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Private Krankenversicherung trotz Psychotherapie

Aktualisiert am 25. August 2026

Viele Menschen, gerade in Deutschland, leiden an psychischen Erkrankungen. Umso wichtiger ist eine Krankenversicherung, die im Ernstfall auch bei psychotherapeutischen Behandlungen umfassend leistet. Eine leistungsstarke private Krankenversicherung kann hier – abhängig vom gewählten Tarif – umfangreiche Leistungen für Psychotherapie bieten, etwa hohe Erstattungssätze, eine große Zahl an Sitzungen oder sogar den Verzicht auf feste Sitzungsbegrenzungen. 

Ein weit verbreiteter Mythos ist dabei, dass eine Psychotherapie den Abschluss der privaten Krankenversicherung praktisch ausschließt – doch das ist falsch. Es gibt zwar einige Einschränkungen, grundsätzlich ist die PKV aber trotz Psychotherapie möglich. Ein großer Fehler ist es jedoch, bei Beantragung einer privaten Krankenversicherung eine Psychotherapie zu verschweigen.

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Sind Behandlungen und Psychotherapien in der privaten Krankenversicherung abgedeckt?

Grundsätzlich ja: Psychische Erkrankungen sind selbstverständlich auch in der privaten Krankenversicherung versichert. Medizinisch notwendige Behandlungen können beispielsweise ärztliche und psychotherapeutische Diagnostik, Psychotherapie, Medikamente oder auch stationäre Behandlungen in einer psychiatrischen oder psychosomatischen Klinik umfassen.

Wie umfangreich die private Krankenversicherung tatsächlich leistet, hängt allerdings entscheidend vom abgeschlossenen Tarif ab. Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es in der PKV keinen für alle Versicherten identischen Leistungskatalog. Gerade bei der Psychotherapie können deshalb erhebliche Unterschiede bestehen.

PKV leistet für Psychotherapie – aber nicht jeder Tarif gleich

Psychotherapie ist in den meisten PKV-Tarifen versichert. Wie umfangreich der Versicherer leistet, kann sich allerdings erheblich unterscheiden – und in wenigen, insbesondere älteren Tarifen kann Psychotherapie sogar vollständig ausgeschlossen sein.

Bei der Tarifauswahl solltest du insbesondere auf folgende Punkte achten:

Worauf du bei Psychotherapie-Leistungen achten solltest

Ein leistungsstarker PKV-Tarif sollte Psychotherapie deshalb nicht nur auf dem Papier einschließen. Wichtig sind eine ausreichend hohe Erstattung, möglichst keine starre Begrenzung der Sitzungszahl, klare Regelungen zu anerkannten Psychotherapeuten und möglichst wenige unnötige Genehmigungshürden.

Wie groß die Unterschiede sein können, zeigen aktuelle Tarife sehr deutlich: Innerhalb einer einzigen Tariffamilie werden beispielsweise 70, 80 oder 90% der Psychotherapiekosten ohne feste Sitzungsbegrenzung erstattet. Andere Versicherer unterscheiden zwischen Tarifen mit maximal 50 Sitzungen und Tarifen ohne solche Begrenzung oder reduzieren den Erstattungssatz erst ab einer bestimmten Sitzungszahl.

PKV ist bei Psychotherapie nicht automatisch besser als die GKV

Wichtig: Eine private Krankenversicherung ist bei Psychotherapie daher nicht automatisch leistungsstärker als die gesetzliche Krankenversicherung. Ein hochwertiger PKV-Tarif kann sehr umfangreiche Leistungen bieten, ein schwacher Tarif dagegen deutliche Einschränkungen enthalten. Genau deshalb sollte die Absicherung von Psychotherapie bei einem PKV-Vergleich immer ausdrücklich geprüft werden.

Der Unterschied könnte sich künftig allerdings vergrößern: Ab 2027 werden große Teile der bislang extrabudgetär vergüteten psychotherapeutischen Leistungen in der GKV wieder budgetiert und bestimmte Zuschläge gestrichen. Der gesetzliche Leistungsanspruch auf Psychotherapie wird dadurch zwar nicht unmittelbar gekürzt, Kritiker befürchten jedoch, dass die geringeren finanziellen Anreize die Versorgung und insbesondere die ohnehin häufig schwierige Terminvergabe zusätzlich belasten könnten. Für Privatversicherte gelten diese GKV-Vergütungsregelungen nicht.

Auch im Video: Psychotherapie: Bekommen Kassenpatienten bald keinen Termin mehr?

