Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsfragen
Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) gehört zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt. Sie zahlt dir eine monatliche Rente, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr ausüben kannst. Viele Interessenten schrecken allerdings vor den Gesundheitsfragen im Antrag zurück. Vor allem Personen mit Vorerkrankungen suchen deshalb gezielt nach einer Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsfragen.
Ganz so einfach ist es jedoch nicht: Eine klassische BU komplett ohne Gesundheitsprüfung gibt es in der Praxis kaum. Versicherer benötigen Informationen zu deinem Gesundheitszustand, um das Risiko einschätzen und Beiträge kalkulieren zu können.
Dennoch existieren einige Modelle, bei denen keine oder nur stark reduzierte Gesundheitsfragen gestellt werden.
💡 Wichtige Infos auf einen Blick
- Eine klassische BU komplett ohne Gesundheitsfragen gibt es grundsätzlich nicht. Der Versicherer benötigt diese Angaben, um das Risiko für sich und die anderen Versicherten einschätzen zu können.
- Bei bestimmten Aktionen stellen Versicherer nur vereinfachte Gesundheitsfragen. Hier sind beispielsweise die Abfragezeiträume kürzer.
- Manche Versicherer verzichten auf Gesundheitsfragen, dafür haben die Tarife aber Einschränkungen. So ist etwa die BU-Rente erstmal stark begrenzt.
- Eine spätere Erhöhung deiner BU ist oft ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich. Das Stichwort lautet hier „Nachversicherungsgarantie“.
- Gibt es eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsfragen?
- Grundsatz: Warum Gesundheitsfragen bei der BU üblich sind
- Berufsunfähigkeitsversicherung mit vereinfachten Gesundheitsfragen
- BU ohne Gesundheitsfragen – aber mit Wartezeit
- Gruppenlösungen über Arbeitgeber
- Die Nachversicherung ohne erneute Gesundheitsprüfung
- Für wen eine BU mit vereinfachten Gesundheitsfragen sinnvoll sein kann
- Fazit: Eine vollwertige BU ohne Gesundheitsfragen gibt es nicht
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Gibt es eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsfragen?
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Gesundheitsfragen gibt es in Deutschland derzeit nicht. Die Gesundheitsprüfung ist bei allen Anbietern Voraussetzung für den Vertragsabschluss.
Grundsatz: Warum Gesundheitsfragen bei der BU üblich sind
Wenn du eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, möchte der Versicherer dein individuelles Risiko möglichst genau einschätzen. Dazu gehören Informationen über deinen Gesundheitszustand.
Typische Fragen betreffen beispielsweise:
- Behandlungen und Erkrankungen der letzten Jahre
- Krankenhausaufenthalte
- psychische Erkrankungen oder Therapien
- Größe und Gewicht
- Lebensstil wie Raucherstatus und gefährliche Hobbys
Diese Angaben sind für Versicherer notwendig, um Beiträge kalkulieren zu können. Neben einer Ablehnung kann es zu Risikozuschlägen oder Leistungsausschlüssen kommen.
Ohne Gesundheitsprüfung müssten sie deutlich höhere Beiträge verlangen, da sie das Risiko nicht individuell bewerten könnten. Der Versicherer müsste in diesem Fall immer vom „Worst Case“ ausgehen, um seine finanzielle Stabilität zu erhalten.
Für dich als Versicherungsnehmer hat diese Prüfung also sogar Vorteile. In vielen Fällen bekommst du dadurch günstigere Beiträge und sofortigen Versicherungsschutz, ohne Wartezeiten.
Besonderheit bei der BU: Berufsgruppen und Risikoklassen
Versicherer ordnen Berufe unterschiedlichen Risiko- bzw. Berufsgruppen (meist 1 bis 5) oder Gefahrenklassen (A bis E) zu. Maßgeblich ist dabei, wie hoch das Risiko ist, berufsunfähig zu werden:
- Klasse A (geringstes Risiko): zum Beispiel Bürojobs, Ärzte ohne OP-Tätigkeit, Apotheker
- Klasse B: zum Beispiel kaufmännische Berufe, Redakteure
- Klasse C: zum Beispiel Lehrer, Außendienst, Pflegepersonal
- Klasse D: zum Beispiel Bauarbeiter, Dachdecker, Schreiner, Schornsteinfeger
- Klasse E (höchstes Risiko): zum Beispiel Sprengmeister, Profisportler
Wichtig: Die genaue Einstufung kann sich je nach Versicherer unterscheiden.
