Berufsunfähigkeitsversicherung mit ADHS: Geht das?
Der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist mit ADHS schwierig – auch heute noch. Gerade im Kindes- und Jugendalter, wo ein günstiger Einstieg in die BU-Absicherung häufig sinnvoll ist, macht die Erkrankung dir hier einen Strich durch die Rechnung. Doch es gibt Möglichkeiten, wie du für dich oder dein Kind trotz ADHS-Diagnose eine Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten kannst. Hinzu kommen alternative Absicherungslösungen.
💡 Wichtige Infos auf einen Blick
- Das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivität-Syndrom (ADHS) beginnt bei den meisten Menschen bereits im Kindes- und Jugendalter. Je nach Studie sind rund 5% der jungen Menschen und rund 2,5% der erwachsenen Bevölkerung weltweit davon betroffen.
- ADHS äußert sich in Aufmerksamkeitsstörungen, Unruhe und Impulsivität. Kinder, die an ADHS leiden, werden dadurch oft ausgegrenzt und nicht ernst genommen.
- In der Berufsunfähigkeitsversicherung ist ADHS häufig ein Ausschlussgrund, weil der Versicherer die Risiken durch die Erkrankung als zu unkalkulierbar ansieht.
- Eine Absicherung ist aber trotz ADHS möglich. In Frage kommen hier gleich mehrere Wege, wobei drei über die „klassische“ BU-Versicherung führen.
- Was für ADHS gilt, gilt gleichermaßen auch für den kleinen Bruder ADS.
- Wie häufig ist ADHS in Deutschland?
- Berufsunfähigkeitsversicherung und ADHS: Die Gesundheitsfragen
- Eine Berufsunfähigkeitsversicherung trotz ADHS erhalten: So kannst du vorgehen
- Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung bei ADHS-Diagnose
- Berufsunfähigkeitsversicherung trotz ADHS abschließen – nichts ist unmöglich
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Wie häufig ist ADHS in Deutschland?
ADHS ist kein Randthema. In Deutschland leben schätzungsweise etwa 2 Millionen Erwachsene und bis zu 500.000 Kinder und Jugendliche mit ADHS oder ADS.
Während im Kindes- und Jugendalter ungefähr 5% betroffen sind, liegt die geschätzte Häufigkeit bei Erwachsenen je nach Studie bei etwa 2,5 bis 4,7%.
ADHS bei Erwachsenen
Gerade bei Erwachsenen wird ADHS heute häufiger erkannt als früher. Viele Betroffene wissen über Jahre nichts von ihrer Erkrankung, weil typische Symptome wie innere Unruhe, Konzentrationsprobleme, impulsives Verhalten oder Schwierigkeiten bei der Selbstorganisation lange nicht richtig eingeordnet werden.
Das ist auch für die Berufsunfähigkeitsversicherung relevant. Denn selbst wenn die Diagnose erst spät gestellt wurde, spielt sie bei den Gesundheitsfragen eine wichtige Rolle – insbesondere dann, wenn in den letzten Jahren eine Beratung, Untersuchung oder Behandlung stattgefunden hat.
ADHS bei Kindern und Jugendlichen
Bei Kindern und Jugendlichen wird ADHS häufiger diagnostiziert als bei Erwachsenen. In Deutschland sind ungefähr 5% der Kinder und Jugendlichen betroffen. Jungen erhalten dabei in der Regel häufiger eine ADHS-Diagnose als Mädchen.
Wollen Eltern für ihr Kind eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine andere Arbeitskraftabsicherung abschließen, ist eine bestehende oder frühere ADHS-Diagnose ebenfalls relevant.
Berufsunfähigkeitsversicherung und ADHS: Die Gesundheitsfragen
Schließt du für dich oder dein Kind eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab, stellt der Versicherer verschiedene Gesundheitsfragen. Eine davon lautet beispielsweise.
„Sind Sie in den letzten 10 Jahren wegen der Psyche (zum Beispiel Depressionen, Burnout, Angst- oder Erschöpfungszustände, Suizidversuch, Schlafstörungen, ADHS) beraten, untersucht oder behandelt worden?“
je nach Versicherer werden auch nur 3 oder 5 Jahre abgefragt
Kreuzt du hier „Ja“ an, wird der Versicherer den Antrag mit hoher Wahrscheinlichkeit ablehnen. Was für ADHS gilt, gilt gleichermaßen auch für den kleinen Bruder ADS.
