Naturkatastrophen wie Hochwasser, Überschwemmungen oder Starkregen gibt es in Deutschland immer häufiger. Die Jahrhundertflut im Ahrtal hat gezeigt, dass auch Gebiete, die vorher sicher geglaubt waren, schnell Teil einer solchen Naturgewalt werden können. Nicht nur der psychische, sondern auch der finanzielle Schaden ist enorm. Alleine die Flut im Ahrtal verursachte Kosten in Höhe von mehreren Milliarden Euro. Durch eine Elementarversicherung konnte für einige Betroffene zumindest ein monetärer Schaden abgewendet werden. Worauf man bei der Elementarversicherung achten muss und ob man diese auch in einem Risikogebiet abschließen kann, erklären wir in diesem Experten-Artikel.

Wichtige Infos auf einen Blick

  • Eine Elementarversicherung sichert das Wohngebäude und den Hausrat gegen extreme Wettereignisse ab.
  • In der Regel ist eine Elementarversicherung nur in Verbindung mit einer Wohngebäude- bzw. Hausratversicherung abschließbar. Es gibt jedoch einen Anbieter, welcher auch den separaten Abschluss dieser Versicherung ermöglicht.
  • Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) lassen sich 99% der Häuser in Deutschland gegen Elementarschäden versichern. Tatsächlich sind jedoch nur 52% der Häuser versichert.
  • In den meisten Fällen ist eine Elementarversicherung sinnvoll, weil es sich bei einem Totalschaden des Hauses durch Elementargefahren um einen Schaden handelt, den viele Menschen finanziell nicht tragen können.

Alle Infos zur Elementarversicherung auch im Video

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Welche Schäden sind in einer Elementarversicherung versichert?

Die erweiterte Naturgefahrenversicherung, umgangssprachlich auch Elementarschadenversicherung oder einfach nur Elementarversicherung genannt, ist eine Erweiterung des Versicherungsschutzes und sichert sowohl das Wohngebäude als auch den Hausrat gegen extreme Wetterereignisse bzw. Naturgefahren ab.

Bei einem Versicherer gibt es jedoch auch die Möglichkeit, eine separate Elementarschadenversicherung abzuschließen (asspario Elementarschadenversicherung SOLO).

Versicherten Gefahren in der Wohngebäude- und Hausratversicherung

Die normale Wohngebäudeversicherung und Hausratversicherung sichert lediglich Schäden ab, die u.a. durch Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel und Einbruchdiebstahl entstehen.

Wenn du z.B. als Eigenheimbesitzer sowohl eine Wohngebäude- als auch eine Hausratversicherung hast, musst du für den vollumfänglichen Schutz bei beiden Versicherungen eine Elementarversicherung abschließen. Solltest du nur in der Wohngebäudeversicherung den Baustein versichert haben, wäre zwar dein Wohngebäude, aber nicht dein Hausrat gegen Elementargefahren abgesichert. Das Gleiche gilt auch umgekehrt.

Diese Gefahren sind in der Elementarversicherung abgesichert

Abgesichert werden mit der Elementarversicherung Schäden, die durch folgende Naturgewalten entstehen:

  • Hochwasser
  • Überschwemmungen
  • Starkregen
  • Rückstau
  • Schneedruck
  • Lawinen
  • Erdrutsche
  • Erdbeben
  • Erdsenkungen
  • Vulkanausbrüche

Gefahren im Zusammenhang mit Wasser sind am relevantesten

Für die meisten Gebiete sind wahrscheinlich alle Naturgefahren, welche mit Wasser zu tun haben, am relevantesten. Aber auch Schneedruck und Lawinen bzw. Erdrutsche und Erdsenkungen können in manchen Gebieten relevant sein. Erdbeben und Vulkanausbrüche sind zwar mitversichert, jedoch in Deutschland kein großes Risiko.

Insgesamt haben wir in Deutschland im Vergleich z.B. mit den USA, wo es regelmäßig Waldbrände, Hurrikans und Erdbeben gibt, ein geringeres Risiko, was Naturgefahren angeht.

