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Vermögenswirksame Leistungen (VL) sind geschenktes Geld vom Arbeitgeber, welche jedoch nur gezahlt werden, wenn sie in ein entsprechendes Produkt investiert werden. Eine dieser Investitionsmöglichkeiten ist die Anlage in Fonds. Neben der Anlage in aktive Fonds, ist es auch möglich, seine Vermögenswirksamen Leistungen in kostengünstige ETFs anzulegen. Aktuell gibt es dafür 3 Anbieter auf dem Markt. In diesem Experten-Artikel wollen wir die Angebote der comdirect, von finvesto und von OSKAR vergleichen und herausfinden, welcher Anbieter der Beste ist. Zudem erfährst du alles was du sonst noch über die Anlage von Vermögenswirksamen Leistungen in ETFs wissen musst.

Inhaltsübersicht

Wie funktioniert die Anlage von VL in ETFs?

Bis zu 40 Euro VL

Je nach Branche und Region stehen dir 6,65 bis 40 Euro pro Monat an Vermögenswirksamen Leistungen zu. Die genaue Höhe wird in der Regel über Tarifverträge, Arbeitsverträge oder individuell durch den Arbeitgeber geregelt. Falls du dir bzgl. deinem Anspruch und der genauen Höhe unsicher bist, frag am besten direkt bei deinem Arbeitgeber nach. Tipp: Falls du das Thema bisher gar nicht auf dem Schirm hattest, können die Zahlungen durch den Arbeitgeber rückwirkend für alle Monate bis zum Jahresanfang nachgeholt werden.

Sollte dein Arbeitgeber weniger als 40 Euro zahlen, kannst du den Betrag aus eigener Tasche bis auf diese Summe aufstocken. In welcher Konstellation das Sinn macht, erklären wir später

Wie in der Einleitung beschrieben werden VL nur gezahlt, wenn du diese für ein entsprechendes Produkt verwendest. Eine direkte Auszahlung auf dein Konto ist demnach nicht möglich. Ein solches Produkt kann ein Fondssparplan mit ETFs sein.

Erhöhung des Brutto – Zahlung aus dem Netto

Vermögenswirksamen Leistungen erhöhen dein Bruttoeinkommen und werden ganz normal versteuert. Solltest du z.B. 40 Euro VL bekommen, erhöht sich dein Bruttoeinkommen um 40 Euro. Die Überweisung der VL in das ausgewählte Produkt erfolgt jedoch aus dem Netto, sodass du etwas weniger als 40 Euro vom Arbeitgeber bekommst.

Sperrfrist von 7 Jahren

Bei der Anlage vom Vermögenswirksamen Leistungen in ETFs gibt es eine Sperrfrist von 7 Jahren, d.h. in diesem Zeitraum kannst du grundsätzlich nicht über dein Geld verfügen. 6 Jahre überweist dein Arbeitgeber monatlich die VL (Ansparphase). Das 7. Jahr ist ein Ruhejahr.

Demnach kannst du dich nach 6 Jahren für eine neue Anlage entscheiden. Selbstverständlich ist es auch möglich, dass du bei deinem gewählten Anbieter bleibst. Dann wird ein separates Depot eröffnet, auf das der Arbeitgeber die neuen Zahlungen überweist.

Die Sperrfrist von 7 Jahren ist sinnvoll, da bei der Anlage in ETFs ein längerer Anlagezeitraum ratsam ist. Du kannst jedoch trotz Sperrfrist vorzeitig an dein Geld und den Sparplan auflösen. Dann verlierst du jedoch den Anspruch auf die staatliche Zulagen. Falls dir sowieso keine staatlichen Zulagen zustehen, ist das also kein Problem. Jedoch ist eine längere Anlage aufgrund des Zinseszinseffekts zu empfehlen.

Wie ist der Ablauf?

Solltest du dich dafür entschieden haben deine Vermögenswirksamen Leistungen in einen ETF-Sparplan anzulegen, gehst du wie folgt vor:

  1. Nachdem du deinen genauen Anspruch geklärt hast, suchst du dir einen der 3 Anbieter aus, welche wir im weiteren Verlauf vergleichen.
  2. Nach der Registrierung wählst du dann den gewünschten ETF aus. Anschließend erhältst du vom Anbieter eine Bescheinigung für den Arbeitgeber.
  3. Der Arbeitgeber überweist nun monatlich die Vermögenswirksamen Leistungen an den Anbieter. Du selbst musst nichts weiter machen.

