In diesem Experten-Artikel beantworten wir die Frage, ob die Grundfähigkeitsversicherung eine sinnvolle Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung ist. 

Zudem erfährst du wie eine Grundfähigkeitsversicherung überhaupt funktioniert, was diese kostet, was die Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten zur Berufsunfähigkeitsversicherung sind und auf was du beim Abschluss unbedingt achten musst. 

gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw== - Grundfähigkeitsversicherung – Echte Alternative zur BU?

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

PHA+PGlmcmFtZSB0aXRsZT0iWW91VHViZSB2aWRlbyBwbGF5ZXIiIHNyYz0iaHR0cHM6Ly93d3cueW91dHViZS1ub2Nvb2tpZS5jb20vZW1iZWQvYmtJZ0hXNDBqTkEiIHdpZHRoPSI1NjAiIGhlaWdodD0iMzE1IiBmcmFtZWJvcmRlcj0iMCIgYWxsb3dmdWxsc2NyZWVuPSJhbGxvd2Z1bGxzY3JlZW4iPjwvaWZyYW1lPjwvcD4=

Wichtige Infos auf einen Blick

  • Bei Verlust von einer oder mehreren versicherten Grundfähigkeiten wird die monatliche GF-Rente bis zum vereinbarten Endalter gezahlt.
  • Grundfähigkeiten sind z.B. Sehen, Hören und Sprechen.
  • Was genau Verlust der Grundfähigkeit bedeutet, ist in den Versicherungsbedingungen definiert.
  • Sowohl bei den versicherten Grundfähigkeiten als auch Definitionen gibt es große Unterschiede je nach Versicherer und Tarif.
  • Für gewisse Zielgruppen ist die GF eine echte Alternative zur BU.

Was ist eine Grundfähigkeitsversicherung?

Die Grundfähigkeitsversicherung gehört zu den Arbeitskraftversicherungen. Wie die Berufsunfähigkeitsversicherung, zahlt sie dir im Leistungsfall eine monatliche Rente bis zum vereinbarten Endalter.

Allerdings ist der Leistungsauslöser ein anderer wie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung. Denn wie der Name schon sagt, bekommst du dann die vereinbarte monatliche Rente gezahlt, wenn du eine oder mehrere elementare menschliche Grundfähigkeiten (z.B. Sehen, Hören, Sprechen) verloren hast.

Hierbei spielt es weder eine Rolle was die Ursache für den Verlust ist, noch ob du trotz Verlust weiter arbeiten kannst. Trotzdem zählen wir die Grundfähigkeitsversicherung zu den Arbeitskraftabsicherungen, da der Verlust von Grundfähigkeiten in der Realität häufig mit dem Verlust der Arbeitskraft einhergeht.

Je nach Anbieter unterscheiden sich die versicherten Grundfähigkeiten. Bei guten Versicherern und Tarifen ist die Grundfähigkeitsversicherung eine ernstzunehmenden Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung.

Wie funktioniert eine Grundfähigkeitsversicherung?

Im Gegensatz zur Berufsunfähigkeitsversicherung ist bei der Grundfähigkeitsversicherung nicht ausschlaggebend, ob du deine zuletzt ausgeübte Tätigkeit noch weiterhin ausführen kannst oder nicht.

Verlust einer oder mehrerer Grundfähigkeiten ist entscheidend

Der Verlust von elementaren menschlichen Grundfähigkeiten ist hier der Leistungsauslöser, der die Auszahlung der vereinbarten Grundfähigkeitsrente auslöst. Dazu wird bei richtig guten Anbietern die Grundfähigkeitsrente auch dann ausbezahlt, wenn du pflegebedürftig oder dement wirst.

Je nach Anbieter, müssen eine oder mehrere menschliche Grundfähigkeiten nicht mehr vorhanden sein, damit es zur Auszahlung der versicherten Rente aus deiner Grundfähigkeitsversicherung kommt. Zudem gibt es starke Unterschiede, welche Grundfähigkeiten versichert sind bei den jeweiligen Anbietern.