Welche Schäden sind nicht versichert?

Nicht alle Schäden, die durch Naturgewalten entstehen, werden durch die Elementarversicherung versichert. Es gibt auch bestimmte Ausnahmen wie z.B.:

  • Schäden, die durch Schnee oder Schneedruck entstanden sind, weil dieser von einem Baum heruntergefallen ist.
  • Schäden, die durch Bauarbeiten oder den Abbau von Kohle entstanden sind.
  • Bei einem Rückstau muss, damit die Versicherung den Schaden reguliert, eine funktionierende Rückstausicherung eingebaut sein.
  • Schäden, die durch Grundwasser, welches nicht an die Oberfläche gelangt ist, entstanden sind, sind nicht versichert. Wenn also Grundwasser von unten in das Mauerwerk des Kellers eindringt, weil es erheblich angestiegen ist, wäre dies nicht versichert.

Auf Rückstausicherung achten

Insbesondere der Punkt mit der Rückstausicherung ist sehr relevant, da einerseits viele Schäden dadurch verhindert bzw. vermindert werden können und andererseits die Versicherung regelmäßig die Leistung verweigert, wenn diese nicht vorhanden ist bzw. nicht korrekt funktioniert.

Probleme mit der Beweisführung

Häufig besteht in der Praxis das Problem der Beweisführung, wie ein Schaden entstanden ist. Gerade deshalb ist es sinnvoll, sich im Schadensfall von einem Experten betreuen zu lassen, da Fehler in der Schadensregulierung sehr teuer werden können.

Welche Kosten werden von der Versicherung übernommen?

Wenn dein Haus bzw. dein Hausrat durch Naturgewalten zerstört oder beschädigt wurde, übernimmt die Elementarschadenversicherung u.a. die folgenden Kosten.

Wohngebäudeversicherung mit Elementarschadenversicherung

  • Feststellung des Schadens und der möglichen Kosten
  • Kosten für die Reparaturen (auch an Nebengebäuden)
  • Renovierungskosten
  • Kosten für Aufräum- und Abbrucharbeiten
  • wenn wirtschaftlich sinnvoll, Kosten für den Neubau

Hausratversicherung mit Elementarschadenversicherung

  • Anschaffungskosten von Hausrat
  • Unterbringungskosten (z.B. in einem Hotel)

Je nach Versicherungsgesellschaft und Tarif können sich die Leistungen unterscheiden. Welche Kosten in welcher Höhe erstattet werden, steht im Bedingungswerk der Versicherung.

Ist mein Haus gefährdet?

Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen

Wie hoch das eigene Risiko für bestimmte Naturgefahren ist, kann man z.B. über das sogenannte Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen (ZÜRS Geo) ermitteln.

Hierbei wird das Risiko in vier verschiedene Zonen bzw. Gefährdungsklassen unterteilt.

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Einige Versicherer wie z.B. der Münchener Verein bieten die Möglichkeit, die ZÜRS-Zone einer bestimmten Adresse online abzufragen. Hierfür wird die genaue Adresse benötigt, da die ZÜRS-Zone auf Adressebene und nicht Ortsebene bestimmt wird.

Nur weil sich dein Haus in ZÜRS-Zone 1 befindet, bist du übrigens nicht vor Naturgefahren geschützt. Es besteht dann zwar kein Risiko für Hochwasser größerer Gewässer, jedoch können auch hier z.B. Keller durch Starkregen volllaufen.

Starkregengefährdungsklassen

Da Starkregen ein immer größeres Problem wird, gibt es mittlerweile drei Starkregengefährdungsklassen (SGK), welche in ZÜRS Geo integriert wurden.

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An den Zahlen siehst du, dass deutlich mehr Gebäude in Deutschland von Starkregen gefährdet sind als von Hochwasser.