Was passiert bei einem Arbeitgeber-Wechsel?

Bei einem Arbeitgeber-Wechsel stellt der alte Arbeitgeber die Zahlungen mit Beendigung des Arbeitsvertrags ein. Dann solltest du mit deinem neuen Arbeitgeber klären, welche Vermögenswirksamen Leistungen dir zustehen. Vom aktuellen Anbieter kannst du dir dann wieder eine Bescheinigung besorgen, welche du deinem neuen Arbeitgeber vorlegst. Dieser überweist dann ab Beginn des Arbeitsverhältnissen die VL an deinen bisherigen Anbieter und es läuft alles ganz normal weiter. Durch einen Arbeitgeber-Wechsel beginnt auch keine neue Sperrfrist.

Wie läuft das mit den staatlichen Zulagen?

Der Gesetzgeber unterstützt die Anlage vom Vermögenswirksamen Leistungen in ETFs mit Zulagen. Das Ganze nennt sich Arbeitnehmersparzulage und wird bei Ledigen bis zu einem Jahreseinkommen von 20.000 Euro (Verheiratete 40.000 Euro) gewährt. Demnach ist es vor allen Dingen in der Ausbildung wahrscheinlich, dass dir die staatliche Förderung zusteht. Die Arbeitnehmersparzulage muss mit der jährlichen Steuererklärung beim Finanzamt beantragt werden. Für die Beantragung erhältst du vom Anbieter ein Formular, auf welchem er die genaue Höhe der VL Zahlungen bestätigt.

Wie hoch ist die Arbeitnehmersparzulage?

Die Förderung liegt bei 20% der jährlichen Einzahlungen in den ETF-Sparplan. Es werden max. bis zu 400 Euro pro Jahr gefördert, d.h. du bekommst vom Staat pro Jahr als Lediger max. 80 Euro.

Hier kommen wir nochmal auf das Thema “Aufstocken aus eigener Tasche” zurück. Das macht nämlich Sinn, wenn du dadurch von höheren staatlichen Zulagen profitierst.

Wann wird die Arbeitnehmersparzulage gezahlt?

Wir haben bereits die Sperrfrist von 7 Jahren angesprochen. Das Einhalten dieser Frist ist Voraussetzung für die Gewährung der staatlichen Zulage. Nach 7 Jahren werden die gesammelten staatlichen Förderungen automatisch in deinen ETF-Sparplan eingezahlt. Solltest du den Vertrag vorzeitig beenden, erhältst du keine Arbeitnehmersparzulage.

Vergleich der 3 Anbieter von Vermögenswirksamen Leistungen in ETFs

comdirect

Die comdirect ist einer von 3 Anbietern, welcher für Privatkunden das VL-Sparen mit ETFs ermöglicht. Die Verwaltung erfolgt in der ganz normalen comdirect Oberfläche. Das Depot wird jedoch bei der ebase GmbH aus Aschheim geführt. Nein, es besteht kein Zusammenhang mit Wirecard. Die comdirect tritt hier lediglich als Anlagevermittler auf. Der Finanzdienstleister ebase ist in diesem Bereich kein Unbekannter, sondern der Marktführer für die Anlage von Vermögenswirksame Leistungen in ETFs.

Aus einer Auswahl von 79 ETFs kannst du einen ETF für deine Vermögenswirksamen Leistungen auswählen. Es ist nicht möglich mehr als einen ETF auszuwählen. Bei einer Sparrate von max. 40 Euro ist das auch gar nicht nötig. Solltest du z.B. einen MSCI World auswählen, hast du zudem schon einen ordentlich Diversifikation.

Welche Kosten kommen auf dich zu?

Für die Depotführung zahlst du jährlich eine pauschale von 12 Euro. Dazu kommt pro Sparplanausführung eine Gebühr von 0,2%. Bei den maximalen VL-Leistungen von 40 Euro sind das monatlich 8 Cent, welche direkt beim Kauf des ETFs abgezogen werden. Zusätzlich zahlst du die ganz normalen Kosten für den ETF. Die TER liegt bei guten ETFs auf den MSCI World bei 0,2% im Jahr.

