Pflege-Bahr – Pflegeversicherung mit staatlicher Förderung (2021)2021-09-13T10:19:54+02:00

Was er ist und wieso auch du ihn nutzen solltest

Bevor wir dir erklären, was genau sich hinter dem Pflege-Bahr verbirgt, müssen wir eine Sache aus dem Weg räumen:

Niemand, wirklich niemand will sich mit dem Thema Pflegebedürftigkeit auseinander setzen. Also ich kenne niemanden, der sich selbst gerne an ein Bett gefesselt vorstellt und für jede Bewegung, Toilettengang oder zum Essen fremde Hilfe benötigt.

Natürlich hoffen wir alle, dass es uns selbst so nie treffen wird. Immer nur die anderen. Aber Fakt ist nun mal, dass wir das einfach nicht beeinflussen können. Wir werden tendenziell immer älter und je älter du wirst, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass du mal zum Pflegefall wirst.

Und wenn du aber selbst zum Pflegefall geworden bist (was nicht unbedingt immer erst mit sehr hohem Alter der Fall sein muss), dann gibt es genau zwei mögliche Szenarien:

  • du hast selbst vorgesorgt mit einer privaten Pflegeversicherung, die dir eine würdevolle Pflege ermöglicht
  • du hast dies nicht getan und wirst damit zu einer emotionalen Last für deine Liebsten

Jede/r der mal einen pflegebedürftigen Menschen als Angehörige/r gepflegt hat, weiß genau, was für eine unglaublich große Last das ist. Zeitlich und vor allem auch emotional. Ich kann darüber sehr gut schreiben, weil genau dies bei meiner Mutter und ihrer Schwiegermutter der Fall war. Und so eine Situation wünscht man niemanden.

Nun, da wir wissen, dass die gesetzliche Pflegeversicherung vorne und hinten nicht reicht, stellt sich die Frage, wie du noch anderweitig an eine gute Absicherung für den Pflegefall kommen kannst – optimalerweise mit staatlicher Förderung. Und genau hier kommt der Pflege-Bahr ins Spiel.

Der Pflege-Bahr: Was ist das?

Über 2 Millionen Menschen in Deutschland sind bereits auf die Pflege angewiesen. Doch die gesetzliche Pflegeversicherung kommt nur für einen gewissen Teil der anfallenden Pflegekosten auf, nicht aber für 100%. Eine sinnvolle Initiative ist daher eine zusätzliche private Pflegeversicherung. Manche solcher privaten Versicherungen werden vom Staat durch ein Förderprogramm in Form einer Pflegetagegeldversicherung unterstützt. Seit dem 01. Januar 2013 ist nicht nur das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) in Kraft, sondern damit auch die staatliche Förderung namens „Pflege-Bahr“. Den Namen hat er übrigens vom damaligen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), der sich maßgeblich daran beteiligt hat.

Kurz gesagt bedeutet das, dass der Pflege-Bahr eine staatlich geförderte private Pflegeversicherung ist, welche als Pflegetagegeldversicherung angeboten wird und zusätzlich zur gesetzlichen Pflegeversicherung abgeschlossen werden kann.

Welchen Vorteil habe ich durch den Pflege-Bahr?

Pauschal lässt sich sagen: Werden gewisse Bedingungen eingehalten (siehe Voraussetzungen), fördert dich der Staat als Versicherungsnehmer dank des Pflege-Bahrs mit 60 Euro pro Jahr bzw. 5 Euro pro Monat.

Wichtig ist allerdings, dass du als Versicherungsnehmer mindestens einen Betrag von 10 Euro zahlen musst, um den staatlichen Zuschuss von 5 Euro zu erhalten.

Je höher dein Einstiegsalter als Versicherungsnehmer ist, desto höher wird der zu bezahlende Beitrag. Wer also 60 Jahre und älter ist, hat zwar theoretisch noch die Möglichkeit einen Pflege-Bahr abzuschließen, doch da die Versicherungsprämien vergleichsweise sehr hoch sind, gilt es abzuwägen, ob es noch sinnvoll ist.

Wir haben uns übrigens diverse Anbieter angeschaut und verglichen und empfehlen dir den Tarif der Barmenia. Dort kannst du den Pflege-Bahr auch direkt online abschließen.

Was sind die Voraussetzungen, Bedingungen, Wartezeiten & Co.?

Nicht jeder kann automatisch vom Pflege-Bahr profitieren. Gewisse Voraussetzungen müssen dafür schon erfüllt sein. Deshalb haben wir die Bedingungen für dich zusammengefasst. Hier siehst du, was für dich als Versicherungsnehmer wichtig ist und was du auch bei der Versicherung wissen solltest.

