Das deutsche Sozialversicherungsrecht kennt in nahezu jedem Bereich verschiedenste Einkommensgrenzen. Für die private Krankenversicherung (PKV) ist dabei vor allem die Versicherungspflichtgrenze bzw. Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) relevant. Gleichzeitig ist die Frage, ab wann du dich überhaupt privat krankenversichern darfst, nicht für alle Berufsgruppen gleich zu beantworten. Für Beamte und Selbstständige gibt es beispielsweise Ausnahmen.

Wichtige Infos auf einen Blick

  • Möchtest du dich als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer privat krankenversichern, muss dein Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze bzw. Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) liegen. Verdienst du weniger, musst du – mit einigen Ausnahmen – in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben.
  • Beamte, Selbstständige, Freiberufler und Studenten können die JAEG ignorieren. Sie haben unabhängig vom Jahreseinkommen die Möglichkeit, in die PKV einzutreten.
  • Im Jahr 2024 liegt die Grenze bei 69.300 Euro brutto – das entspricht 5.775 Euro pro Monat (2023: 66.600 bzw. 5.550 Euro).
  • Unterschreitest du die Versicherungspflichtgrenze wieder, tritt die gesetzliche Versicherungspflicht ein. In gewissen Fällen, wie beispielsweise, wenn du wegen einer höheren JAEG bei gleichem Gehalt versicherungspflichtig wirst, kannst du dich aber von ihr befreien lassen.
  • Unterscheide immer zwischen Versicherungspflichtgrenze bzw. JAEG und Beitragsbemessungsgrenze. Letztere sagt nichts über deine Versicherungspflicht aus. Sie gibt lediglich Aufschluss über die aktuellen Höchstbeiträge zu den gesetzlichen Sozialversicherungen.

Jahresarbeitsentgeltgrenze EINFACH erklärt!

gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw== - Private Krankenversicherung: Diese Grenze musst du 2024 überschreiten

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Bedeutung der Jahresarbeitsentgelts- bzw. Versicherungspflichtgrenze in der PKV

Bevor wir uns die praktische Bedeutung der Versicherungspflichtgrenze etwas genauer anschauen, werfen wir einen Blick auf die aktuellen Zahlen. Als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer muss dein Bruttoeinkommen im Jahr vor dem Wechsel und im Jahr des Wechsels in die private Krankenversicherung

  • mindestens 66.600 Euro betragen, wenn du 2023 in die private Krankenversicherung wechselst, und
  • mindestens 69.300 Euro betragen, wenn du im Jahr 2024 in die PKV eintreten möchtest.

Wie gesagt, dies betrifft nur Angestellte. Beamte, Selbstständige und Studenten unterliegen anderen Vorschriften, aber dazu später mehr.

Grundsatz: Du möchtest in die PKV wechseln und bist angestellt

Angestellte sind mit wenigen Ausnahmen (etwa GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer) immer sozialversicherungspflichtig. Sie fallen damit unter die Regelungen des SGB V, wo unter anderem die vom Gesetzgeber jährlich neu festzulegende Versicherungspflichtgrenze oder Jahresarbeitsentgeltgrenze geregelt ist.

Es gilt also der Grundsatz, dass du als Arbeitnehmer stets gesetzlich versichert sein musst. Überschreitet dein Einkommen allerdings die Grenze, bist du versicherungsfrei. Du kannst dann selbst entscheiden, ob du in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bleibst oder in die private Krankenversicherung wechselst.

Entscheidest du dich für den Wechsel, hast du als Angestellter weiterhin Anspruch auf einen Arbeitgeberzuschuss. Wie hoch der Arbeitgeberanteil bei Privatversicherten ausfällt, kannst du im verlinkten Artikel nachlesen.

Für wen die Jahresarbeitsentgeltgrenze keine Rolle spielt

Im Wesentlichen gibt es zwei Berufsgruppen, die quasi „von Haus aus“ versicherungsfrei sind. Bei ihnen kommt es also nicht auf das Einkommen, sondern ausschließlich auf den beruflichen Status an. Sind die individuellen Voraussetzungen des Versicherers (u.a. Gesundheitsprüfung) erfüllt, kannst du dich als eine der folgenden Personen immer privat krankenversichern.

Beamte

Beamtinnen und Beamte, Richter sowie Soldaten und ihre Angehörigen erhalten vom Dienstherrn Beihilfe. Der Staat übernimmt mindestens 50% der Behandlungs- und Krankheitskosten. Für die verbleibenden Aufwendungen ist diese Berufsgruppe versicherungsfrei, wobei sich die PKV in den meisten Fällen mehr lohnt als der gesetzliche Schutz.

Selbstständige

Freiberufler, Unternehmer, niedergelassene Ärzte und Co.: Wer selbstständig ist, entscheidet selbst, wie er sich versichert. Dabei spielt es keine Rolle, ob du 10.000 oder 200.000 Euro pro Jahr verdienst – der berufliche Status entscheidet. Ein PKV-Versicherer kann dich jedoch im Gegensatz zur GKV auch ablehnen, wenn dein Einkommen aus dessen Sicht zu gering ist. In anderen Worten: In der PKV gibt es im Gegensatz zur GKV keinen Kontrahierungszwang.

GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer

Sie sind zwar bei ihrer eigenen GmbH angestellt und damit eigentlich Arbeitnehmer, durch ihr unternehmerisches Risiko aber auch „irgendwie“ selbstständig. Hier ist ebenfalls eine Befreiung von der gesetzlichen Versicherungspflicht möglich (Stichwort: Statusfeststellungsverfahren).

Wichtig: Bist du angestellt und selbstständig zugleich, gehörst also zu zwei Berufsgruppen, kommt es auf den Hauptberuf an. Auch hier kann eine Statusfeststellung sinnvoll sein. Neben den genannten „Haupt-Berufsgruppen“ gibt es noch einige Personen, für welche die Entgeltgrenze schlicht keine Rolle spielt. Dies sind vor allem Menschen ohne eigenes Einkommen bzw. mit geringem Einkommen (etwa Hausfrauen und Hausmänner), aber auch Studenten.

Übersicht: Ist die Versicherungspflichtgrenze relevant für mich?

Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick über deine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Deine Berufsgruppe Dein Jahresbruttoeinkommen
Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer bzw. Arbeiterin oder Arbeiter 2024: mindestens 69.300 Euro, 2023: mindestens 66.600 Euro
angestellte Berufsträger (Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater) 2024: mindestens 69.300 Euro, 2023: mindestens 66.600 Euro
Freiberufler, Selbstständige und Unternehmer, in der Regel auch Gesellschafter-Geschäftsführer keine Versicherungspflicht, unabhängig vom Einkommen
Beamtinnen und Beamte, Soldaten, Richter sowie ggf. Angehörige keine Versicherungspflicht, unabhängig vom Einkommen
Studierende keine Versicherungspflicht, PKV kann aber nur zu bestimmten Zeitpunkten abgeschlossen werden
Menschen ohne eigenes Einkommen bzw. mit geringerem Einkommen, etwa Hausfrauen und Hausmänner (Mitversicherung bei Partner/in) PKV möglich, wenn Einkommen unter 505 Euro bzw. 538 Euro bei Minijobs liegt

 

Berechnung der Entgeltgrenze: Diese Zahlungen gehören zum Einkommen

Für die Frage, ob Arbeitnehmer in die private Krankenversicherung wechseln können, kommt es ganz wesentlich auf das Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze an. Möglicherweise lag dein Bruttogehalt im letzten Jahr aber nur wenige Euro über der Grenze. Du fragst dich daher, welche laufenden und welche Einmalzahlungen einen Einfluss auf die Entgeltgrenze der privaten Krankenversicherung haben.

Der Gesetzgeber definiert den Begriff „Arbeitsentgelt“ in § 14 Absatz 1 Satz 1 SGB IV wie folgt:

Arbeitsentgelt sind alle laufenden oder einmaligen Einnahmen aus einer Beschäftigung, gleichgültig, ob ein Rechtsanspruch auf die Einnahmen besteht, unter welcher Bezeichnung oder in welcher Form sie geleistet werden und ob sie unmittelbar aus der Beschäftigung oder im Zusammenhang mit ihr erzielt werden.

Auch wenn dieser Satz zunächst so klingt, als wären faktisch alle Einnahmen einzubeziehen, so gibt es doch einige Ausnahmen. Die häufigsten haben wir dir in einer Tabelle zusammengestellt.

Art der Zahlung/Quelle Teil des regelmäßigen Arbeitsentgelts?
Monatliches Bruttogehalt Ja
Vertraglich vereinbartes und/oder regelmäßig gezahltes Weihnachtsgeld Ja
Urlaubsgeld Ja
Pauschale Überstunden- oder Schichtarbeitsvergütung Ja
Vermögenswirksame Leistungen Ja
Unregelmäßige Boni, z.B. Gewinnbeteiligung am Jahresende Nein
Bezüge aus weiteren Arbeitsverhältnissen (1. Minijob ausgenommen) Ja
Einkünfte aus selbstständiger Nebentätigkeit Nein

Hinweis: Hast du mehrere Arbeitsverhältnisse, musst du die einzelnen Beträge zusammenrechnen. Sie werden dann gemeinsam als „ein großer Job“ betrachtet. Dabei zählt der 1. Minijob nicht dazu, weil dieser kranken- und pflegeversicherungsfrei ist.

Die Entgeltgrenze der privaten Krankenversicherung steigt – was tun?

Der Gesetzgeber passt die Jahresarbeitsentgeltgrenze für die private Krankenversicherung jedes Jahr an. Dabei richtet er sich nach der allgemeinen Lohnentwicklung, wobei dies in der Regel eine Erhöhung der JAEG zur Folge hat. Würde das allgemeine Lohnniveau allerdings sinken, könntest du auch mit einer Absenkung der Versicherungspflichtgrenze rechnen (§ 6 Absatz 6 Satz 1 SGB V).