„Problemfaktor“ Psychotherapie – warum sich Versicherer hier schwertun

Psychotherapien und andere Behandlungen in diesem Bereich führen immer wieder zu Problemen, wenn es um die Aufnahme in die private Krankenversicherung geht. Das Gleiche gilt übrigens auch in der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Psychische Vorerkrankungen sind für den PKV-Versicherer ein hohes Risiko

Grund für die Zurückhaltung der Versicherungsunternehmen ist dabei vor allem die nach wie vor schlechte Abschätzbarkeit der Entwicklung von psychischen Vorerkrankungen wie zum Beispiel Depressionen. Denn:

Viele Ursachen für psychische Erkrankungen

Hinzu kommt die Vielzahl an möglichen Gründen für eine Psychotherapie. Anders als etwa bei Risikosportarten, die erfahrungsgemäß bestimmte Verletzungen begünstigen, können psychische Erkrankungen ihren Ursprung in nahezu allen Lebensbereichen haben. Dazu gehören beispielsweise:

Private Krankenversicherung trotz Psychotherapie: So hast du die besten Chancen

Dass der Weg in die private Krankenversicherung durch eine Psychotherapie grundsätzlich verbaut ist, ist schlichtweg falsch. Denn zum einen kommt es immer auf die Risikoeinschätzung des Versicherers an, zum anderen spielen Faktoren wie Art und Dauer der Behandlung ebenfalls eine wichtige Rolle.

Psychische Vorerkrankung: Anonyme Risikovoranfrage stellen

Bevor du eine private Krankenversicherung abschließt bzw. den entsprechenden Antrag beim Versicherer stellst, solltest du eine anonyme Risikovoranfrage durchführen.

Dein Versicherungsvermittler, etwa die PKV-Experten von VMK, fragen bei verschiedenen Versicherungsunternehmen an, ob du grundsätzlich versicherbar wärst. Es werden also alle relevanten Gesundheitsdaten offengelegt, ohne deinen Namen zu übermitteln.

Ein wichtiger Vorteil eines Versicherungsmaklers: Anders als ein Versicherungsvertreter ist er nicht an einen einzelnen Versicherer gebunden und kann die anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Gesellschaften gleichzeitig stellen und die Ergebnisse miteinander vergleichen.

Risikovoranfrage so ausführlich wie möglich gestalten

Damit es mit der privaten Krankenversicherung trotz Psychotherapie klappt, sollte bereits die Voranfrage möglichst ausführlich ausfallen. Enthalten sein sollten in jedem Fall folgende Infos:

Anhand dieser Informationen kann der Versicherer ein erstes Votum abgeben. Fällt dieses positiv aus, kannst du deinen Antrag auf Aufnahme in die private Krankenversicherung stellen – diesmal natürlich mit deinen persönlichen Daten. In der Regel sollte hier nichts mehr schiefgehen, wenn die Risikovoranfrage alle wesentlichen Daten enthielt.

Patientenakte anfordern

Wirf vor Antragstellung außerdem einen Blick in deine Patientenakte bzw. die bei deiner gesetzlichen Krankenkasse gespeicherten Gesundheitsdaten. 

Ärzte rechnen häufig Diagnosen bei der Krankenversicherung ab, die es so nie gab oder die deutlich zu „schwammig“ sind. Aus einem einfachen Blaumachen vor der Prüfung wird hier schnell eine „Angst- oder Überlastungsstörung“, die dir später den Eintritt in die private Krankenversicherung erschwert oder unmöglich macht.

Stellst du bei der Einsicht in deine Daten fest, dass Fehler enthalten sind, solltest du um Korrektur bitten. Denn der Versicherer kann im Leistungsfall auch deine früheren Ärzte befragen und die jeweiligen Daten einsehen. Du solltest ihm hier einen Schritt voraus sein.

Fristen bei den Gesundheitsfragen beachten

Psychische Erkrankungen und Behandlungen, etwa eine Psychotherapie, musst du bei den Gesundheitsfragen der privaten Krankenversicherung angeben. In der Regel ist die Abfrage aber auf einen bestimmten Zeitraum, zum Beispiel die letzten 5 oder 10 Jahre, beschränkt.

Was dir das nun bringt? Zum einen kannst du, wenn du kurz vor Ablauf der für dich maßgeblichen Frist stehst, mit der Antragstellung noch einige Wochen oder Monate warten. Zum anderen sind einzelne Behandlungen in der Vergangenheit möglicherweise bereits außerhalb der entsprechenden Frist beendet gewesen. Diese musst du nicht angeben.