Voraussetzungen und Konditionen für dich als Versicherungsnehmer sind unter anderem:

  • Dein Mindestbeitrag pro Monat beträgt 10 Euro (zzgl. 5 Euro Förderung) bzw. 120 Euro pro Jahr (zzgl. 60 Euro Förderung).
  • Das Mindestalter beträgt 18 Jahre. Ein Höchsteintrittsalter gibt es – im Gegensatz zur privaten Pflegezusatzversicherung – nicht. Allerdings steigen die Beiträge nach dem 60. Lebensjahr deutlich an, weshalb eine individuelle Entscheidung sinnvoll ist.
  • Ebenfalls ausgeschlossen wirst du, sofern du bereits Pflegeleistungen in Anspruch nimmst.
  • In der Zeit eines finanziellen Engpasses, kannst du gegen Nachweis (wie z.B. den Bezug von Sozialleistungen von der Agentur für Arbeit) den Vertrag bis zu drei Jahre ruhen lassen. Allerdings ist während dieser Zeit der Versicherungsschutz nicht aktiv. Du kannst deine Versicherung aufgrund deiner finanziellen Notsituation sogar kündigen.

Info:
Es fällt auf, dass die Voraussetzungen für dich als Versicherungsnehmer vergleichsweise gering sind. Das ist vom Gesetzgeber so gedacht, um vor allem jenen Menschen eine Unterstützung anbieten zu können, die sich andere Formen der privaten Pflegeversicherung nicht leisten können, zum Beispiel aufgrund Vorerkrankungen oder geringem Einkommen.

Voraussetzungen und Konditionen für den Pflege-Bahr sind unter anderem:

  • Die Höhe des Beitrags darf nur vom Alter und Gesundheitszustand abhängen.
  • Kontrahierungszwang von Seite der Krankenkasse: Das ist eine gesetzlich auferlegte Pflicht zur Annahme neuer Mitglieder, unabhängig von Gesundheitsstatus oder finanzieller Leistungskraft. Risikozuschläge sind somit ausgeschlossen.
  • Es muss sich um eine Pflege-Tagegeld- oder Pflege-Monatsgeld-Versicherung handeln.
  • Für jeden Pflegegrad müssen individuelle Leistungen vorhergesehen sein.
  • Höchstbetrag: Je nach Pflegegrad dürfen die Leistungen bei Versicherungsabschluss nicht höher sein als die der gesetzlichen Pflegeversicherung.
  • Mindestbetrag: Staffelt sich je nach Pflegegrad: mindestens 60 Euro bei Pflegegrad 1 bis hin zu mindestens 600 Euro bei Pflegegrad 5.
  • Die Wartezeit von Vertragsabschluss bis zum Beginn der Leistungspflicht beträgt bis zu fünf Jahre – maximal!
  • Deine private Pflegeversicherung ist an die Entscheidung der zuständigen Pflegekasse gebunden. Das bedeutet: Wenn die gesetzliche PV einen Pflegefall feststellt und zahlt, muss die private PV ohne Diskussion auch zahlen.
  • Maximale Kosten: Die Kosten für Abschluss und Verwaltung dürfen nicht höher sein als der Wert von zwei Monatsbeiträgen bzw. maximal der Wert von 10% der Bruttoprämien sein.

Wichtig zu wissen:

Das Geld wird nicht täglich überwiesen, auch wenn es Pflege-TAGE-Geld heißt. Der Betrag wird zwar auf Tagesbasis ermittelt, aber einmal im Monat überwiesen.

Fälligkeit und Leistungen des Pflege-Bahrs

Wird eine Pflegebedürftigkeit (normalerweise durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder durch ein privates Gutachten) festgestellt, wird der Pflege-Bahr fällig. Der Betrag orientiert sich je nach Pflegegrad. Eine Entkopplung zwischen Pflege-Bahr-Leistung und Pflegebedürftigkeit ist nicht möglich. Es bedarf außerdem keines Nachweises, was konkret mit diesem Geld bezahlt wird. Der Empfänger erhält das Geld auf sein Bankkonto und darf offiziell frei darüber verfügen.

Nachfolgend siehst du, wie hoch der ausgezahlte Mindestbetrag pro Monat ist und sich je nach Pflegegrad entwickelt. Erst bei Pflegegrad 5 wird der vollständige Satz ausgezahlt, der übrigens mindestens 600 Euro pro Monat betragen muss. Werden diese Mindestbeiträge nicht eingehalten, ist der Tarif nicht förderfähig.

Die folgenden Zahlen zeigen ein Beispiel anhand eines monatlichen Mindestbetrags in Höhe von 600 Euro.

