BU oder ETF? Kann ein ETF die BU-Versicherung ersetzen?
Jeden Monat 50, 100 oder 150 Euro für eine Berufsunfähigkeitsversicherung bezahlen – obwohl du vielleicht niemals berufsunfähig wirst? Da liegt der Gedanke nahe, das Geld stattdessen in einen ETF zu investieren. Schließlich baust du damit eigenes Vermögen auf und hast am Ende tatsächlich etwas von deinen Einzahlungen.
Doch BU oder ETF ist eigentlich die falsche Frage. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung und ein ETF erfüllen zwei völlig unterschiedliche Aufgaben: Mit einem ETF baust du langfristig Vermögen auf. Eine BU-Versicherung sichert dagegen ein finanzielles Risiko ab, das theoretisch schon kurz nach Vertragsabschluss eintreten kann.
💡 Wichtige Infos auf einen Blick
- Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ersetzt einen Teil deines Einkommens, wenn du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst.
- Mit einem ETF-Sparplan baust du dagegen langfristig eigenes Vermögen auf.
- Das Problem eines ETFs als BU-Ersatz ist vor allem die Ansparphase: Wirst du früh berufsunfähig, ist kaum Kapital vorhanden.
- Selbst ein großes ETF-Depot muss möglicherweise jahrzehntelang deinen Lebensunterhalt finanzieren.
- Sinnvoll ist deshalb häufig nicht BU oder ETF, sondern BU und ETF: Existenzrisiko absichern und parallel Vermögen aufbauen.
- Erst bei sehr großem bereits vorhandenem Vermögen kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung wirtschaftlich entbehrlich werden.
- BU oder ETF: Der entscheidende Unterschied
- Berufsunfähigkeitsversicherung oder ETF: Ein Beispiel
- Wie groß müsste das ETF-Depot als BU-Ersatz sein?
- Das größte Problem: Du kennst den Zeitpunkt nicht
- Berufsunfähigkeitsversicherung ETF: Warum die Kombination sinnvoll sein kann
- Wann kann ein ETF eine BU tatsächlich ersetzen?
- Was ist besser: BU oder ETF?
- Fazit: Meist lautet die Antwort BU und ETF statt BU oder ETF
Auch im Video: Kann ein ETF-Sparplan eine Berufsunfähigkeitsversicherung ersetzen?
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BU oder ETF: Der entscheidende Unterschied
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist keine Geldanlage.
Du zahlst einen Versicherungsbeitrag und erhältst dafür die Absicherung eines bestimmten Risikos. Wirst du entsprechend den Versicherungsbedingungen berufsunfähig, zahlt der Versicherer die vereinbarte monatliche BU-Rente.
Bei einem ETF funktioniert es genau andersherum.
Du investierst dein eigenes Geld und baust damit schrittweise Vermögen auf. Wie groß dein Depot nach 10, 20 oder 30 Jahren ist, hängt insbesondere von deinen Einzahlungen und der tatsächlichen Wertentwicklung ab.
Der entscheidende Unterschied lautet deshalb: Eine BU überträgt das finanzielle Risiko einer Berufsunfähigkeit auf einen Versicherer. Mit einem ETF trägst du dieses Risiko selbst.
Was leistet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt nach den jeweiligen Versicherungsbedingungen eine monatliche Rente, wenn du berufsunfähig wirst.
Bei vielen Verträgen liegt Berufsunfähigkeit vor, wenn du deinen zuletzt in gesunden Tagen ausgeübten Beruf aufgrund von Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfall voraussichtlich für mindestens 6 Monate zu mindestens 50% nicht mehr ausüben kannst.
Hast du beispielsweise eine BU-Rente von 2.000 Euro bis zum vollendeten 67. Lebensjahr vereinbart und wirst mit 35 berufsunfähig, kann der Versicherer die vereinbarte Rente über einen sehr langen Zeitraum zahlen, sofern die Voraussetzungen dauerhaft erfüllt bleiben.
Genau dieses Risiko lässt sich mit einem kleinen ETF-Depot kaum auffangen.
Was bringt ein ETF-Sparplan?
Ein ETF-Sparplan eignet sich dagegen hervorragend zum langfristigen Vermögensaufbau.
Du investierst beispielsweise jeden Monat einen festen Betrag in einen breit gestreuten Aktien-ETF. Über Jahrzehnte können sich Einzahlungen und Wertentwicklung zu einem erheblichen Vermögen entwickeln.