Naturgefahren-Check

Eine weitere Möglichkeit, das Risiko zu ermitteln, bietet der Naturgefahren-Check vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Hier kann man mithilfe der Postleitzahl herausfinden, wie hoch das Risiko für bestimmte Naturgefahren im PLZ-Gebiet sind. Folgendes wird ermittelt:

  • Anzahl Schäden durch Naturgefahren im Bundesland
  • teuerster Schaden durch Starkregen in der Region an einem Einfamilienhaus
  • teuerster Schaden durch Hagel/Sturm in der Region an einem Einfamilienhaus
  • Gefahr für Hochwasser für Gebäude im PLZ-Gebiet

Umweltatlas

In manchen Bundesländern wie z.B. Bayern kann man die Gefährdung einer Region über den Umweltatlas abfragen. Angezeigt werden hier Geo- und Überschwemmungsgefahren, hohe Grundwasserstände und Lawinen.

Bei der Versicherung nachfragen

Natürlich kann man auch bei der Versicherung anrufen und nachfragen, welche Risikoklasse das Wohngebäude hat.

Wie viel kostet eine Elementarschadenversicherung?

Einen konkreten Beitrag zu nennen, ist schwierig, da die Berechnung der Beiträge komplex ist und viele verschiedene Faktoren einen Einfluss darauf nehmen. Beispielsweise, bei welcher Gesellschaft man das Haus versichert, in welcher Region oder Gefährdungsklasse sich das Objekt befindet oder ob es bestimmte Schutzmaßnahmen gibt.

Im Dezember 2022 haben Versicherer für eine Elementarschadenversicherung einen Aufschlag des Beitrages zwischen 8 und 580% genommen. Gerade wer in Gefährdungsklasse 3 wohnt, kann sich mit einem Vergleich viel Geld sparen, da sich die Beiträge hier am höchsten unterscheiden.

Wann kann ich mein Haus gegen Elementarschäden versichern?

Laut dem GDV ist eine Elementarschadenversicherung für 99% der Häuser in Deutschland abschließbar. Lediglich für Häuser in der ZÜRS-Zone 4 wird es schwierig, einen entsprechenden Versicherungsschutz zu bekommen.

Unterschiede je nach Versicherer

Manche Versicherer lehnen einen Vertragsabschluss konsequent ab, andere hingegen knüpfen den Versicherungsschutz an bestimmte Forderungen. Das können Baumaßnahmen am Gebäude sein. Beispielsweise Fliesen im Keller und Erdgeschoss, spezielle Fenster und keine elektronischen Geräte im Erdgeschoss. Auch wenn man über einen Öltank verfügt, muss dieser nochmals separat gesichert werden.

Selbstbehalt

Einige Versicherungsgesellschaften fordern einen Selbstbehalt an den entstandenen Kosten. Dieser liegt in der Regel bei 10% der Schadensumme, mindestens 500 Euro, maximal jedoch 5.000 Euro pro Schadensfall.

In welchen Fällen ist eine Elementarversicherung sinnvoll?

Eine Elementarversicherung ist wahrscheinlich für fast alle Eigenheimbesitzer sinnvoll. Der mögliche Totalschaden durch eine Naturgefahr ist für die meisten Haushalte finanziell nicht zu stemmen. Insbesondere wenn sich ein Gewässer in der Nähe befindet, sollte man sich intensiv mit dieser Versicherung beschäftigen. Jedoch nimmt auch das Risiko durch Starkregen immer weiter zu, sodass auch auf den ersten Blick nicht gefährdete Häuser potenziell bedroht sind.

Als Mieter insbesondere von Etagenwohnungen lässt sich definitiv über die Sinnhaftigkeit einer Elementarversicherung als Erweiterung der Hausratversicherung streiten, denn die möglichen Risiken sind gering.

Insgesamt sollte man sich die versicherten Gefahren anschauen und prüfen, ob das Haus bzw. die Wohnung gefährdet ist. Wenn eine potenzielle Gefahr vorhanden ist, sollte man sich ein Angebot berechnen lassen. Für die meisten Haushalte in Deutschland sind die Kosten nicht sehr hoch.

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Über den Autor

Tobias Weßler
Chief Content Manager