Wichtige Infos auf einen Blick

  • Jeder angehende Lehrer in Deutschland wird zum Beamten auf Widerruf ernannt und hat somit die Wahl, ob er sich während des Referendariats gesetzlich oder privat krankenversichert.
  • Durch die Ernennung zum Beamten auf Widerruf hat der Referendar einen Beihilfeanspruch.
  • In der privaten Krankenversicherung (PKV) gibt es speziell auf den Beihilfeanspruch zugeschnittene Tarife.
  • In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) muss trotz Beihilfeanspruch 100% der Kosten versichert werden.
  • Im Vergleich zur GKV bietet die PKV bessere Leistungen bei geringeren Kosten.
  • Daher sind 94% der Beamten in Deutschland in der PKV versichert.

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Referendariat: Gesetzlich oder privat versichern?

Die Frage, ob sich ein Referendar gesetzlich oder privat krankenversichern sollte, ist nur für verbeamtete Referendare relevant. Alle Referendare im Angestelltenverhältnis müssen sich in der gesetzlichen Krankenversicherung versichern. Da alle Referendare in Deutschland für die Zeit des Referendariats zum Beamten auf Widerruf ernannt werden, ist die Frage jedoch für alle angehenden Lehrer relevant.

Demnach kann sich der Beamtenanwärter zu Beginn des Referendariats für die gesetzliche oder private Krankenversicherung entscheiden. Falls der Beamtenanwärter während des Studiums jedoch bereits in der PKV versichert war, hat er keine Wahlmöglichkeit. Er muss in der privaten Krankenversicherung bleiben.

Bei Beantragung einer PKV muss auch der Beamtenanwärter die vollumfänglichen Gesundheitsfragen beantworten.

Bereits im Studium Anwartschaft abschließen

Grundsätzlich gilt: Je jünger, desto besser ist der Gesundheitszustand. Daher macht es für GKV Versicherte Lehramtsstudenten unter Umständen Sinn, sich bereits während des Studiums über eine Anwartschaftsversicherung den Zugang zur PKV zu sichern. Hierbei werden bereits vor dem eigentlichen Eintritt in die PKV die Gesundheitsfragen beantwortet, sodass der Gesundheitszustand “eingefroren” wird.

Beamte bekommen Beihilfe

Wie bereits beschrieben, wird fast jeder angehende Lehrer während des Referendariats zum Beamten auf Widerruf ernannt. Während dieser Zeit besteht der ganz normale Beihilfeanspruch. Das heißt, ein Teil der Krankheitskosten (in der Regel 50%) wird vom Staat übernommen. Der andere Teil kann dann bei einer privaten Krankenversicherung abgesichert werden.

Des Weiteren ist trotz Beihilfeanspruch eine Absicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung möglich. Dadurch entfällt jedoch dein Beihilfeanspruch, da du keine Rechnungen mehr vom Arzt erhältst. Die Beihilfe leistet nur noch für Aufwendungen, für welche du keine Rechnung vom Arzt bekommst bzw. anders gesagt für die Leistungen, die nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden.

Die folgenden Unterschiede zwischen GKV und PKV sollen dir als Beamtenanwärter helfen, ob die gesetzliche oder die private Krankenversicherung im Referendariat für dich die bessere Lösung ist.

Unterschiede GKV und PKV für Referendare

Beitrag gesetzliche Krankenversicherung

In der gesetzlichen Krankenversicherung richtet sich der Beitrag nach dem Bruttoeinkommen. Bei Beamten bzw. Referendaren gibt es im Vergleich zu gesetzlich krankenversicherten Angestellten zwei Besonderheiten.

Zum einen müssen Beamte den vollen Beitrag zahlen, da es im Beamtensystem keinen Arbeitgeber-Anteil gibt. Zum anderen müssen Beamte nur den ermäßigten Beitrag von 14% + Zusatzbeitrag (im Durchschnitt 1,3%) zahlen, da im Unterschied zu Angestellten, bei Beamten der Dienstherr die Kosten bei längerer Krankheit übernimmt.

Was kostet eine gesetzliche Krankenversicherung für Referendare?

Da der Lehramtsreferendar im Bundesdurchschnitt 1.450 Euro pro Monat verdient, muss er in der gesetzlichen Krankenversicherung ca. 220 Euro pro Monat zahlen.

Kein Beamtentarif in der GKV

Der Nachteil für Beamte in der GKV ist, dass es keinen speziellen Beamtentarif gibt. Demnach musst du im Gegensatz zur PKV eine 100% Absicherung wählen.