Dieses Geld gehört dir.
Du kannst es beispielsweise für deine Altersvorsorge, den Kauf einer Immobilie oder andere finanzielle Ziele verwenden. Wir empfehlen einen ETF-Sparplan vor allem für den Vermögensaufbau. Für die gezielte Altersvorsorge halten wir dagegen eine ETF-Rentenversicherung für sinnvoller.
Das unterscheidet den ETF grundlegend von einer Risikoversicherung: Tritt bei einer BU der Versicherungsfall nie ein, bekommst du bei einer klassischen selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung deine Beiträge grundsätzlich nicht zurück.
Das bedeutet aber nicht, dass die Versicherung nutzlos war. Du hast während der gesamten Vertragsdauer Versicherungsschutz erhalten.
Berufsunfähigkeitsversicherung oder ETF: Ein Beispiel
Nehmen wir an, du bist 25 Jahre alt.
Für eine BU mit einer monatlichen Rente von 2.000 Euro zahlst du beispielhaft 80 Euro monatlich.
Alternativ könntest du diese 80 Euro jeden Monat in einen ETF investieren.
Unterstellen wir zur Veranschaulichung eine durchschnittliche Rendite von 6% jährlich. Tatsächliche Kapitalmarktrenditen sind natürlich nicht garantiert.
Nach 10 Jahren lägen deine Einzahlungen bei: 80 Euro * 12 * 10 = 9.600 Euro
Durch die angenommene Wertentwicklung wäre dein Depot größer und könnte grob bei rund 13.000 Euro liegen.
Nun wirst du mit 35 Jahren berufsunfähig.
Mit deinem ETF-Depot müsstest du deinen Einkommensausfall selbst finanzieren. Bei einem Bedarf von 2.000 Euro monatlich wären 13.000 Euro bereits nach ungefähr 6,5 Monaten verbraucht – Steuern, weitere Wertentwicklung und Kursschwankungen einmal ausgeblendet.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung würde dagegen bei einem anerkannten Leistungsfall die vereinbarten 2.000 Euro monatlich zahlen.
Genau darin liegt der entscheidende Unterschied.
Was passiert, wenn du sehr früh berufsunfähig wirst?
Noch deutlicher wird das Problem, wenn die Berufsunfähigkeit kurz nach Beginn des Sparplans eintritt.
Angenommen, du investierst monatlich 100 Euro in einen ETF und wirst bereits 2 Jahre später dauerhaft berufsunfähig.
Du hast bis dahin gerade einmal 2.400 Euro eingezahlt.
Selbst eine außergewöhnlich gute Börsenentwicklung kann daraus innerhalb von 2 Jahren kein Vermögen machen, das dein Einkommen für mehrere Jahrzehnte ersetzt.
Eine BU mit beispielsweise 2.000 Euro Monatsrente kann dagegen grundsätzlich bereits nach kurzer Vertragsdauer die volle vereinbarte Leistung erbringen, wenn der Versicherungsfall eingetreten ist.
Das ist der zentrale Vorteil des Versicherungsprinzips.
Wie groß müsste das ETF-Depot als BU-Ersatz sein?
Entscheidend ist nicht, wie viel Geld du bis zur Berufsunfähigkeit eingezahlt hast, sondern welches Kapital du benötigst, um dein fehlendes Einkommen langfristig zu ersetzen.
Angenommen, du benötigst monatlich 2.000 Euro.
Das entspricht: 24.000 Euro pro Jahr.
Soll das Kapital beispielsweise 30 Jahre reichen, wären ohne Berücksichtigung von Rendite, Inflation und Steuern bereits 24.000 Euro * 30 Jahre = 720.000 Euro notwendig.
Natürlich könnte das verbleibende Kapital währenddessen weiter investiert werden und Renditen erzielen. Gleichzeitig wirken aber Inflation, Steuern und Börsenrisiken. Außerdem weißt du beim Eintritt einer Berufsunfähigkeit nicht, ob sie 2 Jahre oder 30 Jahre dauern wird.
Genau diese Unsicherheit übernimmt bei einer BU der Versicherer.
Das größte Problem: Du kennst den Zeitpunkt nicht
Wenn du mit 25 Jahren bereits ein ETF-Vermögen von 1 Million Euro besitzt, kannst du möglicherweise tatsächlich darüber nachdenken, dein Berufsunfähigkeitsrisiko selbst zu tragen.