Dauer des Ausfalls der Grundfähigkeit

Auch hierbei gibt es wieder starke Unterschiede zwischen den Versicherern und Tarifen. Viele Versicherer verlangen, dass die versicherte Grundfähigkeit für voraussichtlich mindestens 12 Monate wegfallen muss, bevor eine Leistung gezahlt wird. Bessere Anbieter verlangen hier z.B. nur 6 Monate.

Solltest du die verlorene Grundfähigkeit wiedererlangen, wird auch die Auszahlung der Grundfähigkeitsrente eingestellt.

Nachweis der verlorenen Grundfähigkeit

Im Leistungsfall muss ärztlich nachgewiesen werden, dass du die entsprechende Grundfähigkeit verloren hast. Du musst also nicht beim Versicherer vorstellig werden und vorführen, dass du z.B. nicht mehr richtig hören kannst.

Welche Grundfähigkeiten sind versicherbar?

Wie bereits erwähnt, hängt dies sehr stark von der Wahl des Versicherers und des Grundfähigkeitstarifs ab. Nachfolgend haben wir beispielhaft versicherte Grundfähigkeiten aufgelistet. Somit solltest du einen ersten Eindruck bekommen, welche Grundfähigkeiten grundsätzlich in einer Grundfähigkeitsversicherung versicherbar sind.

versicherbare grundfaehigkeiten 800x722 - Grundfähigkeitsversicherung – Echte Alternative zur BU?

  • Sehen: Du kannst auf jedem Auge höchstens zu 5% sehen. Oder dein Gesichtsfeld umfasst auf jedem Auge höchstens 15 Grad vom Zentrum.
  • Hören: Du bist schwerhörig.
  • Sprechen: Du kannst dich nicht mehr verständlich über die Sprache artikulieren.
  • Geistige Leistungsfähigkeit: Du kannst keine Alltagstätigkeiten nicht mehr ausführen, weil zum Beispiel dein Gedächtnis oder deine Konzentration stark eingeschränkt sind.
  • Eigenverantwortliches Handeln: Ein Gericht hat für dich eine gesetzliche Betreuung angeordnet. Grundlage ist ein psychiatrisches Gutachten.
  • Herzfunktion: Die Pumpleistung deines Herzens ist wegen einer Erkrankung oder Verletzung stark eingeschränkt.
  • Lungenfunktion: Deine Lungenfunktion ist wegen einer Erkrankung oder Verletzung erheblich gemindert.
  • Sitzen: Du kannst nicht mehr 20 Minuten sitzen. Auch nicht, wenn du deine Position veränderst oder dich auf Armlehnen abstützt.
  • Schreiben: Du kannst sowohl mit der linken als auch mit der rechten Hand keine 5 Worte mehr schreiben, die mindestens 10 Buchstaben haben.
  • Hand- und Fingerfertigkeit: Du kannst mit links oder rechts keinen Wasserhahn auf- und wieder zudrehen oder eine Wäscheklammer
    befestigen. Auch hier würde diese Grundfähigkeitsversicherung leisten.
  • Gehen und Treppensteigen: Du kannst keine 400 Meter gehen oder eine Treppe mit 12 Stufen hinauf- und hinabgehen – auch nicht mit einer Pause.
  • Stehen: Du kannst keine 10 Minuten mehr stehen, ohne dich abzustützen. Auch nicht, wenn du deine Körperhaltung änderst.
  • Knien und Bücken: Du kannst dich nicht mehr hinknien oder bücken, um den Boden mit den Fingern zu berühren und dich danach wieder aufrichten.
  • Gleichgewicht: Du kannst Leitern, Treppen, Gerüste oder Dächer nicht mehr hinaufklettern, ohne dass eine stark erhöhte Unfallgefahr besteht.
  • Gebrauch eines Arms: Du kannst den linken oder rechten Arm nicht mehr vor und seitwärts 10 Sekunden auf Schulterhöhe abspreizen, halten und drehen.

Zusatzbausteine möglich

Oftmals kannst du auch noch zusätzliche Fähigkeiten versichern, z.B.