Berufe mit höherem Risiko lassen sich oft nur mit einem Risikozuschlag versichern. Grundsätzlich gilt: Je höher das Risiko, desto teurer der Beitrag.
Zusätzlich wirken sich auch dein Eintrittsalter, die Laufzeit, die Höhe der BU-Rente, der gewählte Leistungsumfang sowie weitere Vertragsklauseln auf den Beitrag aus.
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Berufsunfähigkeitsversicherung mit vereinfachten Gesundheitsfragen
Auch wenn eine BU komplett ohne Gesundheitsfragen selten ist, bieten Versicherer regelmäßig Sonderaktionen mit vereinfachten Gesundheitsfragen an.
In solchen Aktionen musst du häufig nur wenige Fragen beantworten, etwa:
- ob aktuell eine Arbeitsunfähigkeit besteht
- ob schwere Erkrankungen vorliegen
- ob kürzlich Krankenhausaufenthalte stattgefunden haben
Teilweise ist es auch so, dass zwar die gleichen Gesundheitsfragen wie bei einer „normalen BU“ gestellt werden, jedoch der Abfragezeitraum verkürzt ist (zum Beispiel 3 statt 5 Jahren).
Solche Angebote richten sich häufig an bestimmte Zielgruppen, etwa Berufseinsteiger, Ärzte oder Rechtsanwälte. Der Vorteil liegt darin, dass auch Personen mit kleineren gesundheitlichen Problemen teilweise eine BU abschließen können.
Nachteile BU mit vereinfachten Gesundheitsfragen
Nicht immer, aber oft sind solche BU-Varianten mit Nachteilen verbunden – zum Beispiel einer niedrigeren BU-Rente, einer kürzeren Laufzeit oder fehlenden Möglichkeiten zur späteren Anpassung.
BU ohne Gesundheitsfragen – aber mit Wartezeit
Eine weitere Variante ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung, bei der auf Gesundheitsfragen verzichtet wird, dafür aber eine Wartezeit gilt. Diese Wartezeit beträgt häufig etwa 3 Jahre.
Hierbei handelt es sich jedoch um keine vollwertige BU, die als Einkommensabsicherung gedacht ist, sondern um einen Vorsorgeschutz für Verträge. Im Falle einer Berufsunfähigkeit zahlt die Versicherung lediglich die Beiträge für zum Beispiel deine Altersvorsorge oder andere Verträge.
Dieses Modell richtet sich vor allem an Menschen, die aufgrund von Vorerkrankungen Schwierigkeiten haben, eine klassische BU abzuschließen. Ob so ein Vertrag wirklich sinnvoll ist, darüber lässt sich streiten.
Gruppenlösungen über Arbeitgeber
In einigen Fällen kannst du auch über deinen Arbeitgeber Zugang zu einer BU mit vereinfachten Gesundheitsfragen oder sogar ohne Gesundheitsprüfung (mit Dienstobliegenheitserklärung) erhalten.
Solche Lösungen gibt es häufig im Rahmen von betrieblichen Vorsorgekonzepten oder Gruppenversicherungen. Der Arbeitgeber ist hierbei der Versicherungsnehmer und die Arbeitnehmer sind die versicherten Personen.
Man unterscheidet zwischen einer selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung (SBU) und einer Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung (BUZ), die an eine betriebliche Altersvorsorge gekoppelt ist.
Vorteile betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung
Der Vorteil liegt darin, dass der Versicherer das Risiko auf viele Beschäftigte verteilt und daher weniger strenge Gesundheitsprüfungen durchführen muss.
Für Arbeitnehmer bietet die betriebliche BU-Versicherung vor allem den Vorteil vereinfachter Gesundheitsfragen sowie Einsparungen bei Steuern und Sozialabgaben.
Für Arbeitgeber wiederum ist sie ein Instrument, um Fachkräfte zu gewinnen und langfristig an das Unternehmen zu binden.