Die meisten Menschen beginnen ihren Vermögensaufbau jedoch erst während ihres Berufslebens.
Und niemand weiß, wann eine mögliche Berufsunfähigkeit eintritt.
Das macht den ETF als alleinigen BU-Ersatz problematisch.
| Eintritt der BU | Situation des ETF-Sparers |
|---|---|
| kurz nach Sparbeginn | kaum Vermögen vorhanden |
| nach 10 Jahren | erstes relevantes Kapital, meist kein langfristiger Einkommensersatz |
| nach 20 Jahren | deutlich größeres Depot möglich |
| nach 30 bis 40 Jahren | Selbstabsicherung kann bei ausreichend hohem Vermögen realistischer werden |
Je größer dein frei verfügbares Vermögen bereits ist, desto weniger bist du auf eine Versicherung deiner Arbeitskraft angewiesen.
Was passiert bei einem Börsencrash?
Hinzu kommt das sogenannte Sequenzrisiko.
Du weißt nicht, wie die Börse gerade steht, wenn du berufsunfähig wirst.
Angenommen, dein ETF-Depot ist auf 150.000 Euro angewachsen. Kurz vor Eintritt deiner Berufsunfähigkeit verlieren die Aktienmärkte deutlich an Wert.
Jetzt musst du möglicherweise genau während einer schlechten Marktphase Anteile verkaufen, um deinen Lebensunterhalt zu finanzieren.
Damit realisierst du Verluste und reduzierst gleichzeitig das Kapital, das an einer späteren Erholung teilnehmen könnte.
Eine vereinbarte BU-Rente hängt dagegen grundsätzlich nicht davon ab, ob der Aktienmarkt gerade steigt oder fällt.
Was passiert mit deiner Altersvorsorge?
Ein weiterer Punkt wird beim Vergleich Berufsunfähigkeitsversicherung und ETF leicht übersehen.
Dein ETF-Depot sollte möglicherweise eigentlich deine Altersvorsorge finanzieren.
Wirst du berufsunfähig und verwendest das Kapital stattdessen für deine laufenden Lebenshaltungskosten, löst du zwar das aktuelle Problem – schaffst aber möglicherweise ein neues für das Rentenalter.
Zusätzlich kann deine Fähigkeit zum weiteren Vermögensaufbau sinken.
Fällt dein Arbeitseinkommen weg, kannst du deinen bisherigen ETF-Sparplan möglicherweise nicht mehr fortführen.
Eine ausreichend hohe BU-Rente sollte deshalb so kalkuliert werden, dass neben den laufenden Lebenshaltungskosten weiterhin Geld für die Altersvorsorge zur Verfügung steht.
Berufsunfähigkeitsversicherung ETF: Warum die Kombination sinnvoll sein kann
Wer nach „Berufsunfähigkeitsversicherung ETF“ sucht, muss sich deshalb nicht zwangsläufig für eine der beiden Varianten entscheiden.
Die Produkte erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Berufsunfähigkeitsversicherung: Schutz des laufenden Einkommens beziehungsweise der Arbeitskraft.
ETF: langfristiger Vermögensaufbau und Altersvorsorge.
Beides lässt sich kombinieren.
Beispiel
Du kannst monatlich 500 Euro für Absicherung und Vermögensaufbau einsetzen.
Statt die gesamten 500 Euro in einen ETF zu investieren, könntest du beispielsweise 80 Euro für eine BU und 420 Euro für den ETF-Sparplan verwenden.
Die konkreten Beträge sind natürlich individuell.
Damit sicherst du das existenzielle Risiko einer Berufsunfähigkeit ab und baust gleichzeitig eigenes Vermögen auf.
Aber die BU-Beiträge sind weg, wenn nichts passiert
Das stimmt bei einer klassischen selbstständigen BU grundsätzlich.
Wirst du während der gesamten Vertragslaufzeit nicht berufsunfähig, erhältst du nicht einfach deine gezahlten Beiträge zurück.
Das ist aber das Prinzip einer Risikoversicherung.
Bei einer Privathaftpflichtversicherung erwartest du ebenfalls nicht, dass dir nach 30 schadenfreien Jahren sämtliche Beiträge zurückgezahlt werden.
