Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist eine im Vergleich zur Berufsunfähigkeitsversicherung wenig bekannte Form der Arbeitskraftabsicherung. Die private Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist nicht zu verwechseln mit der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente. Sie ist viel mehr als ein Pendant zu dieser zu sehen. In diesem Experten-Artikel erfährst du u.a., welche Unterschiede es zur Berufsunfähigkeitsversicherung gibt und, ob die Erwerbsunfähigkeitsversicherung eine sinnvolle Alternative zu dieser ist.

Wichtige Infos auf einen Blick

  • Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist eine Form der Arbeitskraftabsicherung.
  • Anders als bei der Berufsunfähigkeitsversicherung musst du für eine Leistung nicht berufsunfähig, sondern erwerbsunfähig sein.
  • Bei Erwerbsunfähigkeit wird dir eine monatliche Rente bis zum vereinbarten Endalter gezahlt.
  • Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist eine Ergänzung zur gesetzlichen Erwerbsminderungsrente.
  • Für körperliche Berufe ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung eine gute Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung.
  • Im Bereich Psyche ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung für alle Berufe nahezu gleichwertig zur Berufsunfähigkeitsversicherung.

Wie funktioniert die Erwerbsunfähigkeitsversicherung?

Bei einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung handelt es sich um eine Form der Arbeitskraftabsicherung. Bei Erwerbsunfähigkeit wird dir eine monatlichen Rente bis zum vereinbarten Endalter (in der Regel 67) gezahlt. Wie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung kannst du die Höhe der Rente frei bestimmen.

Bei den meisten privaten Erwerbsunfähigkeitsversicherungen giltst du als erwerbsunfähig, wenn du u.a. aufgrund von Krankheit nicht mehr als 3 Stunden arbeiten kannst.

Demnach ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung nicht berufsbezogen, sondern leistet, wenn du überhaupt nicht mehr arbeiten kannst. Egal in welchem Beruf.

Diese Voraussetzungen gibt es auch in der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente. Daher ist die private Erwerbsunfähigkeitsversicherung als eine Ergänzung zur gesetzlichen Erwerbsminderungsrente zu verstehen. Jedoch mit der Einschränkung, dass die meisten Tarife erst leisten, wenn du weniger als 3 Stunden arbeiten kannst. Bei der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente gibt es bereits die halbe Leistung, wenn du nur noch 3-6 Stunden arbeiten kannst.

Was ist der Unterschied zur Berufsunfähigkeitsversicherung?

Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass es zwischen beiden Versicherungen viele Gemeinsamkeiten gibt, weshalb es sicher sinnvoll ist, unseren umfangreichen Ratgeber zur Berufsunfähigkeitsversicherung zu lesen.

Der größte Unterschied ist der Leistungsauslöser Erwerbsunfähigkeit statt Berufsunfähigkeit, d.h. bei einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung bekommst du nur eine Leistungen, wenn du in gar keinem Beruf mehr arbeiten kannst. Der zuletzt ausgeübte Beruf ist nicht relevant. Demnach ist es deutlich schwerer eine Leistung zu bekommen.

An einem Beispiel wird das Ganze deutlicher. Ein Bäcker bekommt eine Mehlstauballergie und kann aufgrund dessen nicht mehr als Bäcker arbeiten. Er ist dadurch berufsunfähig und erhält eine Leistung aus der Berufsunfähigkeitsversicherung. Er ist jedoch nicht erwerbsunfähig, weil er noch in einem anderen beliebigen Beruf arbeiten kann. Demnach erhält er keine Leistung aus der Erwerbsunfähigkeitsversicherung.

Des Weiteren sind die Gesundheitsfragen bei einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung häufig nicht so umfangreich und die Annahmerichtlinien weniger streng, wie bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Daher kann diese Alternative geprüft werden, wenn es zu einer Ablehnung, einem Leistungsausschluss oder einem hohen Risikozuschlag in der Berufsunfähigkeitsversicherung kommt.

Auch ist eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung für Personen in körperlichen Berufen häufig (deutlich) günstiger als eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Für wen ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung geeignet?

Rein von den Leistungen, ist die Berufsunfähigkeitsversicherung der Erwerbsunfähigkeitsversicherung in jeder Hinsicht überlegen. Doch für gewissen Personen ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung trotzdem eine gute Alternative.

Das gilt vor allen Dingen für Personen in körperlichen Berufen, welche aufgrund des höheren Risikos, in der Berufsunfähigkeitsversicherung einen sehr hohen Beitrag zahlen müssen (z.B. Handwerker und Pflegeberufe). Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist für diese Personen im Vergleich deutlich günstiger. Teilweise liegt der Beitrag bei weniger als der Hälfte einer Berufsunfähigkeitsversicherung.

Für alle Berufsgruppen ist noch der Bereich Psyche zu nennen, welcher auch in der Erwerbsunfähigkeitsversicherung mitversichert ist. Häufig ist es nämlich so, dass bei psychischen Erkrankungen eine Erwerbsunfähigkeit vorliegt, da diese Personen in keinem Beruf mehr arbeiten können. Für den Bereich Psyche ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung demnach nahezu gleichwertig mit der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Doch trotzdem ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung für vielen Personen nicht wirklich geeignet.

Für wen ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung nicht geeignet?

Wo eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung für körperliche Berufe Sinn machen kann, macht diese für Bürojobs und Co. recht wenig Sinn. Es gibt hierbei weniger Berufsgruppen, weshalb eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung für Büroberufe und Akademiker häufig nicht günstiger als eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist. Da diese jedoch deutlich mehr Leistungen bietet, macht hier die Berufsunfähigkeitsversicherung in jedem Fall mehr Sinn.

In welcher Höhe solltest du eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung abschließen?

Zur Höhe einer BU-Rente haben wir schon einen ausführlichen Artikel geschrieben. Das gilt im Prinzip 1 zu 1 auch für die Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Mit der Ausnahme, dass bei einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung die gesetzliche Erwerbsminderungsrente mit einbezogen werden kann.

Die Einbeziehung macht aber nur Sinn, wenn du die versicherungstechnischen Voraussetzungen für eine Leistung aus der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente erfüllst.

Fazit

Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist keine gleichwertige Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung.

Für Personen die in der Berufsunfähigkeitsversicherungen einen hohen Beitrag zahlen müssen oder die aufgrund von Vorerkrankungen keinen Versicherungsschutz mehr bekommen, ist eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung jedoch eine gute Alternative.

Vor allen Dingen im Bereich Psyche ist der Schutz nahezu gleichwertig, da bei psychischen Erkrankungen häufig keinerlei Jobs mehr möglich sind.

Solltest du jedoch eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu guten Konditionen bekommen, empfehlen wir stets diese Versicherung abzuschließen, da der Versicherungsschutz deutlich umfangreicher ist.