Weitere Kosten gibt es im Prinzip nicht. Außer du entscheidest dich den Sparplan vorzeitig zu beenden. Falls die Beendigung prämienschädlich ist, kommt eine Gebühr von 10 Euro auf dich zu. Prämienschädlich kann eine Beendigung nur sein, wenn du eine staatliche Förderung erhalten hast. Die Grenze liegt wie bereits beschrieben für Ledige bei einem Einkommen von 20.000 Euro pro Jahr. Solltest du während der gesamten Laufzeit, mehr verdient haben, musst du bei vorzeitiger Beendigung auch keine 10 Euro zahlen, da diese prämienunschädlich ist.

finvesto

Bei finvesto handelt es sich um eine Marke von ebase für Endkunden. Wo ebase Banken, Versicherungen, Vermögensverwalter und Co. zu seinen Kunden zählt, richtet sich das Angebot von finvesto an Privat- und Firmenkunden.

Das Ganze ist sehr ähnlich zum Angebot der comdirect. Es gibt jedoch folgende 2 Unterschiede.

  • Statt 12 Euro zahlst du bei finvesto nur 10 Euro für die Depotführung.
  • Statt einer Auswahl von 79 ETFs stehen dir bei finvesto 357 ETFs zur Verfügung.

Cool ist es auch, dass für Minderjährige bis zum Erreichen der Volljährigkeit keine Depotführungsgebühren anfallen.

OSKAR

Bei der digitalen Vermögensverwaltung OSKAR kannst du deine Vermögenswirksamen Leistungen mit einer Depotgebühr von 1% des Depotwerts, aber ohne Transaktionskosten in ETFs anlegen. Für die ETFs zahlst du eine pauschale Gebühr von 0,14% TER pro Jahr.

Keine Auswahl des ETFs möglich

Bei OSKAR hast du selbst keinen Einfluss auf die Auswahl des ETFs. Als weiterer Unterschied zu den Angeboten von comdirect und finvesto wird auch nicht nur in einen, sondern direkt in mehrere ETFs investiert.

Aktuell wird in folgende 6 ETFs investiert (Stand Oktober 2021).

  • Invesco S&P 500 ESG UCITS ETF (Acc) 0,09% TER
  • iShares MSCI Japan ESG Screened UCITS ETF USD (Acc) 0,15% TER
  • iShares MSCI Europe ESG Screened UCITS ETF EUR (Acc) 0,12% TER
  • L&G Asia Pacific ex Japan Equity UCITS ETF 0,10% TER
  • iShares MSCI EM IMI ESG Screened UCITS ETF USD (Acc) 0,18% TER
  • iShares MSCI World Small Cap UCITS ETF 0,35% TER

Der Durchschnitts-TER beträgt 0,165%, sodass die pauschalen 0,14% sogar etwas günstiger sind.

OSKAR schreibt auf der Homepage, dass die ETF-Auswahl laufend überwacht wird und gelegentlich einzelne ETFs ersetzt werden, wenn es bessere Alternativen gibt. Dadurch kann es vorkommen, dass sich temporär mehr als 6 ETFs in deinem Portfolio befinden. Die alten ETFs werden jedoch mit der Zeit verkauft, sodass dein Portfolio langfristig immer aus den aktuellsten 6 ETFs besteht.

Vergleich der wichtigsten Fakten

 comdirectfinvestoOSKAR
Depotführung/VL-Vertragsentgelt12 Euro p. a.10 Euro p. a.1% des Depotwerts p. a.
Sparplanausführung/ETF-Transaktionsentgelt0,2%0,2%keine
ETF-Kosten (TER)abhängig vom ETFabhängig vom ETFpauschal 0,14% p. a.
Förderung möglichja, 7 Jahre Mindestlaufzeitja, 7 Jahre Mindestlaufzeitnein, daher keine Mindestlaufzeit
vorzeitige Beendigung10 Euro, wenn prämienschädlich10 Euro, wenn prämienschädlichkostenlos
Auswahl an ETFsAuswahl aus 79 ETFsAuswahl aus 356 ETFskeine Auswahl möglich (es wird automatisch in 6 verschiedene ETFs investiert)

Welcher ist der beste Anbieter?

Der Markt für die Anlage von Vermögenswirksame Leistungen in ETFs ist überschaubar. Das ist auch gar nicht schlecht, weil du als Kunde nicht die Übersicht verlierst.

Doch welcher der 3 Anbieter ist unserer Meinung nach die beste Wahl?

comdirect vs. finvesto

Vergleichen wir zunächst einmal die comdirect mit finvesto. Das Depot wird sowohl bei der comdirect, als auch bei finvesto bei ebase geführt. Die Rahmenbedingungen sind bei beiden Anbietern also ziemlich identisch. Jedoch sparst du bei finvesto jedes Jahr 2 Euro an Depotgebühr und kannst aus einer größeren Auswahl von ETFs wählen.