Chance auf BU-Versicherung trotz ADHS-Diagnose
Zunächst stellen die meisten Gesellschaften aber Rückfragen. So hast du bessere Chancen, die Berufsunfähigkeitsversicherung trotz ADHS zu erhalten, wenn
- der letzte Arztbesuch bereits länger, etwa 3 bis 5 Jahre, her ist,
- keine wesentlichen Beeinträchtigungen des täglichen Lebens bestehen,
- die Krankheit gut „im Griff“ ist, bestenfalls ohne die Einnahme von Medikamenten (zum Beispiel Ritalin).
Bei Versicherungen mit Kopf prüfen wir im Rahmen einer sogenannten anonymen Risikovoranfrage, ob du mit deinen individuellen Vorerkrankungen versicherbar wärst.
So weiß der Versicherer (noch) nicht, wer du bist – und kann die Ablehnung des „finalen“ Antrags auch nicht im zentralen Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft speichern.
BU mit ADHS abschließen: Arztrechnungen prüfen
Manchmal kommt es vor, dass eine ADHS-Diagnose in der Patientenakte oder auf Abrechnungen auftaucht, obwohl sie aus deiner Sicht nie zutreffend war oder möglicherweise falsch gestellt wurde. Gerade vor einem Antrag auf Berufsunfähigkeitsversicherung solltest du deshalb genau prüfen, welche Diagnosen bei Ärzten oder Krankenkasse dokumentiert sind.
Wichtig: Besteht ADHS tatsächlich, sollte die Diagnose nicht einfach als „nicht mehr vorhanden“ eingeordnet werden. ADHS gilt in der Regel nicht als heilbar. Anders kann es sein, wenn die Diagnose damals falsch war oder später fachärztlich korrigiert wurde. Genau solche Punkte sollten vor einer Antragstellung sauber aufgearbeitet werden.
Da gesetzlich Krankenversicherte in der Regel keine Rechnungen vom Arzt erhalten, sollten sie sich die Patientenakte von der gesetzlichen Krankenversicherung anfordern. So machen wir es übrigens auch in unserer Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung.
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Eine Berufsunfähigkeitsversicherung trotz ADHS erhalten: So kannst du vorgehen
Der Versicherer lehnt einen Antrag bzw. eine Voranfrage immer nur anhand der ihm zur Verfügung gestellten Informationen ab. Trägst du also bei den Vorerkrankungen „ADHS“ ein, geht das Versicherungsunternehmen davon aus, dass du mit dieser Erkrankung vollwertig versichert werden möchtest – logisch.
Hier hast du aber nun drei Möglichkeiten.
BU-Versicherung mit Leistungsausschluss für ADHS
Du kannst mit dem Versicherer vereinbaren, dass psychische Erkrankungen oder spezifisch ADHS nicht vom Versicherungsschutz umfasst werden. Der sogenannte Leistungsausschluss bewirkt, dass der Versicherer die vereinbarte Rente nicht auszahlt, wenn du aufgrund deiner ADHS-Erkrankung berufsunfähig werden solltest. In allen anderen Fällen bist du aber „normal“ BU-versichert.
BU-Versicherung mit Risikozuschlag für ADHS
Alternativ kann in manchen Fällen auch ein Risikozuschlag vereinbart werden. Du zahlst dann einen höheren Beitrag als eine gesunde Person, bist jedoch auch für den Fall einer Berufsunfähigkeit aufgrund von ADHS abgesichert.
Frist abwarten
Wurdest du beispielsweise vor 9 Jahren wegen ADHS beraten, untersucht oder behandelt und fragt der Versicherer nach Behandlungen in den letzten 10 Jahren, kann es in Einzelfällen sinnvoll sein, mit dem BU-Antrag noch zu warten. Das gilt aber nicht automatisch, denn ADHS gilt in der Regel nicht als heilbar und muss bei entsprechenden Gesundheitsfragen weiterhin wahrheitsgemäß angegeben werden.
