen auszahlen müssen. Daher besteht der Bedarf ihre Kundengelder in der Zwischenzeit anzulegen.

 

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Wie investieren Versicherungen

Da eine Versicherung Kundengelder anlegen, kann sie über diese nicht ganz frei verfügen. Es gibt hier ein paar Regeln. Hier spielt vor allem auch die Finanzaufsicht noch eine wichtige Rolle. Wichtige Regeln sind:

  • Sicherheit ist das oberste Gebot. Es geht hier um Kundengelder. Wenn auch nur vorrübergehend große Verluste am Kapitalmarkt erzielt werden, dann können Versicherungsschäden vielleicht nicht mehr bezahlt werden. Das Geld muss verfügbar sein, wenn es gebraucht wird. Die Rendite ist eher sekundär.
  • Versicherungen können ganz gut ausrechnen, wann sie wie viel Geld benötigen, um ihre Schäden zu bezahlen. Sie investieren also mit verschiedenen Zeithorizonten von sehr langfristig, wie zum Beispiel etwa in Eigenkapitalinvestments in Windparks, bis sehr kurzfristig, wie dem Vorhalten von Cash-Reserven. Für Versicherungsunternehmen ist also eine Reihe von Fristigkeiten interessant.
  • Versicherungen sind eher vorsichtig, wenn es um neue Investment-Produkte geht. Das ist auch ein Grund, wieso Versicherungen in der Finanzkrise die toxischen Papiere eher gescheut haben und kaum betroffen waren. Ganz nach dem Motto: keine Experimente (mit der berühmten Ausnahme AIG).
  • Kapitalanlagen von Versicherungen werden von den Regulatoren stark kontrolliert.

In was investieren Versicherungen?

Der Staat reguliert die Kapitalanlage von Versicherungen, um Kunden vor Versicherungspleiten zu schützen. Denn wenn deine Versicherung pleite ist, kann sie dir dein abgebranntes Haus im Schadenfall nicht mehr ersetzen. Wie üblich bei Regulierungen, sind diese super komplex. Vereinfacht kann man sagen, Investitionen in (gute) Anleihen, vor allem gute Staatsanleihen oder Pfandbriefe werden als sicherer angesehen, als Investitionen in Aktien oder andere Vermögensklassen. Deshalb werden diese von der Aufsicht bevorzugt und die geforderte Hinterlegung mit Eigenkapital ist in den meisten Ländern deutlich geringer. Versicherungen sind deshalb mehr oder weniger dazu gezwungen, einen Großteil des Geldes vor allem in diese Renten-Papiere zu stecken. Ob Anleihen und Rentenprodukte langfristig wirklich sicherer sind, ist allerdings nicht unumstritten. Aber so sind einmal die Regeln der Finanzaufsichtsbehörden. Die Schwankungen bei Anleihen sind aber auch deutlich geringer, weshalb deren Bevorzugung aus dieser Perspektive zum Beispiel durchaus auch Sinn ergibt.

Außerdem versuchen Versicherungen möglichst breit zu streuen. Deshalb sind auch viele Fonds, vor allem Rentenfonds (Anleihen), im Standard-Repertoire von Versicherungen. Versicherungen investieren meist spät in neue Assets und Finanzprodukte. Deshalb werdet ihr aktuell kaum Kryptowährungen im Portfolio von Versicherungen finden. Auch Venture Capital ist bei den meisten eher später und immer noch zu einem sehr geringen Teil hinzugekommen.

 

grafik VMK 300x180 - Versicherungen als Kapitalanleger - Spieglein, Spieglein an der Wand...

Quelle GDV-Statistik: Kapitalanlagen deutsche Versicherungsunternehmen 2015; gerundet

 

Wie kannst DU dieses Wissen nutzen?

Versicherungen sind eher träge Investoren. Dafür haben sie sehr viel Kapital im Rücken. Durch die dauerhafte Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sind sie immer mehr unter Druck risikoreich zu investieren. Je länger die Niedrigzinsphase anhält, desto mehr Geld wird von den sogenannten sicheren Anlagen, wie Staatsanleihen, in sogenannte risikoreichere Papiere, wie Aktien, fließen. Aber auch neue experimentelle Anlagemöglichkeiten, wie Venture Capital, Peer-to-Peer Kredite, Windparks, Autobahnen, vielleicht sogar auch einmal Krypto-Tokens und seit längerem bereits Wald- und Forst, werden bei andauernder Zins-Flaute immer interessanter.

Eine solche Kapitalumschichtung, auch wenn es nur ein kleiner Anteil des Kapitals ist, könnte die Preise dieser risikoreicheren Assets noch weiter erhöhen, vor allem wenn diese in kleinere Märkte fließen. Denn immerhin müssen 1.500 Mrd. Euro gut angelegt werden – und dafür bekommt man eine Menge Holz.

 

Über den Autor

DSC 2528 10cm mittig 300x241 - Rückversicherung - Wer bezahlt, wenn es mal richtig teuer wird?

Manuel hat über 7 Jahre für einen der weltgrößten Rückversicherer gearbeitet. Dort hat er dual studiert und anschließend Erfahrung in der Analyse und Steuerung von Kreditrisiken für das Rückversicherungsgeschäft und die Kapitalanlage gesammelt. Aktuell führt er zusammen mit seinem Kommilitonen Florian eine kleine HR Marketing-Agentur, die sich auf die Vermarktung guter dualer Studienprogramme konzentriert. Außerdem hat er das erste Ratgeberbuch zum Thema duales Studium geschrieben und gibt Tipps zum dualen Studium auf Youtube.

Kontakt: Manuel.Thaler@duales-studium.guru