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Die korrekte Beantwortung der Gesundheitsfragen in der Berufsunfähigkeitsversicherung ist von enormer Wichtigkeit. Erfahre in diesem Blogartikel alles über die Gesundheitsfragen in der Berufsunfähigkeitsversicherung und welche Folgen die falschen Beantwortung im Leistungsfall hat.

Was für (Gesundheits-)fragen bei Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es überhaupt?

Zunächst einmal möchten wir darauf eingehen, welche (Gesundheits-)fragen es bei der Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung überhaupt gibt. Wichtig zu wissen ist, dass die konkreten Fragen von Versicherer zu Versicherer etwas abweichen. Grundsätzlich werden jedoch folgende Fragen gestellt (keine abschließende Aufzählung).

  1. Bestehende Erkrankungen?
  2. Geplante Behandlungen oder Operationen?
  3. Ambulante Behandlungen in den letzten 3 bzw. 5 Jahren?
  4. Psychotherapie in den letzten 5 Jahren?
  5. Stationäre Behandlungen bzw. Operationen in den letzten 10 Jahren?
  6. Antrag auf Berufsunfähigkeitsversicherung abgelehnt, zurückgestellt, angenommen mit Risikozuschlag oder angenommen mit Leistungsausschluss in den letzten 5 Jahren?
  7. Weitere bestehende Berufsunfähigkeitsversicherungen bei anderen Versicherern?
  8. Besondere Gefahren in Beruf, Sport oder Hobby?
  9. Längerer Auslandsaufenthalt (>6 Monate) (im außereuropäischen Ausland) in den nächsten 12 Monaten geplant?
  10. Raucher in den letzten 12 Monaten?
  11. Betäubungsmittel oder Drogen in den letzten 5 Jahren?

Wie du siehst beziehen sich nicht alle Fragen direkt auf deinen Gesundheitszustand. Die Fragen 6 oder 7 zielen jedoch indirekt auch auf deinen Gesundheitszustand ab, da der Versicherer dann bei den anderen Versicherern bzw. im Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft (HIS) weitere Informationen einholen kann.

Die Fragen 8 und 9 haben tatsächlich keinen Bezug zu deinem Gesundheitszustand, haben jedoch eine Relevanz für deine individuelle Risikobeurteilung.

Bei einigen Fragen wird konkret ein gewisser Zeitraum abfragt (z.B. in den letzten 5 Jahren). Erkrankungen, welche davor aufgetreten sind und seitdem nicht mehr bestehen bzw. behandelt wurden, müssen nicht angegeben werden. Sie spielen für die Risikobeurteilung keine Rolle mehr.

Welche Erkrankungen bzw. Behandlungen solltest du angegeben?

Ganz einfach. ALLE. Denn dann bist du auf der sicheren Seite. Lass den Versicherer entscheiden, welche Erkrankungen relevant sind und welche nicht. Es gilt: Gib lieber zu viel als zu wenig an.

Wie kommst du an eine lückenlose Krankenakte?

5 oder sogar 10 Jahre sind ein langer Zeitraum. Du wirst höchstwahrscheinlich nicht aus dem Kopf wissen, wann und weshalb du in den letzten Jahren beim Arzt warst. Abhilfe schafft hier die Krankenakte von deiner Krankenversicherung. Hier werden alle Behandlungen der letzten Jahre dokumentiert. Fordere dir also die Krankenakte bei deiner Krankenversicherung an und fülle anhand dieser Angaben die Gesundheitsfragen der Berufsunfähigkeitsversicherung aus. Die Krankenversicherung ist verpflichtet dir diese Informationen zur Verfügung zu stellen. Hin und wieder kann die Beantragung etwas Zeit in Anspruch nehmen. Diese solltest du dir aber auf jeden Fall nehmen.

Was passiert, wenn du die Gesundheitsfragen in der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht korrekt beantwortest?

Zunächst einmal nichts – zumindest bei der Antragsstellung. Der Versicherer ist nämlich nicht dazu verpflichtet den Wahrheitsgehalt deiner Angaben zu überprüfen. Er bewertet das Risiko anhand der Angaben aus dem Antrag und ggf. weiteren Fragebögen bzw. Arztberichten, welche im Rahmen der Antragsstellung angefordert werden.

Sollte es jedoch zu einer Berufsunfähigkeit kommen, wird der Versicherer genauer prüfen. Wie das Ganze im Worst Case ablaufen kann, möchten wir dir am folgenden fiktiven Beispiel zeigen.

Du warst vor Antragsstellung im relevanten Abfragezeitraum wegen leichter Verspannungen im Schulter-/Nackenbereich in Behandlung beim Arzt. Du erachtest das Ganze jedoch als nicht so wichtig und gibst die Behandlung im Antrag nicht an.

2 Jahre nach Beginn der Berufsunfähigkeitsversicherung kannst du wegen einem schweren Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule deinen Bürojob nicht mehr ausüben und wirst berufsunfähig. Es stellt sich heraus, dass ein Zusammenhang zwischen den Verspannungen und dem Bandscheibenvorfall besteht.

Der Versicherer fechtet den Vertrag aufgrund einer sogenannten vorvertraglichen Anzeigepflichtsverletzung vor Gericht an und bekommt recht. Die Folge ist, dass keine Berufsunfähigkeitsrente gezahlt wird, die Berufsunfähigkeitsversicherung beendet wird und auch keine Beiträge zurückerstattet werden.

Verjährungsfrist von 10 Jahren bei falscher Beanwortung der Gesundheitsfragen in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Vorab: Du solltest es in keinem Fall darauf anlegen. Gemäß aktuellen Urteilen gibt es bei der Berufsunfähigkeitsversicherung eine Verjährungsfrist von 10 Jahren. Das heißt, falls du 10 Jahre nach Versicherungsbeginn berufsunfähig wirst, wird die Versicherung nicht mehr prüfen, ob die Gesundheitsfragen im Antrag korrekt beantwortet wurden.

Wie solltest du bei der Beantwortung der Gesundheitsfragen vorgehen?

Zum Abschluss wollen wir nochmal das optimale Vorgehen für die Beantwortung der Gesundheitsfragen in der Berufsunfähigkeitsversicherung zusammenfassen.

Zunächst einmal solltest du dir für die Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung einen kompetenten Berater an die Seite holen, welcher dich durch den gesamten Antragsprozess begleitet. Für die korrekte Beantwortung der Gesundheitsfragen sollte dann die Krankenakte bei der Krankenversicherung angefordert werden. Anhand dieser Angaben stellst du mit deinem Berater zusammen Risikovoranfragen bei den Versicherern, welche für dich in Frage kommen, um das schlussendlich beste Angebot zu erhalten.

Falls du bereits eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hast und dir nicht sicher bist, ob du bei Antragsstellung korrekt vorgegangen bist, kannst du unseren kostenlosen BU-Check nutzen.