Relevant kann das Abwarten vor allem dann sein, wenn seit Jahren keine Behandlung, keine Medikation und keine wesentlichen Beeinträchtigungen mehr bestehen oder wenn eine frühere ADHS-Diagnose möglicherweise falsch gestellt und später fachärztlich korrigiert wurde. Zur Überbrückung kann je nach Situation zum Beispiel eine Grundfähigkeitsversicherung geprüft werden. Ob dieser Weg sinnvoll ist, sollte aber immer individuell bewertet werden.
Alle drei Wege sind nicht optimal. Sie ermöglichen dir aber dennoch, eine Berufsunfähigkeitsversicherung trotz ADHS – eigentlich ein „absoluter Ablehnungsgrund“ – zu erhalten. Einen Versuch ist es daher fast immer wert.
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Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung bei ADHS-Diagnose
Kommt eine Berufsunfähigkeitsversicherung für dich nicht in Frage, gibt es verschiedene Absicherungsalternativen. Wir stellen dir einige der wichtigsten kurz vor.
Multi-Risk-Versicherung
Eine Multi-Risk-Versicherung deckt, wie der Name bereits verrät, verschiedene Risiken in einer Police ab. Hier sind zum Beispiel diese Versicherungsfälle versichert:
- Invalidität (dauerhafte Einschränkung) durch Unfälle
- Verlust von Grundfähigkeiten (zum Beispiel Gehen, Bücken, Treppensteigen, Willensbildung)
- Schwere Organerkrankungen
- Krebs
- Eintritt der Pflegebedürftigkeit
Hier bist du bereits gegen viele Krankheiten und Vorfälle versichert, wobei der Versicherer im Leistungsfall ebenfalls eine Rente auszahlt. Ihre Höhe bestimmst du selbst.
💡 Bei einigen Versicherern gibt es – quasi als Highlight – eine sogenannte BU-Option. Du kannst ab dem dritten Jahr nach Abschluss der Multi-Risk-Versicherung in eine vollwertige Berufsunfähigkeitsversicherung wechseln. Hierzu sind allerdings weitere Voraussetzungen zu erfüllen, zum Beispiel darfst du ein bestimmtes Höchstalter nicht überschritten haben und der Wechsel muss zu Berufsbeginn erfolgen.
Grundfähigkeitsversicherung
Die Grundfähigkeitsversicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn bei dir eine oder mehrere Grundfähigkeiten dauerhaft verloren geht. Grundfähigkeiten sind zum Beispiel:
- Sehen
- Hören
- Sprechen
- Sitzen
- Atmen
- Denken
- Organfunktionen
Hinzu kommen meist Zusatzleistungen. Der Versicherer leistet dann auch, wenn du zum Beispiel an einer schweren Krankheit wie Krebs erkrankst.
Viele Versicherer bieten die Möglichkeit, die Grundfähigkeitsversicherung in eine Berufsunfähigkeitsversicherung umzuwandeln. ADHS führt aber auch hier oft zum Ausschluss, weil eine vollwertige Gesundheitsprüfung (erneut) durchgeführt werden muss.
Die Grundfähigkeitsversicherung kann sich zur Überbrückung eignen, zum Beispiel, um während der 10-Jahres-Frist bei Fragen zur Psyche nicht komplett ohne Schutz dazustehen. Wenn innerhalb des abgefragten Zeitraums keine Behandlung wegen ADHS mehr stattgefunden hat, kann ein erneuter Versuch für eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll sein.
Wichtig ist dabei aber: ADHS gilt in der Regel nicht als heilbar. Deshalb sollte vorher genau geprüft werden, ob und wie die Diagnose weiterhin dokumentiert ist – oder ob es sich möglicherweise um eine frühere Fehldiagnose gehandelt hat.
Berufsunfähigkeitsversicherung trotz ADHS abschließen – nichts ist unmöglich
Wie du siehst, gibt es durchaus auch mit ADHS die Möglichkeit, eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder zumindest einen möglichst vergleichbaren Schutz zu erhalten. Mitunter ist es hierfür allerdings notwendig, mit dem Versicherer zu verhandeln. So kann die BU-Versicherung beispielsweise mit einem Ausschluss der ADHS-Erkrankung abgeschlossen werden.
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