Pflegegrad: 1
Erstattungssatz: 10% von 600 €
Ausgezahlter Betrag pro Monat: 60 €

Pflegegrad: 2
Erstattungssatz: 20% von 600 €
Ausgezahlter Betrag pro Monat: 120 €

Pflegegrad: 3
Erstattungssatz: 30% von 600 €
Ausgezahlter Betrag pro Monat: 180 €

Pflegegrad: 4
Erstattungssatz: 40% von 600 € (manche Versicherer zahlen hier bereits 80%)
Ausgezahlter Betrag pro Monat: 240 € (das wären in diesem Fall 540 €)

Pflegegrad: 5
Erstattungssatz: 100% von 600 €
Ausgezahlter Betrag pro Monat: 600 €

Im Normalfall ist eine dynamische Erhöhung in Folge der allgemeinen Inflationsrate bereits Teil der Versicherung. Wer jünger ist, hat weitaus länger seine Beiträge zu bezahlen und spürt folglich dadurch mehr von der anfallen Inflation. Daher ist eine Dynamisierung äußerst sinnvoll.

Bei unserer Tarifempfehlung von der Barmenia kannst du ein Pflegemonatsgeld in Höhe von bis zu 2.500 Euro versichern.

Ach und wusstest du schon…
An dich ausbezahlte Leistungen von der Kranken- und Pflegeversicherung sind steuerfrei!

Für wen ist der Pflege-Bahr sinnvoll? Für wen nicht?

Da ist sie wieder, die beliebte Antwort: „Es kommt drauf an.“ Und zwar in dem Fall auf dein Alter und deinen Gesundheitszustand. Grundlegend kann nämlich jeder den Pflege-Bahr abschließen. Die Versicherungen dürfen keine Gesundheitsprüfung verlangen. Aus diesem Grund ist es für manche Menschen die letzte Chance, sich zusätzlich für den Pflegefall zu versichern.

Was heißt das genau:

Für wen ist er sinnvoll:

Für jüngere oder gesunde Menschen bieten sich auch nicht geförderte Pflegezusatzversicherungen an. Sie sind in der Regel günstiger und schließen ebenfalls jene finanzielle Lücken, die in einem Pflegefall auftreten können, da die gesetzliche Pflichtpflegeversicherung nicht 100% der Kosten abdeckt. Ein Pflege-Bahr schadet definitiv nicht, eine individuelle Entscheidung je nach Angeboten ist allerdings klug.

Für wen ist er nicht sinnvoll:

Für ältere oder erkrankte Menschen ist der Pflege-Bahr oftmals die einzige Möglichkeit noch eine finanzielle Absicherung einzurichten. Allerdings deckt er mögliche finanzielle Lücken, die im Pflegefall auftreten können, nicht zwingend ab. Das ist ein Punkt, der dir als Versicherter bewusst sein sollte. Zudem können die Beiträge sehr hoch ausfallen. Das bedeutet, dass zwar eine Aufnahme immer möglich ist, aber nicht zwingend sinnvoll.

Es lohnt sich übrigens auch auf jeden Fall die Anbieter zu vergleichen. Während manche Anbieter nur das gesetzlich vorgeschriebene Mindestmaß anbieten, gibt es auch andere mit herausragenden Angeboten. Dadurch entstehen einige Preis-Leistungs-Unterschiede, die du kennen solltest. Hier findest du unsere Tarifempfehlung von der Barmenia.

FAQ

Wie (oft) erhalte ich den Pflege-Bahr?2021-09-10T15:03:22+02:00

Auch wenn es eine Pflegetagegeldversicherung ist, wird der Betrag monatlich auf das angegebene Bankkonto ausgezahlt. Die Tage werden lediglich zur Betragsermittlung herangezogen.

Wo kann ich den Pflege-Bahr abschließen?2021-09-10T15:03:46+02:00

Es gibt eine große Anzahl an Anbietern, vergleichen lohnt sich.

Wer kann den staatlich geförderten Pflege-Bahr abschließen?2021-09-10T15:04:12+02:00

Jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist. Durch den Kontrahierungszwang sind die Versicherer dazu verpflichtet, jeden Antragsteller anzunehmen – unabhängig von Alter oder Gesundheitszustand.

Wieso gibt es ihn?2021-09-10T15:04:40+02:00

Im Pflegefall decken gesetzliche Pflegeversicherungen nicht 100% der anfallenden Kosten. Das Ziel ist es mit Hilfe dieser staatlich geförderten Pflegeversicherung, jeder Person ergänzende Leistungen anzubieten, um die Versorgungslücke zwischen gesetzlicher und privater Pflegeversicherung zu schließen oder zumindest zu verringern.

Was ist der Pflege-Bahr?2021-09-10T15:05:13+02:00

In Deutschland ist jeder gesetzlich pflicht-pflegeversichert. Wer clever ist, schließt zusätzlich eine private Pflegeversicherung ab, z.B. den Pflege-Bahr. Der Pflege-Bahr ist eine staatlich geförderte private Pflegeversicherung in Form einer Pflegetagegeldversicherung.

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