Du bezahlst dafür, dass der Versicherer während der Vertragsdauer ein finanzielles Risiko übernimmt, das du selbst möglicherweise nicht tragen könntest.
Eine BU solltest du deshalb nicht anhand ihrer „Rendite“ beurteilen.
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Wann kann ein ETF eine BU tatsächlich ersetzen?
Ein ETF bzw. vorhandenes Vermögen kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung ersetzen, wenn dein Vermögen groß genug ist, dass du den dauerhaften Verlust deines Arbeitseinkommens selbst verkraften kannst.
Das wird als Selbstversicherung bezeichnet.
Entscheidend ist nicht allein die Depotgröße.
Du musst unter anderem berücksichtigen:
- deinen jährlichen Finanzbedarf,
- dein Alter,
- die mögliche Dauer einer Berufsunfähigkeit,
- Inflation,
- Steuern,
- Kapitalmarktrisiken,
- Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie
- deine Altersvorsorge.
Wer beispielsweise bereits mehrere Millionen Euro frei verfügbares Vermögen besitzt und nur 30.000 Euro jährlich zum Leben benötigt, muss sein Arbeitseinkommen möglicherweise nicht mehr zwingend über eine BU absichern.
Bei einem 25-Jährigen mit einem ETF-Depot von 10.000 Euro sieht das völlig anders aus.
Was ist besser: BU oder ETF?
Ein direkter Vergleich ist nur eingeschränkt sinnvoll.
| Berufsunfähigkeitsversicherung | ETF |
|---|---|
| sichert ein existenzielles Risiko ab | dient dem Vermögensaufbau |
| kann schon früh hohe Leistungen ermöglichen | Vermögen muss erst aufgebaut werden |
| Leistung bei versichertem BU-Fall | Kapital jederzeit vorhanden, aber begrenzt |
| keine Börsenabhängigkeit der vereinbarten BU-Rente | Wert schwankt mit dem Kapitalmarkt |
| Beiträge sind Kosten des Versicherungsschutzes | Sparbeträge bauen eigenes Vermögen auf |
| Schutz grundsätzlich nur bei erfüllter BU-Definition | Kapital kann unabhängig vom Grund verwendet werden |
Die beiden Instrumente sind damit keine echten Alternativen.
BU-Beitrag lieber investieren?
Diese Überlegung kann trotzdem sinnvoll sein – nämlich dann, wenn du bereits ausreichend Vermögen besitzt.
Mit zunehmendem Vermögen sinkt die finanzielle Bedeutung deines zukünftigen Arbeitseinkommens.
Ein 25-Jähriger ohne nennenswertes Vermögen besitzt wirtschaftlich betrachtet vor allem eines: seine zukünftige Arbeitskraft.
Mit 60 Jahren, einem abbezahlten Haus und einem großen Wertpapierdepot kann die Situation vollkommen anders aussehen.
Deshalb kann sich auch der Absicherungsbedarf im Laufe des Lebens verändern.
Fazit: Meist lautet die Antwort BU und ETF statt BU oder ETF
Die Frage „BU oder ETF?“ stellt zwei Produkte gegenüber, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen.
Ein ETF ist hervorragend geeignet, um langfristig Vermögen aufzubauen. Er schützt dich aber gerade in den ersten Jahren kaum vor dem finanziellen Risiko einer frühen Berufsunfähigkeit.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung übernimmt dagegen genau dieses Risiko. Bei einem versicherten Leistungsfall kann sie bereits kurz nach Vertragsbeginn eine hohe monatliche BU-Rente zahlen, obwohl du selbst noch kaum Vermögen aufgebaut hast.
Deshalb lautet die sinnvollere Strategie für viele Erwerbstätige nicht Berufsunfähigkeitsversicherung oder ETF, sondern Berufsunfähigkeitsversicherung und ETF: Du versicherst das finanzielle Risiko, das du noch nicht selbst tragen kannst, und baust parallel Vermögen auf.
Erst wenn dein vorhandenes Vermögen groß genug ist, um einen langfristigen Ausfall deines Arbeitseinkommens problemlos aufzufangen, kannst du darüber nachdenken, das Berufsunfähigkeitsrisiko vollständig selbst zu tragen bzw. die BU zu kündigen.
Wenn du wissen willst, wie unsere Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung abläuft, kannst du dir gerne den verlinkten Artikel durchlesen.
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