Gesundheitsprüfung

Im Gegensatz zur privaten Krankenversicherung ist in der gesetzlichen Krankenversicherung keine Gesundheitsprüfung erforderlich. Es gilt der Kontrahierungszwang, das heißt jeder (bei Erfüllung der formellen Voraussetzungen) muss unabhängig vom Gesundheitszustand aufgenommen werden.

In der privaten Krankenversicherung gibt es diese Aufnahmepflicht nicht. Das heißt der Versicherer kann Anträge u.a. aufgrund des Gesundheitszustands ablehnen. Da die PKV die passgenaue Versicherung für Beamte ist, gibt es im Rahmen der Beamtenöffnungsaktion die Möglichkeit diese Ablehnung zu verhindern. Mehr dazu später.

Betrag private Krankenversicherung

In der privaten Krankenversicherung richtet sich der Beitrag nach Alter, Gesundheitszustand und den gewünschten Leistungen. In der PKV gibt es beihilfekonforme Tarife, welche die vorhandene Beihilfe ergänzen. Das heißt es ist anders als in der GKV keine 100% Absicherung nötig.

Was kostet eine private Krankenversicherung für Referendare?

Zusätzlich zu den passgenauen Tarifen, können Referendare in der privaten Krankenversicherung von günstigen Ausbildungstarifen (in der Regel bis zur Vollendung des 34. Lebensjahrs) profitieren. Dadurch kostet der Beitrag während des Referendariats in der Regel deutlich weniger als 100 Euro im Monat. Diese Ausbildungstarife sind auch so günstig, weil keine Alterungsrückstellungen gebildet werden. Das macht auch Sinn, da nicht jeder Beamtenanwärter direkt nach dem Referendariat zum Beamten auf Probe ernannt wird.

Absicherung der Familie

Der große Vorteil der GKV im Vergleich zur PKV ist auch bei Referendaren die kostenfreie Mitversicherung von Angehörigen (unter Beachtung der Einkommensgrenzen). So können in der GKV Ehepartner/in und Kinder kostenfrei mitversichert werden. Diese haben zwar auch einen Beihilfeanspruch (Kinder: 80%, Ehepartner/in: 70%), müssen in der PKV aber auch entsprechend die restlichen Kosten gegen Beitrag absichern.

Der Vorteil im Vergleich zu privat krankenversicherten Angestellten ist jedoch, dass nur 20 bzw. 30% der Kosten privat abgesichert werden müssen. Somit ist die finanzielle Belastung bei Beamten deutlich geringer.

Bessere Leistungen in der PKV

Ein sehr wichtiger Unterschied zwischen GKV und PKV ist noch, dass es in der PKV die besseren Leistungen gibt. Im Sozialgesetzbuch steht, dass die Leistungen in der GKV ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein müssen. Demgegenüber bekommst du in der PKV die bestmögliche medizinische Versorgung.

Und da es in der privaten Krankenversicherung speziell auf den Beihilfeanspruch zugeschnittene Tarife gibt, zahlst du als Beamter für die besseren Leistungen sogar weniger Geld. Übrigens: 94% der Beamten in Deutschland sind in der PKV versichert.

Beamtenöffnungsaktion

Da die private Krankenversicherung die passgenaue Absicherung für verbeamtete Lehrer ist, haben der PKV-Verband und einige Krankenversicherer vor einigen Jahren die Beamtenöffnungsaktion ins Leben gerufen.

Durch die Beamtenöffnungsaktion können auch Lehrer in die PKV aufgenommen werden, welche aufgrund des Gesundheitszustands eigentlich abgelehnt worden wären.

Beamtenöffnungsaktion seit 2019 auch für Beamte auf Widerruf

Vor 2019 waren nur Beamte auf Probe und Beamte auf Lebenszeit berechtigt, an der Öffnungsaktion für Beamte teilzunehmen. Das heißt während des Referendariats musste sich der Beamtenanwärter gesetzlich versichern, wenn aufgrund des Gesundheitszustands keine Absicherung in der privaten Krankenversicherung möglich war.

Seit 2019 ist die Öffnungsaktion auch für Beamte auf Widerruf möglich, sodass bereits während des Referendariat eine Aufnahmepflicht in die PKV besteht.

Die Beamtenöffnungsaktion muss innerhalb von 6 Monaten nach der Verbeamtung wahrgenommen werden. Falls der Beamte die Öffnungsaktion während des Referendariats nicht wahrnimmt und sich weiterhin gesetzlich krankenversichert, kann er diese in Anspruch nehmen, wenn er zum Beamten auf Probe ernannt wird.