Selbstverständlich kann es auch sein, dass es deinen favorisieren ETF auch bei der comdirect gibt. Dennoch spricht in diesem Vergleich eigentlich alles für finvesto. Außer du findest die Oberfläche der comdirect besser.

Zusammenfassend können wir festhalten, dass es sich bei beiden Angeboten um eine White Label Lösung vom ebase handelt, wobei finvesto eine Marke von ebase ist. Daher kommt wahrscheinlich auch der um 2 Euro günstigere Preis und das geringere Angebot an ETFs zu Stande, da ebase die Kunden lieber bei finvesto haben möchte.

finvesto vs. OSKAR

Demnach vergleichen wir nun finvesto mit OSKAR. Da es bei OSKAR keine Fördermöglichkeiten gibt, macht dieser Anbieter für alle Berechtigten keinen Sinn. Denn ansonsten verzichtest du freiwillig auf bis zu 80 Euro im Jahr vom Staat. Das macht absolut keinen Sinn.

Im Vergleich zu finvesto sticht natürlich hervor, dass die Sparplanausführung kostenlos ist. Du sparst jedoch nur max. 0,96 Euro pro Jahr (bei 12 x 8 Cent), da die Kosten bei finvesto nicht wirklich hoch sind.

Die Depotgebühr bei OSKAR beträgt 1% des Depotwerts. Wir gehen einfach mal davon aus, dass die maximale Summe von 40 Euro pro Monat eingezahlt wird. Das sind 480 Euro pro Jahr. Der Einfachheit halber verzichten wir auf mögliche Kursveränderungen. Im ersten Jahr zahlst du also 4,80 Euro an Depotgebühren und sparst im Vergleich zu finvesto knapp 6 Euro. Im zweiten Jahr sind schon 960 Euro im Depot, sodass du Gebühren von 9,60 zahlst. Auch hier sparst du noch etwas mehr als 1 Euro. Anders sieht es jedoch bereits ab dem 3. Jahr aus. Bei einem Depotwert von nun 1.440 Euro zahlst du schon 14,40 Euro Depotgebühr und demnach mehr als bei finvesto. Diese Summe wird aufgrund des immer höheren Depotwerts jedes Jahr steigen, sodass du im 6. Jahr bei einem Depotwert von 2.880 Euro 28,80 Euro Gebühren zahlen musst. Auf lange Sicht hin macht es also aus Kostengründen keinen Sinn die Vermögenswirksamen Leistungen in ETFs bei OSKAR anzulegen.

Zudem hast du bei OSKAR keinen Einfluss auf die Auswahl der ETFs. Wenn dir also die Auswahl von OSKAR nicht passt und du einfach in einen ganz normalen MSCI World investieren möchtest, fällt die Auswahl auch unabhängig der Kosten auf finvesto.

Insgesamt spricht in diesem 3er Vergleich unserer Meinung nach alles für den Anbieter finvesto.

Eigene Erfahrung mit finvesto

Ich selbst lege meine Vermögenswirksamen Leistungen seit ca. einem Jahr bei finvesto an. Das klappt bisher wunderbar. Was soll auch groß schief gehen? Einmal einen ETF ausgewählt, überweist der Arbeitgeber monatlich das Geld auf das Depot und finvesto kauft mit dem Geld automatisch Anteile des auswählten ETFs. Jetzt heißt es warten und in ein paar Jahren über ein nettes Sümmchen freuen. Doch aufgepasst. Du solltest schon mindestens 1x im Jahr in dein Depot schauen. Der folgende Fehler ist mir nämlich Anfang 2021 passiert.

VL-Vertragsentgelt manuell überweisen

Das VL-Vertragsentgelt von 10 Euro wird für das abgelaufene Jahr, immer am 1. Bankarbeitstag des Folgejahres fällig. Das heißt in meinem Fall wurden zum 01.01.2021 10 Euro für das Jahr 2020 fällig. Leider habe ich nicht bedacht, dass finvesto das Geld zum 01.01.2021 vom Verrechnungskonto einzieht. Dort befanden sich nämlich genau 0 Euro. Das hat zur Folge, dass automatisch Anteile des ETFs verkauft werden, wovon dann die 10 Euro VL-Vertragsentgelt bezahlt werden. Das ist natürlich nicht optimal. Achte daher darauf immer im Dezember die 10 Euro auf das Verrechnungskonto zu überweisen.