  • Psyche (z.B. Demenz, schwere Depression oder Schizophrenie)
  • Führerschein (wenn dieser aus gesundheitlichen Gründen entzogen wird)
  • Pflegebedürftigkeit

Für welche Personen ist eine Grundfähigkeitsversicherung sinnvoll?

In der Regel ist die Berufsunfähigkeitsversicherung immer noch die erste Wahl, wenn es darum geht, deine Arbeitskraft vollumfänglich abzusichern. Der Versicherungsschutz ist umfangreicher und es sind immer alle gesundheitlichen Ursachen für den Wegfall der Arbeitskraft abgesichert. Insbesondere psychische Erkrankungen führen mittlerweile zu einer Vielzahl von Berufsunfähigkeiten.

Aber eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist in vielen Fällen schlichtweg nicht möglich.

Menschen in handwerklichen Berufen

Menschen mit Berufen, die körperlich sehr anspruchsvoll sind (z.B. Handwerker), bekommen mit der Grundfähigkeitsversicherung eine gute Absicherung der Arbeitskraft zu einem adäquaten Preis. In der Berufsunfähigkeitsversicherung werden solche Berufe in einer hohe Risikogruppe eingestuft, weshalb die Beiträge teilweise unbezahlbar hoch sind.

Menschen mit Vorerkrankungen

Auch Menschen mit diversen Vorerkrankungen (v.a. psychischer Natur), welche in der Berufsunfähigkeitsversicherung abgelehnt werden, können möglicherweise über eine Grundfähigkeitsversicherung eine Absicherung der Arbeitskraft erhalten. Das liegt an den weniger umfangreichen Gesundheitsfragen.

Weniger Gesundheitsfragen als bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung

Vor allem die Gesundheitsfragen sind bei einigen Anbietern bei weitem nicht so umfangreich, wie bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung. So konnten wir zum Beispiel schon viele Menschen bei einer Grundfähigkeitsversicherung unterbringen, die bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung absolut keine Chance hatten.

Was kostet eine Grundfähigkeitsversicherung?

In diesem Blogartikel haben wir die Einflussfaktoren auf die Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung aufgeschlüsselt.

Das Gleiche gilt auch für die Grundfähigkeitsversicherung. So ist der Beitrag vom Beruf, vom Alter, von der Höhe der GF-Rente, von der Laufzeit und vom Gesundheitszustand/Hobbys abhängig.

Jedoch können die Risiken des Berufs nicht 1 zu 1 von der Berufsunfähigkeitsversicherung auf die Grundfähigkeitsversicherung übertragen werden. So ist die Krankenschwester in der Berufsunfähigkeitsversicherung ein ziemlich risikoreicher Beruf und in der Grundfähigkeitsversicherung auf einer Stufe mit einem Büroangestellten. Deutlich wird das an den folgenden Beispielen.

  • Bei einem guten Anbieter muss eine 25-jährige Krankenschwester für 1.500 € Grundfähigkeitsrente bis zum Endalter 67 mit einem Monatsbeitrag von ca. 50-60 € rechnen. Für eine Berufsunfähigkeitsversicherung in gleicher Höhe müsste diese Person bereits ca. 130 € pro Monat bezahlen.
  • Der 25-jährige Büroangestellte muss hier ebenfalls 50-60 € im Monat für 1.500 € Grundfähigkeitsrente zahlen. In der Berufsunfähigkeitsversicherung liegt sein Monatsbeitrag jedoch nur bei ca. 80 €.

Selbstverständlich gibt es auch günstigere Angebote, jedoch sind dort dann diverse Grundfähigkeiten nicht bzw. nur zu erschwerten Bedingungen versichert.