Unterschreitung der JAEG als privatversicherter Arbeitnehmer

Als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer kannst du durch die Änderungen aber auch in eine vermeintlich knifflige Situation kommen. Denn angenommen dein Gehalt liegt genau auf der Grenze, würdest du bei einer Anpassung selbiger plötzlich zu wenig für die private Krankenversicherung verdienen. Du wärst dann wieder gesetzlich versicherungspflichtig.

Doch auch hier gibt es eine Lösung: Tritt der genannte Fall ein, kannst du bei einer beliebigen gesetzlichen Krankenkasse einen Befreiungsantrag stellen. Du musst dann nur nachweisen, dass du bereits anderweitig (privat) krankenversichert bist.

Achtung: Befreit dich die GKV von der Versicherungspflicht, ist dies für die bestehende Tätigkeit endgültig. Ein „Zurück“ gibt es dann in der Regel nicht mehr. Solltest du jedoch eine neue versicherungspflichtige Tätigkeit aufnehmen, kannst du in die GKV wechseln.

Weitere Möglichkeiten zur Befreiung von der Versicherungspflicht

Neben dem Unterschreiten der JAEG durch eine Erhöhung dieser bei gleichem Gehalt gibt es noch folgende weitere Ausnahmen, bei denen du dich als PKV-Versicherter von der Versicherungspflicht in der GKV befreien lassen kannst.

  • Wechsel in Teilzeit (mindestens 50% Reduzierung), letzte 5 Jahre vorher keine GKV-Pflicht
  • Versicherungspflicht aufgrund von Eltern- oder Pflegezeit
  • Bezug von Arbeitslosengeld 1 oder Unterhaltsgeld, letzte 5 Jahre vorher keine GKV-Pflicht
  • Studenten
  • Rentner

Die Grenzen der privaten Krankenversicherung: Beitragsbemessungs- oder Versicherungspflichtgrenze?

Zugegeben, bei den zahlreichen Grenzen, die es je nach Ziel bei der privaten Krankenversicherung zu beachten gibt, kommt man gerne mal durcheinander. Besonders häufig verwechselt werden aber die Versicherungspflicht- auf der einen und die Beitragsbemessungsgrenze auf der anderen Seite. Nur kurz zu den Unterschieden:

  • Versicherungspflichtgrenze oder Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG): Liegt dein Einkommen über dem aktuellen Wert, bist du versicherungsfrei. Du entscheidest selbst, ob du in der GKV bleibst oder in die PKV wechselst.
  • Beitragsbemessungsgrenze (BBG): Der gesetzliche Krankenversicherungsbeitrag wird maximal von diesem Wert aus berechnet. Die BBG liegt 2024 bei 5.175 Euro pro Monat bzw. 62.100 Euro im Jahr (2023: 4.987,50 bzw. 59.850 Euro). Verdienst du beispielsweise 6.000 Euro brutto, zahlst du auf 825 Euro (Differenz zur BBG) keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge mehr.

Für Privatversicherte spielt die BBG meist keine Rolle. Wenn du allerdings Arbeitnehmer bist, betrifft sie dich indirekt. Denn der Arbeitgeber übernimmt deine PKV-Beiträge maximal zu 50%, gedeckelt aber auf den Höchstbeitrag, der in der GKV anfallen würde. Der maximale Arbeitgeberzuschuss zu deiner PKV liegt im Jahr 2024 damit bei 421,76 Euro pro Monat.

Exkurs: Besondere Versicherungspflichtgrenze ab 2003

Neben den „normalen“ Grenzen der privaten Krankenversicherung gibt es seit Anfang 2003 noch die „besondere Versicherungspflichtgrenze“. Hinter ihr steckt der Umstand, dass Beitragsbemessungs- und Jahresarbeitsentgeltgrenze bis zum 31.12.2002 gleich hoch waren. Dies wurde zum 01.01.2003 geändert, indem der Gesetzgeber die Versicherungspflichtgrenze deutlich erhöht hat.

Dadurch wäre folgendes passiert: Arbeitnehmer, deren Jahresbrutto zwar über der alten, aber unter der neuen Versicherungspflichtgrenze lagen, müssten sich „von heute auf morgen“ wieder gesetzlich krankenversichern.

Betroffene Angestellte profitieren daher von einem Bestandsschutz, der ihnen ermöglicht, privat krankenversichert zu bleiben. Dazu musst du der gesetzlichen Krankenkasse lediglich einen Nachweis darüber vorlegen, dass du am 31.12.2002 privat krankenversichert warst.

Die besondere Versicherungspflichtgrenze entspricht immer der aktuellen Beitragsbemessungsgrenze und liegt 2024 bei 62.100 Euro im Jahr.

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Über den Autor

Tobias Weßler
Chief Content Manager