Nachteile betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung
Diese Angebote sind allerdings meist nur für Mitarbeiter des jeweiligen Unternehmens verfügbar. Die Tarife bieten außerdem nur begrenzte Anpassungsmöglichkeiten und eignen sich daher im Regelfall nicht für eine vollwertige und individuell zugeschnittene BU-Absicherung.
Nachteile aus Sicht des Arbeitnehmers sind vor allem diese eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten, die ungünstigere Besteuerung der BU-Rente sowie mögliche Probleme bei einem Arbeitgeberwechsel.
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Die Nachversicherung ohne erneute Gesundheitsprüfung
Auch wenn du beim Abschluss einer BU Gesundheitsfragen beantworten musst, kannst du deine Absicherung später häufig ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen. Das funktioniert über sogenannte Nachversicherungsgarantien.
Zu bestimmten Anlässen wie Hochzeit, Hausbau, Gehaltserhöhung oder auch zu fest definierten Zeitpunkten kannst du die Nachversicherungsgarantie nutzen.
Je nach Versicherer gibt es dabei Obergrenzen, bis zu denen sich die BU-Rente über diese Option erhöhen lässt.
Wird die BU im Rahmen der Nachversicherungsgarantie angepasst, entsteht für den zusätzlichen Betrag immer ein neuer Vertrag, da der bestehende nicht einfach erhöht werden kann. Dadurch werden für die Berechnung der zusätzlichen BU-Rente stets dein aktuelles Alter und dein aktueller Beruf zugrunde gelegt.
Ergänzend zur Nachversicherungsgarantie solltest du auch auf eine Beitragsdynamik im Vertrag achten.
Der Vorteil: Deine BU-Rente lässt sich an deinen steigenden Lebensstandard anpassen, ohne dass dein aktueller Gesundheitszustand noch einmal geprüft wird.
Für wen eine BU mit vereinfachten Gesundheitsfragen sinnvoll sein kann
Eine BU mit vereinfachten Gesundheitsfragen kann insbesondere für dich interessant sein, wenn du kleinere Vorerkrankungen hast oder bereits eine Ablehnung bei einem Versicherer erhalten hast.
Trotzdem lohnt es sich in vielen Fällen, zunächst zu prüfen, ob eine klassische BU mit normaler Gesundheitsprüfung möglich ist. Diese Tarife bieten meist bessere Bedingungen und einen umfassenderen Versicherungsschutz.
Kann man trotz Vorerkrankung eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen?
Ja, in vielen Fällen ist das möglich. Tatsächlich gibt es kaum Anträge ohne irgendeine Vorerkrankung. Entscheidend ist vor allem, dass du die Gesundheitsfragen vollständig und ehrlich beantwortest.
Wenn du etwas verschweigst oder falsche Angaben machst, riskierst du deinen Versicherungsschutz – und gehst im schlimmsten Fall bei einer Berufsunfähigkeit leer aus. Der Versicherer kann sich dann auf die sogenannte vorvertragliche Anzeigepflicht (VVG) berufen, Leistungen verweigern und sogar vom Vertrag zurücktreten.
Damit bei der Beantwortung der Gesundheitsfragen keine Fehler passieren, lassen wir unsere Kunden in unserer Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung immer die Patientenakte anfordern.
Mit diesen Angaben führen wir dann eine anonyme Risikovoranfrage bei vielen verschiedenen Versicherern durch, damit der Kunde das bestmögliche Angebot anhand seiner Vorerkrankungen erhält.
Fazit: Eine vollwertige BU ohne Gesundheitsfragen gibt es nicht
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung komplett ohne Gesundheitsfragen gibt es in der Praxis kaum. Versicherer benötigen Angaben zu deinem Gesundheitszustand, um das Risiko korrekt einschätzen zu können.
Dennoch hast du Möglichkeiten, den Abschluss zu erleichtern. Dazu gehören insbesondere Sonderaktionen mit vereinfachten Gesundheitsfragen sowie Nachversicherungsgarantien ohne erneute Gesundheitsprüfung, sofern du bereits eine Berufsunfähigkeitsversicherung hast.
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