Im Vergleich zur Berufsunfähigkeitsversicherung ist die Grundfähigkeitsversicherung häufig günstiger. Wie bereits geschrieben, sollte im direkten Vergleich die Berufsunfähigkeitsversicherung in den meisten Fällen trotzdem die erste Wahl sein.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten Grundfähigkeitsversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung

Unterschiede

  • Die vereinbarte monatliche Rente wird bei der Grundfähigkeitsversicherung bei Verlust von einer oder mehreren Grundfähigkeiten und bei der Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn du deine zuletzt ausgeübte Tätigkeit nur noch zu 50 Prozent ausüben kannst, gezahlt.
  • Die Hürden für die Leistung sind bei der Grundfähigkeitsversicherung höher, da du die versicherte Grundfähigkeit vollständig verlieren bzw. schwer beeinträchtigt sein musst. Deutlich wird das z.B. bei einer Krebserkrankung. Hier ist eine Berufsunfähigkeit wahrscheinlich. Aus der Grundfähigkeitsversicherung gibt es jedoch erst eine Leistung, wenn die Krebserkrankung zum Verlust einer Grundfähigkeit führt.
  • Der Versicherungsschutz v.a. bei psychischen Erkrankungen ist bei der Grundfähigkeitsversicherung meist geringer als bei der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Gemeinsamkeiten

  • Bei beiden Formen wird eine monatliche Rente gezahlt.
  • Sowohl eine Grundfähigkeitsrente als auch eine Berufsunfähigkeitsrente wird theoretisch bis zum vereinbarten Endalter (in der Regel 67) gezahlt.
  • Die Rente aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung aus der 3. Schicht wird wie die Rente aus einer Grundfähigkeitsversicherung als abgekürzte Leibrente behandelt und nur mit dem Ertragsanteil besteuert.
  • Die voraussichtliche Dauer der Beeinträchtigung muss bei beiden Formen mindestens 6 Monate sein.

Was ist beim Abschluss einer Grundfähigkeitsversicherung zu beachten?

Versicherte Grundfähigkeiten

Wie bereits erwähnt unterscheiden sich die versicherten Grundfähigkeiten je nach Versicherer und Tarif. Mache dir daher vor dem Abschluss Gedanken, welche Grundfähigkeiten du potenziell verlieren könntest. Klar, im Prinzip kannst du jede Grundfähigkeit verlieren. Du weißt nie was das Leben bringt. Doch als Dachdecker hast du wahrscheinlich andere Risiken, als ein Büroangestellter.

Definition der Grundfähigkeiten

Auch die Definitionen der Grundfähigkeiten sind sehr wichtig. Du solltest hierbei auf eine kundenfreundliche Ausgestaltung achten. Am Beispiel der Grundfähigkeit Hören können wir den Unterschied zwischen einem guten Tarif und einem schlechten Tarif gut herausstellen. Beim guten Tarif wird geleistet, wenn du schwerhörig bist. Wohingegen beim schlechten Tarif erst geleistet wird, wenn du taub bist. Ein eklatanter Unterschied. Bei beiden Tarifen ist die Grundfähigkeit Hören versichert, jedoch mit ziemlich unterschiedlichen Definitionen.

Leistungsauslöser

Neben den versicherten Grundfähigkeiten und kundenfreundlichen Definitionen ist es auch wichtig, wie viele Grundfähigkeiten fehlen müssen, damit die Versicherung überhaupt leistet. Achte darauf, dass es bereits ab der ersten verlorenen Grundfähigkeit die volle Leistung gibt. Ansonsten kann es vorkommen, dass du aufgrund der einen verloren Grundfähigkeit bereits nicht mehr arbeiten kannst, jedoch erst eine zweite verlieren musst, damit es Geld von der Versicherung gibt.

Zusätzlich empfehlen wir dir einen Tarif zu wählen, welcher schon leistet, wenn die versicherte Grundfähigkeit für 6 Monate wegfällt. Schlechtere Tarife leisten erst nach 12 Monaten.

Rentenhöhe

Zum Thema Rentenhöhe in der Berufsunfähigkeitsversicherung haben wir bereits diesen ausführlichen Blogartikel geschrieben. Das kannst du 1 zu 1 auch auf die Grundfähigkeitsversicherung übertragen. Achte daher unbedingt auf eine ausreichende Höhe deiner Grundfähigkeitsrente.