Es lässt sich festhalten, dass der Abschluss einer privaten Krankenversicherung mit einer Psychotherapie vor 3 Jahren deutlich unwahrscheinlicher ist als der Abschluss mit einer Psychotherapie vor 5 Jahren.

Auf die genaue Formulierung der Gesundheitsfragen achten

Entscheidend ist nicht nur der abgefragte Zeitraum, sondern auch die genaue Formulierung der jeweiligen Gesundheitsfrage

Bei der uniVersa wird beispielsweise gefragt: „Wurde in den letzten 10 Jahren die Hilfe von Psychotherapeuten in Anspruch genommen?“. Behandlungen und Untersuchungen durch Ärzte, Heilpraktiker oder andere Therapeuten werden dagegen lediglich für die vergangenen 3 Jahre abgefragt.

Das kann in der Praxis einen wichtigen Unterschied machen: Wurde eine Person beispielsweise vor 4 Jahren aufgrund einer psychischen Diagnose von einem Arzt krankgeschrieben, hat aber keine psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen, muss dieser Vorgang nach diesen konkreten Fragen grundsätzlich nicht angegeben werden.

Voraussetzung ist allerdings, dass keine weiteren Fragen greifen – etwa weil noch Beschwerden oder Krankheitsfolgen bestehen oder eine Behandlung empfohlen wurde.

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PKV trotz laufender Psychotherapie – hier sieht es meist schlecht aus

Während du bei bereits abgeschlossenen Behandlungen zumindest eine Chance auf eine private Krankenversicherung hast, sieht es bei einer noch laufenden Psychotherapie schlecht aus

Die meisten Versicherer nehmen generell keine Mitglieder auf, die sich aktuell in ärztlicher Behandlung befinden. Bestimmte Krankheiten, vor allem „Kleinigkeiten“, sind hier zwar ausgenommen, psychische Erkrankungen fallen aber nicht darunter.

Warte daher bis zum Abschluss der Behandlung und wende dich dann an die Versicherungsmakler deines Vertrauens. Der nächste Schritt besteht in einer anonymen Risikovoranfrage, mit der die grundlegende Versicherbarkeit geprüft wird.

💡 Leistungsausschluss Psyche

Ein Abschluss der privaten Krankenversicherung ist trotz Psychotherapie hin und wieder möglich, wenn du einen Leistungsausschluss mit dem Versicherer vereinbarst. Du erhältst dann im psychischen Bereich keine Leistungen. Eine solche Vereinbarung empfehlen wir allerdings unter keinen Umständen, da du die im Ernstfall notwendigen Behandlungen trotz 100% Beitrag komplett aus eigener Tasche bezahlen musst. Bleib in diesen Fällen lieber (erstmal) in der gesetzlichen Krankenkasse versichert.

Private Krankenversicherung Psychotherapie verschweigen

Zum Abschluss müssen wir noch auf einen sehr wichtigen Punkt eingehen.

Es ist eine verdammt schlechte Idee, eine Psychotherapie bei Beantragung einer privaten Krankenversicherung zu verschweigen.

Sollte man aufgrund einer psychischen Erkrankung eine Ablehnung des Antrags auf eine private Krankenversicherung erhalten haben, sollte man in keinem Fall einen Antrag bei einem anderen Versicherer stellen und die Erkrankung verschweigen.

Auch wenn man noch keinen Antrag gestellt hat, sollte man die Psychotherapie in keinem Fall verschweigen.

Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht

Als Kunde begeht man hierbei nämlich eine sogenannte Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht nach § 19 VVG, welche im schlimmsten Fall eine Rückabwicklung des Vertrags zur Folge hat.

Du bist nämlich sowohl gesetzlich als auch vertraglich dazu verpflichtet, alle Fragen des Versicherers vollständig, wahrheitsgemäß und nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten. Kommt es zu fehlerhaften oder unvollständigen Angaben, kann der Versicherer innerhalb von 5 bzw. 10 Jahren nach Vertragsabschluss folgende Maßnahmen ergreifen:

Abstufungen bei Verstößen gegen die vorvertragliche Anzeigepflicht

Verletzungen der vorvertraglichen Anzeigepflicht können schwerwiegende – teils existenzbedrohende – Folgen haben. Deshalb ist es besonders wichtig, die Gesundheitsfragen bei der privaten Krankenversicherung äußerst sorgfältig und gewissenhaft zu beantworten und in keinem Fall eine relevante psychische Vorerkrankung zu verschweigen.

Die Konsequenzen richten sich nach dem Grad des Verschuldens:

Noch ausführlichere Informationen zur vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung findest du im verlinkten Artikel (am Beispiel der Berufsunfähigkeitsversicherung).

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