Wie bereits beschrieben, gibt es durch die Beamtenöffnungsaktion eine Aufnahmepflicht unabhängig vom Gesundheitszustand. Der Versicherer darf maximal einen Risikozuschlag von 30% erheben und er darf keine Leistungsausschlüsse herausgeben. Er muss jedoch keinen Beihilfeergänzungstarif anbieten.

Krankenversicherung nach dem Referendariat

Einmal PKV, immer PKV? Wie geht es mit der Krankenversicherung nach dem Referendariat weiter?

Das hängt zunächst einmal davon ab, wie es mit deiner beruflichen Laufbahn weitergeht. Der Wunsch der meisten angehenden Lehrer ist eine Verbeamtung auf Probe direkt nach dem Referendariat. Dann hast du weiterhin einen Beihilfeanspruch, kannst jedoch nicht zurück in die GKV wechseln.

Angestellte Lehrer

Häufig ist es jedoch so, dass angehende Lehrer zunächst eine Stelle im Angestelltenverhältnis erhalten. Der Verdienst liegt in der Regel unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze (2022: 64.350 Euro), sodass Versicherungspflicht in der GKV besteht. Auch wenn du willst, kannst du in dieser Konstellation nicht weiter in der PKV bleiben. Du kannst (bzw. solltest) dir jedoch deinen Gesundheitszustand und ggf. dein Eintrittsalter mit einer Anwartschaftsversicherung sichern. So kannst du später, wenn du hoffentlich auf Probe verbeamtet wirst, wieder ohne Probleme zurück in die PKV wechseln.

Wenn du die PKV nach dem Referendariat kündigst, musst du bei Widereintritt in die PKV erneut Gesundheitsfragen beantworten. So kann es im schlechtesten Fall dazu kommen, dass du auch bei Verbeamtung auf Probe aufgrund deines Gesundheitszustandes nicht mehr zurück in die PKV wechseln kannst.

Übergangstarife

Hin und wieder kann es vorkommen, dass angehende Lehrer weder direkt verbeamtet werden, noch direkt eine Stelle im Angestelltenverhältnis erhalten. Während der (hoffentlich kurzen) Arbeitslosigkeit hängt der Versicherungsstatus von den persönlichen Verhältnissen ab.

Falls du als angehender Lehrer verheiratet und die Partnerin gesetzlich krankenversichert ist, kannst du in die kostenlose Familienversicherung der Partnerin eintreten. Auch hier sollte eine Anwartschaftsversicherung abgeschlossen werden.

Solltest du nicht verheiratet sein und keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, besteht weiterhin Versicherungspflicht in der PKV. Ein Wechsel in die GKV ist dann nicht möglich.

Für diese Konstellation bieten private Krankenversicherungen spezielle Übergangstarife an. Diese leisten 100% der Krankheitskosten, weil kein Beihilfeanspruch mehr besteht. In der Regel sind diese Übergangstarife sogar günstiger als eine freiwillige Mitgliedschaft in der GKV. Wichtig ist aber, dass dein Versicherer solche (kostengünstigen) Lösungen überhaupt anbietet. Ansonsten kann es in der Übergangszeit ziemlich teuer werden. Achte daher bei Beantragung der PKV unbedingt auf diesen Punkt.

Fazit: Gesetzliche oder private Krankenversicherung im Referendariat

Die Entscheidung, ob die gesetzliche oder private Krankenversicherung im Referendariat die bessere Lösung ist, sollte wohlüberlegt sein. In der Regel spricht vieles für die PKV, da es nur dort einen auf den Beihilfeanspruch angepassten Versicherungsschutz gibt. Ferner hast du bei geringeren Kosten, bessere Leistungen.

Was kann also überhaupt für die GKV sprechen? Hier ist vor allen Dingen die kostenfreie Mitversicherung von Familienangehörigen zu nennen. Auch müssen in der GKV keine Gesundheitsfragen beantwortet werden. Durch die Beamtenöffnungsaktion wird jedoch auch Beamten mit Vorerkrankungen der Zugang in die PKV ermöglicht.

Alles in allem sollte eine private Krankenversicherung stets mit einem Experten beantragt werden, damit u.a. auch Aspekte wie kostengünstige Übergangstarife nicht vergessen werden. Jede Konstellation ist individuell, sodass ein solcher Ratgeber niemals die persönliche Beratung ersetzen kann.

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Weitere wichtige Versicherungen für Referendare

Neben der Frage: “Private Krankenversicherung im Referendariat?”, stellst du dir als angehender Lehrer vielleicht die Frage, ob es weiteren wichtige Versicherungen für Referendare gibt. Und ja, die gibt es. In den zwei verlinkten Artikel haben wir die Dienstunfähigkeitsversicherung und die Diensthaftpflichtversicherung ausführlich behandelt.